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Hamelner Alexander Ruppert hat seinen Job gekündigt – weil er neue Perspektiven sucht

Auf „Auszweit“

Hameln/Laos. Heiligabend 2014 – für Alexander Ruppert ist heute nichts so, wie es sonst ist. Statt norddeutschem Weihnachtswetter mit Sturm und Regen herrschen sommerliche Temperaturen, „lassen fremde Kultur und Religion wie der Buddhismus kaum weihnachtliche Gefühle zu“, wie der Hamelner aus Laos schreibt. „Das war mal französische Kolonie, weshalb wir vereinzelte Weihnachtsbäume entdeckt haben. Für mich die erste Erfahrung dieser Art.“ Der 28-Jährige ist mit seiner gleichaltrigen Freundin Elena Lange auf fünfmonatiger Reise durch Südostasien, in Nepal, Myanmar und Thailand. Kein gewöhnlicher Urlaub: Er hat die „Komfortzone“ verlassen, wie er selbst sagt, den gut bezahlten, sicheren Job gekündigt, um Neues zu entdecken.

veröffentlicht am 23.12.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite
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„Wenn Sie das nicht eines Tages bereuen“, habe sein Professor gemahnt, und auch seine Mutter sei zunächst nicht begeistert gewesen, dass Alexander, der 2005 sein Abitur am Viktoria-Luise-Gymnasium gemacht und nach dem Jura-Studium zuletzt in einem Start-up-Unternehmen für die Geschäftsentwicklung mitverantwortlich war, als „Backpacker“ nur mit einem Rucksack in eine unbekannte Welt hinausziehen wollte. „Ausgerechnet jetzt, wo du so gut verdienst, das würde ich nicht machen“, habe seine Mutter gesagt. Ihm selbst sei der Entscheidungsprozess nicht leichtgefallen, das habe Monate gedauert. Doch es sei schon immer ein Traum von ihm und seiner Freundin, mit der er seit sieben Jahren zusammen ist, gewesen, „und es kommt ja immer was dazwischen“.

So musste er den Zeitpunkt, an dem er seine persönliche Komfortzone verlassen konnte, regelrecht erzwingen, wie er sagt – durch die Kündigung seines Jobs bei einem Berliner Start-up-Unternehmen. Seit September 2014 sind Alexander und Elena unterwegs. Bereut hat das Paar den Schritt bis heute nicht; im Gegenteil: „Ich lerne viel, verbessere mein Französisch und Englisch und komme in herausfordernde Situationen, stelle mich Ängsten wie vor Höhe oder Spinnen“, sagt Alexander. Und mittlerweile freut sich auch seine Mutter Sabine Geithner für die Kinder. Obwohl es kritische Situationen gab: Das schwere Lawinenunglück, das am Annapurna in Nepal viele Tote gefordert hat, erlebten die Weltenbummler hautnah mit. „Als ich den Anruf meines Sohnes über Handy bekam – das er dort sonst selten nutzt – habe ich erst nicht verstanden, worum es geht. Er wollte mir nur sagen, dass sie in Sicherheit sind, aber von dem Unglück hatte ich noch gar nichts mitbekommen“, erinnert sich Sabine

Geithner.

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  • Der Hamelner Alexander Ruppert mit seiner Freundin Elena Lange bei der Trekking-Tour auf dem Annapurna. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie noch nichts von dem schweren Lawinenunglück mit vielen Toten, das sich dort ereignete. „Möglicherweise waren wir einigen Opfern zuvor auf dem Annapurna Trek begegnet“, schreibt der Hamelner in seinem Blog.

Erst später sei ihr bewusst geworden, „was für ein Glück die beiden hatten“. Wie Alexander und Elena das Unglück erlebt haben, ist nachzulesen im Blog: „Der Schock saß bei uns allen tief, viele Fragen schwirrten uns im Kopf herum: Was wäre gewesen, wenn…? (…) Möglicherweise waren wir einigen Opfern zuvor auf dem Annapurna Trek begegnet.“

Durch den Blog werden Freunde und Familie zu „Reisebegleitern“. Mit ihrer „Auszweit“ wollen „wir die Leser zum Reisen animieren“.

Für den heutigen 24. Dezember haben die beiden sich ein etwas besseres Hotel gegönnt und sind auf den 4000 Inseln im Mekong-Delta an der Grenze zu Kambodscha. Bei allem Reisefieber: „Die Familie fehlt in diesen Tagen doch ganz schön.“ Was er sonst noch vermisst: „Deutsche Verkehrsregeln…“ und „einen festen Ort, an den ich immer wieder zurückkommen kann“. Das Rucksackleben hat auch Nachteile.

Was verpassen die Menschen, die es nicht wagen, ihre Komfortzone zu verlassen? „Der interkulturelle Austausch, mit Einheimischen und Reisenden aus aller Welt, schafft neue Perspektiven auf die Probleme der Welt.“ Neben dem Erleben atemberaubender Natur scheine alles näher zusammenzuwachsen, „man fühlt sich mit den Ländern, die man bereist hat und den Personen, die man kennengelernt hat, sehr verbunden. Das schafft eine Art globales Wir-Gefühl...“. Die „Auszweit“ biete Zeit, sich mit sich selbst und seinem Leben auseinanderzusetzen und die zentralen Lebensfragen zu stellen. Außerdem könne man den sozialen Druck („höher, schneller, weiter, sicherer“) auf Reisen gut relativieren. Alexander: „In vielen Nationen ticken die Uhren langsamer und die Menschen leben mehr im Moment. Davon versuchen wir, uns inspirieren zu lassen. Mal sehen, wie lange das in der alten Umgebung anhält.“

Der Rückflug ist für Ende Februar bereits gebucht. Wie es danach weitergeht? „Der alte Job wird es sicher nicht werden, auch wenn daran nichts auszusetzen war. “ Existenzängste habe er nicht. Er möchte sich neuen Herausforderungen stellen…

Reiseblog von Alexander Ruppert: http://auszweit.de/komfortzone-verlassen-reisebericht/

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