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Vorsitzender des Museumsvereins hält an Kritik fest / Dezernentin kündigt jetzt schnelle Hilfe an

Arnold: „Mir dauert das alles viel zu lange!“

Hameln (ni). Schnelle Reaktionen auf kritische Situationen, kurze Entscheidungswege – im Wörterbuch des Bürokraten kommen solche Begriffe offensichtlich nicht vor. Denn kämen sie vor, säße die Stadt wegen ihres Museums jetzt nicht in der Patsche. Seit Anfang 2010 hätte allen Verantwortlichen klar sein müssen, dass der angepeilte Eröffnungstermin unter den damals gegebenen Umständen nicht zu halten ist. Erst seit gestern liegt ein Papier der Verwaltung über Maßnahmen auf dem Tisch, „die umgehend eingeleitet wurden oder sich in der Vorbereitung befinden“, damit das Museum seine Türen statt im Frühjahr nun endlich im Oktober wieder öffnen kann – wenn alles gutgeht.

veröffentlicht am 08.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 05:21 Uhr

Blick ins Museum, dessen Wiedereröffnung sich deutlich verzögert.  Foto: Wal
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Die Stadt Hameln hat Museumsleiterin Dr. Gesa Snell im Regen stehen lassen – sagt jedenfalls der Vorsitzende des Museumsverein, Klaus Arnold. Wirklich entkräften konnte Gaby Willamowius diesen Vorwurf gestern nicht. Die Erste Stadträtin und Hamelner Kulturdezernentin räumte ein, dem ohnehin nur kleinen Museumsteam seien Anfang des vergangenen Jahres gleich zwei Verwaltungsmitarbeiter abhandengekommen. Übrig blieben mit Gesa Snell, Burghardt Sonnenburg und einer Volontärin drei Kräfte mit wissenschaftlicher Ausbildung. Die drei wären restlos ausgelastet gewesen mit der Umsetzung des Konzeptes für die neue Dauerausstellung, die die Geschichte der Stadt Hameln von der Frühzeit bis zur Moderne nachzeichnen soll. Welche Exponate kommen in welche Vitrine, wie müssen die erläuternden Texte verfasst sein, damit sie wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und die Besucher trotzdem nicht mit Überlänge und Fachbegriffen verschrecken – das Spektrum der von ihnen zu erledigenden Aufgaben ist damit nur unvollkommen umrissen.

Widmen konnten sich die drei Experten ihrer Arbeit aber nur noch begrenzt. Sie mussten sich plötzlich um jeden Verwaltungsvorgang kümmern – angefangen von Ausschreibungen nach der komplizierten Vergabeordnung bis hin zu Abrechnungen mit der NBank, gegenüber der die Verwendung der EU-Fördermittel für das Museumsprojekt Schritt für Schritt und penibel belegt werden muss. Und die Baustelle in Leist- und Stiftsherrenhaus mussten sie obendrein noch im Auge behalten, weil die Präsentation der Exponate und die baulichen Gegebenheiten vor Ort eng miteinander verzahnt sind. Snell macht das ein einem Beispiel deutlich: „Erst wenn der neue Fußboden drin ist, können wir ausmessen, wie hoch die Vitrinen sein dürfen.“

Damals, sagt Willamowius heute, „ist sicher nicht Zug um Zug gehandelt worden, um Snell und ihre beiden Mitarbeiter von Verwaltungsaufgaben zu entlasten“. Mit der Umsetzung des Konzeptes gerieten sie folglich immer mehr in Verzug. Selbst wenn die Umbauarbeiten im Museum heute abgeschlossen wären, könnte nicht morgen mit dem Aufbau der Dauerausstellung begonnen werden.

Ende 2010 stand Snell dann ganz alleine da. Sonnenburg hatte gekündigt, die Volontärin sich in den Mutterschutz verabschiedet. Wobei Sonnenburg wohl geblieben wäre, „hätte man ihm ein vernünftiges Angebot gemacht“, so Arnold. Angestellt als Museumspädagoge mit vergleichsweise geringer Bezahlung hatte Sonnenburg nämlich seit Schließung des Museums und seiner Qualifikation entsprechend als Wissenschaftler an der Dauerausstellung mitgewirkt, ohne dass sich das in seinem Gehalt niedergeschlagen hätte.

Verzögerungen hat es auch auf der Baustelle gegeben. Weil die Lichtplanung nicht rechtzeitig vorlag, mussten die Trockenbauer eine Zwangspause einlegen. Seit sie wieder gebraucht wurden, sind sie laut Willamowius entgegen anderer Absprachen nur noch mit gebremster Kraft im Einsatz. Mitte März, so das jetzt angepeilte Ziel, sollen die Handwerker fertig sein. Bis Oktober, „ein ehrgeiziger Termin“ (Willamowius), soll die Dauerausstellung stehen. Damit Dr. Gesa Snell konzentriert daran weiterarbeiten kann, erhält sie jetzt Entlastung. Mitarbeiter aus dem Rathaus sollen ihr Verwaltungsaufgaben abnehmen, Hamelns ehemaliger Stadtmanager Stefan Schlichte soll als „Projektsteuerer“ die Koordination des aus vielen Teilaspekten bestehenden Gesamtprojektes unterstützen.

Externe Fachbüros sollen mit Zuarbeiten für die Dauerausstellung beauftragt werden. Teurer werde die Realisierung des Projektes dadurch nicht, versichern Snell und Willamowius. Das Budget von rund zwei Millionen Euro werde eingehalten – notfalls durch Abstriche an anderer Stelle.

„Mir dauert das alles viel zu lange“, lautet der wenig schmeichelhafte Kommentar von Klaus Arnold zu Verhalten und Vorgehensweise der Verantwortlichen im Rathaus. Der Vorsitzende des Museumsvereins, einst Geschäftsführer der Hamelner Stadtwerke, ist überzeugt, „ein selbstverwaltetes Museum mit einem festen Etat“ hätte das Projekt Umbau und Modernisierung besser und vor allem schneller über die Bühne gebracht. Dass sich die Schließung jetzt über drei Jahre hinzieht statt der ursprünglich einmal anvisierten zwei Jahre, „tut uns weh“, sagt Arnold. Schließlich entgingen dem Museumsverein dadurch die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern in Höhe von rund 35 000 Euro jährlich. Was um so problematischer sei, als der Verein sich mit 500 000 Euro an dem Projekt beteilige und zusätzlich 70 000 Euro für das begehbare Rattenfänger-Theater auf den Tisch lege.

Wie es zurzeit im Museum aussieht, zeigt eine Bildergalerie unter dewezet.de



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