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Mit den Landratskandidaten auf Wahlkampftour: Hans-Peter Wennemann wirbt auf Salzhemmendorfs Wochenmarkt

Auch für den politischen Gegner gibt es einen Kochlöffel

Salzhemmendorf. „Guten Tag, mein Name ist Hans-Peter Wennemann, ich bin Ihr Landratskandidat der FDP.“ Unzählige Male spricht der Liberale an diesem Mittwoch diesen Satz, um mit dem Wähler ins persönliche Gespräch zu kommen. Er steht auf dem Wochenmarkt in Salzhemmendorf, um für sich und seine Politik zu werben. Dabei verschenkt der begeisterte Hobbykoch Kochlöffel en masse – „zur bleibenden Erinnerung“, wie er betont.

veröffentlicht am 30.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:05 Uhr

Hans-Peter Wennemann überreicht der werdenden Mutter Fraucke Bartels einen Kochlöffel. Foto: HW
Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite
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Wennemann muss sich auf die Menschen zubewegen. Am eigens aufgebauten gelbblauen Stand der FDP macht kaum jemand Station. Einzig ein älterer Herr gleich zu Beginn der Wahlkampfveranstaltung. Er will den Begriff „Eurobonds“ erklärt wissen und ist bei dem Kandidaten der Liberalen an der richtigen Adresse. Der gelernte Banker erklärt dem potenziellen Wähler das Für und Wider dieser Anleihen – offen und ehrlich und ohne Rücksichtnahme auf die Sicht seiner Partei. „Ich sage immer, was ich denke,“ begründet er.

Doch nicht immer findet Wennemann an diesem Tag Gehör. „Dann machen Se ma,“ antwortet eine ältere Dame, die es ganz offensichtlich eilig hat, als sie der Kandidat anspricht und sich vorstellt. Den angebotenen Kochlöffel allerdings nimmt sie mit.

Der Hamelner, gut erkennbar mit einem leuchtend gelben Poloshirt nebst FDP-Aufdruck bekleidet, gibt nicht auf. Er greift in den Karton, um sich mit neuen Giveaways zu bewaffnen und setzt seine Wahlkampftour beharrlich fort. Sein Charme kommt an. Es sind überwiegend ältere Damen, die Wennemann ins Gespräch ziehen kann. Er erkundigt sich, wo der Schuh drückt, hört sich geduldig die Sorgen und Nöte der Marktbesucher an. Der Kandidat erfährt, wo ein Zebrastreifen fehlt, wo ein Kindergarten von Schließung bedroht ist, dass die Spielplätze teilweise in einem schlechten Zustand sind. „Bei uns Kleinen wird immer zuerst gespart,“ klagt eine Seniorin. Und der Liberale beschwichtigt sofort: „Das muss gerechter werden. Ich bin vor einem Jahr in die Politik gegangen, weil ich mich geärgert habe und etwas ändern möchte.“ Die Dame fühlt sich verstanden, nimmt dankend den Kochlöffel und setzt ihre Einkaufstour fort.

Plötzlich taucht Landrat Rüdiger Butte auf dem Wochenmarkt auf, um frisches Obst und Gemüse einzukaufen und den Genossen am SPD-Stand seine Aufwartung zu machen. Ein kurzes Händeschütteln zwischen sozialdemokratischem Amtsinhaber und liberalem Herausforderer, eine Kochlöffelübergabe – dann gehen die politischen Kontrahenten wieder ihre eigenen Wege. Wennemann spricht eine werdende Mutter an, um sich über deren Sorgen zu informieren und natürlich einen Kochlöffel zu überreichen. Wird sie ob dieses Wahlgeschenks ihr Kreuz jetzt hinter dem FDP-Kandidaten machen? „Das weiß ich noch nicht, mal gucken, was ich von den anderen so kriege,“ sagt die Oldendorferin mit einem Augenzwinkern und versichert dem Liberalen, dass sie aber ganz gewiss von der Briefwahl Gebrauch machen werde, „weil der 11. September der Tag der Niederkunft sein kann“. Wennemann drückt der jungen Frau – sicher ist sicher – noch seinen Flyer in die Hand, wünscht viel Glück und verabschiedet sich, um weitere Kochlöffel unter das Volk zu bringen. „Damit Sie Ihren Mann mit Liebe bekochen können,“ sagt er zu einer Seniorin und tritt nichts Böses ahnend tief ins Fettnäpfchen. „Da hätten sie früher kommen müssen, der ist seit einem Jahr eine Etage höher,“ antwortet die Einheimische mit entwaffnender Ehrlichkeit. Wennemann guckt für den Bruchteil einer Sekunde verdutzt, um dann diesen Fauxpas mit seinem ihm eigenen Charme auszubügeln.

„Ich kann Salzhemmendorf nicht auf den Kopf stellen,“ bilanziert er. Wohl wissend, dass ihm sein Wahlkampf auf dem Wochenmarkt nicht allzu viele Stimmen gebracht haben wird: „Ich halte es aber für wichtig, dass die Bürger das Gefühl haben, uns Politiker noch zu sehen. Kommunalpolitik ist die Zeche der Bundespolitik. Und da gibt es eine Vielzahl von Entscheidungen, die der Wähler nicht nachvollziehen kann. Ich möchte Vertrauen zurückgeben und kann aus jedem Gespräch nur lernen.“



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