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Architekten sind schuld: Landkreis gewinnt Prozess um Sonnensegel

HAMELN. Seit fast zwölf Jahren residiert die Kreisverwaltung nun an der Süntelstraße und fast die Hälfte der Zeit dauerte der Rechtsstreit um die von Anfang an nicht funktionierenden Sonnensegel an der gläsernen Außenfassade des Gebäudes. Bei Wind legten sie sich immer wieder in Falten, gerieten aus dem Lot und klemmten, statt sich vor den Scheiben zu entfalten. Nun endlich wurde ein Urteil gesprochen: Das Landgericht Hannover gibt dem Kläger, also dem Landkreis, Recht.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 18:52 Uhr

Zwei Drittel der Sonnensegel an der verglasten Fassade des Kreishauses wurden inzwischen ausgetauscht. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Begründung: Der installierte Sonnenschutz war nicht dazu geeignet, eine wirksame Gebäudebeschattung zu gewährleisten. Für die Kosten von 65 000 Euro, zuzüglich der Gutachter-, Gerichts-, und Anwaltskosten, müssen die verantwortlichen Architekten aufkommen.

Die Sonnensegel gehörten vor sechs Jahren zu einem ganzen Bündel von Regressforderungen seitens der Landkreisverwaltung gegenüber der Versicherung eines Berliner Architekturbüros. Eine knapp siebenstellige Summe forderte die Verwaltung damals ein, knapp die Hälfte hat sie letztendlich bei einer außergerichtlichen Einigung bekommen. Hätte der Kreis es auf einen Prozess ankommen lassen, hätte er erfahrungsgemäß „jahrelang“ auf sein Geld warten müssen „und auch keine 100 Prozent erhalten“, erklärte der damalige Bauamtsleiter Reinhard Müller 2012.

Zu der Kompromiss-Summe aus den Regressforderungen kamen noch 175 000 Euro, die die Versicherung des insolventen Fassadenbauers zahlen musste. Dieser hatte auf halber Strecke Chaos auf der Baustelle des Kreishauses hinterlassen. Das Nachfolgeunternehmen verlangte 1,4 Millionen Euro mehr, unter anderem für Mängelbeseitigung. Am Ende gelang es der Verwaltung, die bewilligte Bausumme von insgesamt 23,75 Millionen Euro nicht zu sprengen.

Der Bauzaun wird noch eine Weile stehen... Foto: Dana
  • Der Bauzaun wird noch eine Weile stehen... Foto: Dana
Saniert wird erst, wenn das Urteil gesprochen ist. Foto: Dana
  • Saniert wird erst, wenn das Urteil gesprochen ist. Foto: Dana

Ausgeklammert von dieser Vereinbarung waren lediglich die Sonnensegel. Inzwischen – fünf Jahr später – sind zwei Drittel von ihnen ausgetauscht.

Ähnlich behäbig gestalten sich die geplanten Sanierungsarbeiten an feuchten Decken im ersten Stock des Kreishauses, die vor über einem Jahr entdeckt wurden. Grund für den Schaden an der rund 800 Quadratmeter großen Deckenkonstruktion war wohl eine hinter der Fassade verbaute Wasserführung. Der Landkreis prozessiert auch in diesem Fall gegen die Architekten. Eine Begutachtung habe zwar inzwischen stattgefunden, doch die Instandsetzungsarbeiten können erst beginnen, wenn das Gerichtsverfahren abgeschlossen sei. „Aus diesem Grund können wir auch noch keine neuen Angaben über Kosten machen“, erklärt eine Sprecherin des Landkreises. Geschätzt wurden diese im vergangenen Jahr auf 170 000 Euro.

Würde man die bekommen, hätte der Landkreis mit dem Sonnensegel zusammen immerhin 235 000 Euro erstritten. Doch mehr als diese hübsche Summe ist auch schon wieder ausgegeben: 280 000 Euro ließ sich der Landkreis seinen neuen Empfangsbereich im 2006 errichteten Kreishaus kosten, um dem Bürger „entscheidende Vorteile“ zu bieten.

Zum Beispiel mehr Service und Zeitersparnis. Mithilfe des „Front-Office“ sollen Wohngeldanträge, Asylbewerberleistungen sowie für Folgeanträge und Nachfragen zu Bescheiden schneller abgearbeitet werden.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Glückwunsch zum gewonnen Prozess. Gut, dass die Behörde so genau geguckt hat, wo sich Löcher stopfen lassen, um die Kosten im Rahmen zu halten. Ein Schlag ins Gesicht ist dagegen der Preis des „Front-Office“. Geht’s noch?

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