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Vulkanausbruch sorgt für Chaos: Viele Hamelner sind mittendrin / Sonderschicht im Reisebüro

Asche stoppt Urlauber – Münster statt Mallorca

Hameln (ube/CK). Dass sich ein Vulkanausbruch in Island dermaßen auf den europäischen Flugverkehr auswirkt, das gab es noch nie. Auch Hunderte von Hameln-Pyrmontern sind betroffen. Wer einen Flug gebucht hatte, konnte nicht sicher sein, ob und wann die Maschine fliegt. Student Sebastian Stenzel aus Brünnighausen ging auf Nummer sicher, stornierte gestern seinen vor vier Wochen gebuchten Flug von Hannover nach München und kaufte sich vorsichtshalber ein Bahnticket. Das war gar nicht so einfach. Erst nach drei Stunden gelang es dem 22-Jährigen, online eine Fahrkarte zu kaufen. „Das System war total überlastet“, sagt Stenzel.

veröffentlicht am 16.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 12:41 Uhr

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Das Ehepaar Flasche wollte gestern auf Mallorca frühstücken – doch daraus wurde nichts. Um 1 Uhr waren die Hamelner (63, 53) nach Hannover gefahren. Ihr Ferienflieger sollte um 4 Uhr abheben. Gekommen sind die Flasches aber nur bis Münster. „Um 3 Uhr morgens hat man uns mit dem Bus nach Münster gefahren“, erzählt Rolf Flasche. Doch auch von dort ging es nicht weiter. TUI-Mitarbeiter hätten sich sehr gut um sie gekümmert, sagt der 63-Jährige. Um 17.30 Uhr wurden die Flasches und 130 weitere „Gestrandete“ in Hotels gefahren. „Wir hoffen, dass es am Samstag weitergeht“, sagt Rolf Flasche.

Die gigantische Aschewolke des Gletscher-Vulkans „Eyjafjalla“ auf Island breitet sich immer weiter Richtung Osten und Südosten aus und könnte – nach Meinung von Experten – den Luftverkehr vermutlich noch viele Tage stören. Schöne Aussichten. Bereits gestern fielen Hunderte Flüge aus, saßen Tausende Passagiere fest. Chaos überall, Stress auch im First Reisebüro in Hameln: „Bei uns stehen die Telefone seit dem frühen Morgen nicht mehr still“, sagt Andrea Zielonka. Der Luftraum über Nord- und Westeuropa ist seit 12 Uhr fast komplett gesperrt. „Niemand kann uns im Moment sagen, wie lange das andauern wird“, so die Reiseverkehrskauffrau. Vor allem Geschäftskunden haben dieser Tage viele Fragen und Bitten. „Unser Firmendienst recherchiert fieberhaft Alternativen, versucht so viele Kunden wie möglich umzubuchen.“

Die Mitarbeiter des First Reisebüros haben wegen der Vulkanaschewolke dermaßen viel zu tun, dass sie gestern sogar die Mittagspause ausfallen ließen. Nach Feierabend arbeitete der Firmendienst zwei Stunden länger. Und heute wird das Team, das eigentlich samstags frei hat, Sonderdienst schieben. „Es ist eben eine Ausnahmesituation – für uns und für unsere Kunden“, sagt Andrea Zielonka.

Auch im Reisebüro Hameln geht es rund. Mit dem 11. September 2001 möchte Inhaber Reiner Wottke die derzeitige Situation zwar nicht vergleichen – schließlich sei diesmal kein Terroranschlag, sondern ein Naturereignis verantwortlich dafür, dass der Flugverkehr in weiten Teilen zum Erliegen kommt. Was die Auswirkungen angeht, so beurteilt Wottke die Lage allerdings ähnlich wie damals: „Bei uns rappelt den ganzen Tag das Telefon. Hier geht nichts mehr“, sagt Wottke entnervt zwischen zwei Anrufen. Die Situation ist auch für den Experten nicht einfach, denn er erhielt gestern Morgen praktisch keine Informationen. „Wir versuchen ständig, mit den diversen Reiseveranstaltern Kontakt aufzunehmen, meist aber vergeblich“, beklagt er. So konnte er gestern seinen Kunden, die etwa heute in den Urlaub fliegen wollen – samstags ist fast überall Bettenwechsel – auch nur wenig Konkretes sagen. Das gilt übrigens auch für Geschäftsreisende. „Einer wollte nach London fliegen und hatte dort auch sein Hotel schon gebucht. Aber wir kommen einfach nicht durch, um abzusagen oder uns zu erkundigen“, so Wottke.

Die Aschewolke war – auch, wenn sie vom Boden aus nicht zu sehen war – gestern Gesprächsthema Nummer eins, auch in Hameln. Viele Menschen hielten am Abend Ausschau nach der Wolke. Sie hatten gehört, dass die rostfarbenen Staubpartikel, die sich in großer Höhe befinden, den Sonnenuntergang tiefrot färben können.

Übrigens: Die Luftrettung läuft weiter. „Die Flugfähigkeit der Rettungshubschrauber sei durch die Aschewolke nicht beeinträchtigt, da sich die Maschinen in nur geringer Flughöhe (zirka 300 Meter über Grund) bewegen, teilte gestern Petra Hentschel von der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) auf Anfrage der Dewezet mit.

Gestrichene Flüge, Chaos auf den Flughäfen – der Ausbruch des Vulkans Eyjafjalla auf Island bedeutet Stress, auch für die Mitarbeiter in den Hamelner Reisebüros wie hier im First Reisebüro am Markt.

Montage: Wal



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