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Eichenprozessionsspinner auf dem Vormarsch: Ihre Brennhaare lösen heftige Allergieschübe aus

Asthma und Atemnot durch hochgiftige Raupen

Hameln. Sie ist so groß wie ein kleiner Finger, extrem behaart und hochgiftig. Irgendwann verpuppt sie sich zu einem unscheinbaren Nachtfalter. Bis dahin aber ist sie nicht nur ein lästiger Schädling, sondern auch sehr gefährlich. Der Eichenprozessionsspinner ist eine Raupenart, die in diesen Tagen schlüpft, sich in deutschen Wäldern rasant verbreitet und beim Menschen schwere Allergieschübe auslösen kann. Schon ein geringer Kontakt führt zu Juckreiz, Schüttelfrost und Schwindel. Die langen Brennhaare der Raupe, die ein Nesselgift enthalten, brechen leicht und können (ähnlich wie Pollen) durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden. Eine winzige Berührung mit so einem giftigen Härchen reicht aus, um beim Menschen Allergien und Hautentzündungen hervorzurufen. Schon beim Einatmen der Brennhaare kann es zu Atemnot, Asthma und hohem Fieber kommen.

veröffentlicht am 27.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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„Finger weg von haarigen, pelzigen Raupen“, sagt denn auch Stadtförster Ottmar Heise. Die sehen zwar meistens hübsch harmlos aus, die Haare aber seien ein Fraßschutz und signalisieren: „Achtung, ich bin giftig.“ Für den Eichenprozessionsspinner gilt dies in besonderem Maße. Zwar hat Heise an den Eichen des Stadtforstes – sie machen etwa 10 Prozent des heimischen Waldes aus – bisher noch keinen Befall mit den Tieren festgestellt, aber: „Eine hundertprozentige Entwarnung kann niemand geben“, sagt der Stadtförster. Im Osten Niedersachsens treten die Raupen bereits massenweise auf. Besonders betroffen sind neben Süddeutschland und Brandenburg auch die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. „Und wir liegen genau dazwischen“, meint Heise: „Wann die Raupen auch bei uns sind, hängt davon ab, wie sich die Witterung entwickelt.“ Regenschauer wären jetzt willkommen.

„Problematisch sind die Raupen weniger wegen ihres Fraßes der Eichenblätter, sondern vor allem wegen ihrer Wirkung auf Menschen“, warnt das Niedersächsische Landesgesundheitsamt. Laut einer aktuellen Studie des Braunschweiger Julius-Kühn-Institutes wird der Eichenprozessionsspinner zunehmend zur ernsten Angelegenheit. Milde Winter und Trockenheit im Frühjahr seien optimale klimatische Voraussetzungen für seine Vermehrung: „Seit 1995 wächst die Anzahl der Eichenprozessionsspinner stetig“, stellt das Institut fest. Ihren Namen verdankt die Raupe der Eigenart, in einer Prozession, die bis zu 20 Spuren erreichen kann, zu ihren Nahrungsplätzen zu wandern. Gespinstnester an Bäumen und auf dem Boden sind auch nach dem Schlüpfen der Insekten Gefahrenquellen, da an den Larvenhäuten die Brennhaare zurückbleiben, teilt das Landesgesundheitsamt mit. Und längst legen die Eichenprozessionsspinner ihre Eier nicht mehr nur im Wald auf Eichenbäumen ab, sondern auch in Parks, auf Friedhöfen, auf Spielplätzen oder an Straßen. „Bei uns haben wir dort aber noch keine Anzeichen für einen Befall gefunden“, beruhigt Stadtsprecher Thomas Wahmes.

In jedem Fall sollten Menschen, die sich viel im Wald oder auf Freizeit- und Grünanlagen aufhalten, aufpassen, empfiehlt das Landesgesundheitsamt und gibt Tipps, wie sich jeder schützen kann:

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Meiden Sie die befallenen Gebiete oder abgesperrten Bereiche.

Sollten Sie dennoch in ein Areal kommen, das von der Eichenprozessionsspinnerraupe befallen ist, verhüllen Sie alle unbedeckten Körperflächen (Nacken, Hals, Arme und Beine).

Raupen und das Gespinst nicht berühren. Vermeiden Sie jeden Kontakt.

In der Nähe von befallenen Bäumen sich nicht ins Gras oder auf den Boden setzen.

Nach unbeabsichtigtem Kontakt mit den weißen Raupenhaaren die betroffenen Körperstellen gründlich abspülen.

Nicht kratzen. Eine juckreizhemmende Salbe hilft fürs Erste, danach den Arzt aufsuchen.

Raupenhaare auf der Haut eventuell mit Klebestreifen tupfend entfernen.

Die betroffene Kleidung möglichst bei 60 °C mit viel Wasser waschen, damit das anhaftende Nesselgift vernichtet oder ausgespült wird.

Die Bekämpfung und Entfernung der Raupennester ist eine Sache für Fachleute.

Raupendermatitis: Das Nesselgift der Tiere führt zu Hautrötungen und -entzündungen. Es kann hohes Fieber, Asthma und schwere Allergieschübe auslösen.

Auffällig: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners gehen gemeinsam auf Wanderschaft zu Nahrungsplätzen. Von den hochgiftigen Tieren sollte man sich fern- halten. Foto: FVA Baden-Württemberg



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