weather-image
25°
Lösungsmittel Ursache für Gasalarm

Arbeit am Kanal stinkt Anwohnern

Hameln. Es hört sich recht simpel an: Am Kanal wird fast nur dort gearbeitet, wo er auch liegt – metertief unter der Erde. Statt für die Sanierung maroder Abwasserkanäle Hunderte Meter lange Baugruben auszuheben und gegebenenfalls hierfür Straßen einzuengen oder komplett zu sperren, wird das sogenannte Schlauchlineverfahren gewählt. Es gibt nur einige Gruben, an denen der Schlauch in die Tiefe gelassen wird. Autofahrer dürfte diese Bauweise freuen. Anwohnern eines Mehrfamilienhauses aber hat es jetzt im wahrsten Sinn des Wortes gestunken.

veröffentlicht am 10.02.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:36 Uhr

270_008_7678269_hm303_Kanalarbeiten_1002.jpg
Frank Neitz

Autor

Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Am frühen Samstagmorgen riefen sie nach der Feuerwehr, nachdem sie im gesamten Gebäude einen merkwürdigen Geruch festgestellt hatten. Messungen auf Gas, die Spezialisten daraufhin mit Explosionswarngeräten durchführten, verliefen negativ; Erdgas strömte nicht aus (wir berichteten). Die Ursache des ungewöhnlichen Gestanks wurde von Experten mit Tiefbauarbeiten in Verbindung gebracht, die derzeit vor der Tür des Mehrfamilienhauses durchgeführt werden. Daher wurden auch Mitarbeiter der Abwasserbetriebe Weserbergland hinzugezogen.

„Bei dem Gasalarm konnte schnell Entwarnung gegeben werden“, ist aus dem Rathaus zu erfahren. Es soll sich um Ausdünstungen aus Schlauchlinern gehandelt haben, heißt es. Diese überdimensionierten Schläuche kommen bei der Sanierung im Hamelner Kanalnetz zum Einsatz. Dabei wird ein mit Polyesterharzen getränkter über 20 Millimeter dicker Synthetikfaserschlauch mittels Wasserdruck passgenau in die alten Kanalrohre „gelegt“.

Der gut 115 Meter lange, knapp 75 Zentimeter breite und zirka 10 Tonnen schwere Schlauch ist eine Spezialanfertigung, der extra für den Hamelner Kanal produziert wurde. Das wärmeempfindliche System wird eisgekühlt geliefert, um es vorerst flexibel zu halten. Erst nach der Verlegung wärmen Heizanlagen das sich im Schlauch befindliche Wasser auf 80 Grad Celsius auf – innerhalb eines Tages erhärtet die nun entstandene Kanalbeschichtung.

Offenbar haben die Hausbewohner an der Deisterstraße ein im Polyesterharz enthaltenes Lösungsmittel gerochen – Styrol, einen süßlich riechenden ungesättigten aromatischen Kohlenwasserstoff. Styrol ist entzündlich und gesundheitsschädlich. „Das ist eine Begleiterscheinung beim Einbringen der Schlauchliner. Da kann der Geruch entstehen – in den geringen Mengen ist das völlig ungefährlich und unbedenklich“, heißt es bei der Stadt.

Styrol sei als Lösungsmittel in den Polyesterharzen enthalten – in einer ganz geringen Konzentration, die sich schnell verflüchtige und nicht schädlich sei, sagt Roland Eisenhuth von der Firma Aarsleff aus Röthenbach, die die Kanalarbeiten in Hameln durchführt. „Die Leute riechen das schneller als wir, haben sich aber völlig richtig verhalten“, meint der Diplomingenieur. Das Unternehmen unterliege ständigen Arbeitsplatzanalysen, es würden häufig Messungen vorgenommen, betont Eisenhuth.

An der Deisterstraße wird das Kanalnetz saniert. Arbeiter verlegen einen Synthetikfaserschlauch in den maroden Rohren. Dabei können leichte Konzentrationen von süßlich riechendem Styrol freigesetzt werden. Das sei unbedenklich, heißt es bei der Stadtverwaltung.

Wal

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare