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Museumsfigur bekommt neues Kostüm / Kleidung wurde über die Jahre immer bunter

Auch Rattenfänger sind der Mode unterworfen

Hameln. Pünktlich zum Frühlingsbeginn hat der Rattenfänger vor dem Museum neue Kleider bekommen. Genäht hat sie Ulla Lesovsky aus Baarsen. Nachdem sie an der Figur Maß genommen hat, orientierte Lesovsky sich an Postkarten aus dem Museum. Eine Woche hat sie dafür gebraucht, für Oberteil und Strumpfhose je acht Meter Stoff verbraucht. „Dieses Kostüm hat mir besonders viel Spaß gemacht, weil es eine besondere Herausforderung war.“ Je komplizierter eine Arbeit, desto spannender sei sie für Lesovsky. Und kompliziert ist das mit dem Rattenfänger und seiner Mode wahrlich.

veröffentlicht am 26.03.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 17:41 Uhr

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„Rattenfänger einzukleiden ist gar nicht so einfach“, sagt Michael Boyer, Hamelns hauptamtlicher Rattenfänger-Darsteller. Die Kostüme der Darsteller wechselten im Laufe der Jahrhunderte – sie unterlagen dem unsichtbaren Diktat der Mode der jeweiligen Zeit. Heute ist das vielfarbige Kostüm per Patent geschützt. Schuster, Hutmacher, Schneider und Strumpfmacher richten sich danach, Schnabelschuhe, Federhut, Gewand und Strümpfe anzupassen.

Im Jahr 1884 mit Pumphose in Romantikstil angefangen, zwischen 1921 und 1934 mit „Flügeln“ dazu und Sonnensymbolik, 1934 bis 1940 in Rot/Grün mit zwei Streifen, nach 1945 bis 1970 vierfarbig mit vier Streifen und ab etwa 1970 sehen wir den Rattenfänger bis heute als Geschmacksmuster europaweit geschützt. Um 1990 kam eine Änderung herein. Als Hameln für sein Aushängeschild keinen roten Strumpfstoff bekommen konnte, wurde eine Seite vom Pfeiferbein in Orange gehüllt, und so ist es geblieben. Boyer sagt: „Lila ist auch nicht Lila. Manche Jahre ist mehr Rot drin, ein anderes Mal Blau. Gelb gab es mal schattiert. Deshalb bemüht sich die Hameln Marketing und Tourismus GmbH, immer eine Menge Stoff zu kaufen, damit es länger reicht und mehrere Kostüme daraus geschnitten werden können.“

Das aktuelle Kostüm-Design stammt vom Hamelner Schneidermeister Wolfgang Meyer, veredelt wurde es von Schneidermeister Heinrich Wichmann aus dem Auetal, der die letzten 15 Jahre des „Rattenfängers“ Kleider nähte. Die neue Näherin, Renate Weber, kaufte kürzlich die Stoffe und Garne auf dem jährlichen „Holländischen Stoffmarkt“ in Hannover schon mal für drei Kostüme vorrätig ein. Ein paar Tücken gibt es im Pfeifer-Kostüm: Die Vorderteile treffen sich genau mittig, ohne Leiste. Der plissierte Rock verbirgt drei Meter Stoff, fast so wie ein Schottenrock. Im Rock sind zwei versteckte Innentaschen für Privates eingenäht. In den kalten Tagen zieht der Rattenfänger die Wintervariante an, mit hübschem buntem Schal und langen warmen Unterhosen. Bei Regen nimmt er einen bunten Regenschirm mit. Brille auf der Nase ist natürlich ein „No go“.

Das Meisterstück ist aber die Mütze. Über die Generationen verbessert, ist sie jetzt passförmig und sitzt bombenfest. Und das muss so sein, weil sie ansonsten vom Kopf fallen würde bei jeder Drehung, weil die Federn bremsen. Die Federn gibt es in verschiedenen Längen und Schönheitsstufen. Meistens „Deckfedern“ vom „Königsfasan“; davon stecken drei Stück in der Kopfbedeckung. Die Federn sind schwierig zu bekommen und sehr teuer. „Nur: Da schaut wohl fast keine Frau hin, denn die linsen auf die Schnabelschuhe“, sagt Boyer. Auch bei den auffälligen gelb gefärbten Schuhen ist nichts „von der Stange“ zu erhalten, sie müssen vom Schuhmachermeister gefertigt und angepasst werden. Die werden heute von dem Hamelner Schuhmacher Janus angefertigt. Zusammen gerechnet kostet ein Kostüm vom Kopf bis Fuß rund 2000 Euro – dazu kommt das Instrument, und der weltberühmte Hamelner ist komplett.red

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