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Streitfrage: Hund misshandelt? / Hamelner wegen angeblich falscher Verdächtigung vor Gericht – Freispruch

„Auch in Zukunft Zivilcourage zeigen“

Hameln. Zivilcourage wird doch nicht bestraft. Diese Erfahrung durfte gestern Dirk Golke in seiner Verhandlung vor dem Amtsgericht machen, die mit einem Freispruch endete. Der 49-Jährige hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl über 600 Euro, ersatzweise 20 Tage Haft, eingelegt, in dem ihm die Staatsanwaltschaft Hannover zur Last gelegt hatte, über eine ehemalige Mieterin des Hauses, in dem er lebt, „wider besseres Wissen eine Behauptung tatsächlicher Art aufgestellt zu haben, die geeignet ist, eine behördliche Maßnahme“ gegen die Betroffene herbeizuführen. Im Klartext: Golke soll ihr fälschlich bei einer Behörde, dem Veterinäramt, eine Misshandlung ihres Hundes vorgeworfen haben, um die Behörde zu veranlassen, gegen sie vorzugehen (wir berichteten). Bei einem ersten Verhandlungstermin Anfang September war der Prozess ausgesetzt worden, weil Christine K., die Hauptbelastungszeugin, die Golke bei der Polizei angezeigt hatte, nicht erschienen war.

veröffentlicht am 10.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Widersprüchliche Darstellungen

Bei der gestrigen Beweisaufnahme bestätigte Dr. Gabriele Volker vom Veterinäramt zwar, dass sie bei einem von Golke geforderten Besuch bei der Mieterin am 9. Dezember 2013 zwar nicht habe feststellen können, dass der Hund, eine große Dogge, misshandelt worden sei, Zeugen Golkes bestätigten aber seine Version in allen wesentlichen Punkten, wonach die Frau den Hund auf dem Hof des Mietshauses mehrfach mit der Leine auf den Rücken geschlagen habe. Für den 49-Jährigen war dies ein klarer Fall von Tierquälerei, der ihn veranlasste, das Veterinäramt anzurufen, damit dem Treiben ein Ende gemacht werde.

Einen wesentlichen Ausschlag für den Freispruch gab möglicherweise die Aussage des Zeugen Robert Fuduric, der Christine K. die Dogge als Welpen vermittelt hatte. „Golke hatte mir schon vor dem Vorfall“, um den es in der Verhandlung ging, „mehrfach berichtet, dass K. den Hund geschlagen hat“, erklärte Fuduric. Das habe sie ihm gegenüber zwar bestritten, doch bezweifelte der Zeuge die Glaubwürdigkeit der Frau.

Sie habe mit dem Hund nicht richtig umgehen können und auch nicht wirklich etwas von Hunden verstanden. „Der war für sie viel zu groß.“ Wenn sie mit dem Rüden Gassi gegangen sei, „war es eher so, dass der Hund mit ihr Gassi ging“, berichtete Fuduric und bezeichnete die Berichte Golkes als durchaus glaubwürdig. Dass zwischen der Darstellung der zeitlichen Abläufe an jenem Tag, wie sie die Veterinärmedizinerin und Golkes Zeugen schilderten, deutliche Differenzen bestanden, konnte gestern vor dem Amtsgericht trotz intensiver Befragung durch die Richterin nicht aufgeklärt werden.

Nach gut zwei Stunden Verhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft Freispruch für Dirk Golke, weil er offenbar doch nicht wissentlich falsche Angaben gemacht habe. Ohne lange Beratung kam auch die Richterin zu dem Schluss, dass Golke nicht zweifelsfrei der Straftatbestand gemäß Paragraf 164, Absatz 2, des Strafgesetzbuches zur Last gelegt werden könne. „In diesem Fall ist der Angeklagte freizusprechen.“ Dem Beklagten gab die Richterin mit auf den Weg, auch in Zukunft Zivilcourage zu zeigen und nicht wegzuschauen, wenn er wieder einmal etwas beobachte, was nicht rechtens sei. Golkes Kommentar dazu: „Wenn ich irgendwann wieder sehen sollte, wie ein Hund geschlagen wird, würde ich wieder so handeln.“

Über den Ausgang des Verfahrens zeigte er sich hocherfreut. „Jetzt ist meine Glaubwürdigkeit wiederhergestellt, jetzt kann ich wieder ruhig schlafen!“, erklärte Golke zu dem Freispruch.

Verfahren wegen Falschaussage?

Für Christine K. allerdings könnte der Ausgang des Verfahrens noch ein gerichtliches Nachspiel haben. „Wir werden in Hannover klären, ob es ein Verfahren gegen Christine K. wegen einer möglichen Falschaussage geben wird“, erklärte die Staatsanwältin nach dem Ende des Verfahrens. Denn Zeugen sind verpflichtet, vor Gericht die Wahrheit zu sagen. Darauf werden sie vor Beginn der Beweisaufnahme ausdrücklich hingewiesen.

Hocherfreut nach dem Freispruch zeigte sich der Beklagte Dirk Golke (M.) zwischen seinen Entlastungszeugen (v. li.) Dirk Strelow, seiner Ehefrau Brunhilde Golke und Andreas Stein. wft



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