weather-image
25°
Arbeitgeberverband der Unternehmen im Weserbergland zur Debatte um weiteren Feiertag

Arbeitgeberverband findet zusätzlichen Feiertag „überflüssig“

WESERBERGLAND. Die Diskussion um einen weiteren Feiertag in Norddeutschland wird auch von den Unternehmensvertretern im Weserbergland verfolgt. Dieter Mefus, Geschäftsführer des AdU, und der Vorsitzende Jürgen Lohmann halten ihn schlicht für „überflüssig“. Ernsthaft schaden würde er der Wirtschaft demnach aber auch nicht.

veröffentlicht am 09.02.2018 um 10:39 Uhr
aktualisiert am 12.02.2018 um 10:24 Uhr

270_0008_8103960_hm106_Volvo_Dana_1002
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Aus neun mach zehn – wenn es nach Stephan Weil und Bernd Althusmann und Kirchen und vielen Arbeitnehmern geht, bekommen die Niedersachsen noch in diesem Jahr einen weiteren Feiertag. Bis zur Zahl neun sind alle Bundesländer gleich – so viele bundesweit einheitliche Feiertage gibt es – darüber hinaus sind Feiertage Ländersache. Dass Vertreter der Wirtschaft den Vorstoß auf politischer Ebene, einen zusätzlichen freien Tag einzuführen, bejubeln, war nicht zu erwarten. Auch der Arbeitgeberverband der Unternehmen im Weserbergland (AdU) unterscheidet sich da nicht von anderen Wirtschaftsvertretern – wohl aber in der Argumentation und in der Einschätzung der Auswirkungen, wie im Gespräch mit dem AdU-Geschäftsführer Dieter Mefus deutlich wird.

„Überflüssig“ sei ein weiterer Feiertag in Niedersachsen, sagt Mefus und spricht damit nach seiner Aussage auch für den Vorsitzenden des Verbands, Jürgen Lohmann. „Überflüssig“ klingt weit weniger dramatisch als „schadet der Wirtschaft“, wie es andernorts zu hören war. Die derzeitige Wirtschaftslage ist so gut wie lange nicht mehr, erst am Mittwoch hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag die Wachstumserwartungen auf 2,7 Prozent angehoben. „Es würde die Produktivität nicht unterwandern“, sagt Mefus vor diesem Hintergrund über die finanziellen Auswirkungen eines weiteren produktions- und verkaufsfreien Feiertages. Belasten würde der Ausfall die Wirtschaft dennoch, vor allem im produzierenden Sektor. Dirk Heusing von Volvo Construction Equipment an der Kuhbrückenstraße in Hameln, Hersteller von unter anderem großen Straßenwalzen und Asphaltfertigern, stimmt dem zu: „Der Tag ist weg“ – was da nicht produziert wird könne auch nicht aufgeholt werden. Derzeit habe Niedersachsen aufgrund der vergleichsweise geringen Anzahl an Feiertagen einen Wettbewerbsvorteil, wirft Heusing noch ein. Verständnis für die Arbeitnehmer, die sich über ein mehr an Freizeit freuten, zeigt er aber auch.

In Dienstleistungsbetrieben, die im Schichtdienst arbeiten, führt Mefus weiter aus, nützte ein zehnter Feiertag den Arbeitnehmern allerdings nur bedingt. In Krankenhäusern, Seniorenheimen, bei der Polizei muss auch dann gearbeitet werden – das betrifft in Deutschland jeden vierten Arbeitnehmer. Mefus sieht darin, dass längst nicht alle von dem freien Tag profitierten, ein „Gerechtigkeitsproblem“. „Im Schichtbetrieb steigt das Freizeitvolumen dadurch nicht an“, argumentiert Mefus. Und die rechnerische Lohnerhöhung, die Mitarbeiter durch einen freien Tag bei vollem Gehalt haben, hätten die Menschen, die am Feiertag arbeiten, somit auch nicht. Hinzu kommt: Für die Arbeit an einem Feiertag besteht kein gesetzlicher Anspruch auf einen Zuschlag. Tarifliche und betriebliche Regelungen können allerdings anders aussehen.

Ein Feiertag hat, je nach Branche, unterschiedliche Auswirkungen – ein Tag im Winter beispielsweise stört am Bau weniger als im Hochbetrieb während des Sommers. Foto: Dana
  • Ein Feiertag hat, je nach Branche, unterschiedliche Auswirkungen – ein Tag im Winter beispielsweise stört am Bau weniger als im Hochbetrieb während des Sommers. Foto: Dana
270_0900_80900_hm_Mefus_0902.jpg

Selbst wenn die Wirtschaft angesichts der guten Lage einen weiteren Feiertag zurzeit gut wegstecken könnte – „wann reißt das ab“, fragt Mefus auch mit Blick auf die Konsumlaune der Deutschen. Irgendwann endet eine Hochphase der Konjunktur. Gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung hatte der Wirtschaftsforscher Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln angegeben, dass die Wertschöpfung an einem Arbeitstag mehr als zehn Milliarden Euro betrage. Auch wenn ein großer Teil davon später nachgeholt werde – dabei ging es um den einen freien Reformationstag im vergangenen Jahr – , gehe grundsätzlich bei einem freien Tag schnell 0,1 Prozent der Jahres-Wirtschaftsleistung verloren, heißt es dort.

Unabhängig davon, dass ein Tag vielen Unternehmen nicht ernsthaft schade, sieht Mefus die Arbeitgeber derzeit als die „Gekniffenen“ und spielt unter anderem auf den einst festgeschriebenen Mindestlohn an. Da wolle die Politik jetzt irgendjemandem etwas Gutes tun, ohne dass es zuvor jemals im Wahlkampf zur Debatte gestanden habe. Andererseits kommt der Vorstoß für die Wirtschaftsvertreter offenbar nicht unerwartet: Als im letzten Jahr, anlässlich des Reformationsjubiläums, der 31. Oktober zum Feiertag deklariert worden war, „haben wir uns schon immer gefragt, ob das wohl eine Eintagsfliege bleibt“ oder ob auf diesem Weg die Diskussion um einen neuen festen Feiertag entbrenne.

Dass es neben den etwa 75 Prozent Arbeitnehmer auch Branchen wie die Gastronomie und Hotellerie gibt, die von einem freien Tag profitieren könnten, wischt Mefus beiseite. „Da spielt die Musik nicht“, sagt er über die vergleichsweise geringe Bedeutung dieser Branche gemessen an der Gesamtwirtschaftsleistung in Niedersachsen. Mefus kommt für den AdU zu dem Schluss: „Wir brauchen ihn nicht“, den Feiertag.

Information

Verschiedene Überlegungen zu der Frage, ob und unter welchen Umständen für die norddeutschen Bundesländer ein weiterer Feiertag beschlossen wird, liegen auf dem Tisch:

Welcher Tag könnte es werden? Gegen den Reformationstag am 31. Oktober sprechen sich sowohl die katholische Kirche als auch die jüdischen Gemeinden aus. Von einigen Politikern wird daher ein nichtreligiöser Feiertag favorisiert. Ins Gespräch gebracht wurden auch der 6. Januar (Heilige Drei Könige), Buß- und Bettag und der 8. Mai als Tag der Kapitulation von Nazi-Deutschland.

Wer soll das bezahlen? Seitens der Arbeitgeber wurde vorgeschlagen, für einen weiteren Feiertag keinen Lohn zu zahlen, was einem Minus bei dem Monatsgehalt von etwa viereinhalb Prozent entspräche. Als Beispiel dient ihnen Sachsen, wo der Buß- und Bettag ein Feiertag ist. Dafür zahlen die Arbeitnehmer mehr in die Pflegeversicherung ein als die Arbeitgeber. Andere Politiker verweisen darauf, dass die Nettolohnkosten in Niedersachsen ohnehin schon sechs Prozent unter denen anderer Bundesländer liegen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare