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Was Boutiquen auszeichnet

Anziehend

HAMELN. Als Norina Remor das Geschäft von Annette Stephan-Wache in der Baustraße betritt, wird sie gleich mit Namen begrüßt. Die Geschäftsinhaberin stellt ihrer Kundin einen Espresso hin – mit Zucker, das weiß Annette Stephan-Wache. Obwohl Norina Remor nur nach neuer Kleidung Ausschau hält, gibt es in der kleinen Boutique „das volle Programm“, wie Stephan-Wache sagt.

veröffentlicht am 22.06.2018 um 12:35 Uhr
aktualisiert am 22.06.2018 um 15:50 Uhr

Ganz wichtig in der Boutique Annette: Das persönliche Gespräch zwischen Annette Stephan-Wache (links) und ihren Kundinnen. Foto: kk
Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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Ein persönliches Gespräch ist der 66-jährigen Geschäftsinhaberin wichtig; nach 32 Jahren Selbstständigkeit kennt sie viele Kunden gut – und viele kennen sie. Als sie damals einen Namen für ihre 35 Quadratmeter große Bekleidungsboutique gesucht habe, habe ihr Mann gesagt: „Was sagen denn die Kunden, wo sie hingehen?“ – „Zu Annette“, also war der Name gefunden.

Es sind nicht mehr so viele wie früher, als es sie noch zuhauf gab in Hameln, die kleinen, inhabergeführten Boutiquen mit ausgewählter Mode. Ja nicht nur für Damen, auch für Herren und Kinder – Lollipop dürfte vielen ein Begriff sein – gab es sie. Eine, die in diesem Jahr bereits ihr 45-jähriges Bestehen feiert, ist die Boutique „Jill“. Inhaberin Gisela Rangs ist mit ihrem Modegeschäft schon immer an der Baustraße 65 angesiedelt. Auf 50 Quadratmetern Fläche ist Rangs damals mit der Marke Esprit gestartet: „Damals hatte noch keiner diese Marke in Hameln.“ Die Nachfrage sei groß gewesen.

Dass sie 1973 eine kleine Boutique für Damenmode eröffnete, „hat sich einfach so ergeben“, sagt die 73-Jährige, die ursprünglich aus dem Hotelfach kommt. Damals, so sagt sie, konnte man da Risiko, ein Geschäft zu eröffnen, noch eingehen. Die Zeiten hätten sich geändert. Für Annette Stephan-Wache ist durch das Internet einiges anders geworden; doch gerade in diesem Vergleich punkten Boutiquen wie auch „Prontamoda“ (schon seit 14 Jahren in der Osterstraße) mit ausgewählten Marken, mit Kleidung zum Anfassen und Anziehen, mit persönlicher Beratung, die kein Online-Shop so bieten könne. „Selbstverständlich gibt es bei uns auch einen Sekt“, sagt Stephan-Wache über das Einkaufserlebnis.

Seit 45 Jahren mit ihrer Boutique Jill an der Baustraße: Gisela Rangs. Foto: kk
  • Seit 45 Jahren mit ihrer Boutique Jill an der Baustraße: Gisela Rangs. Foto: kk

Was die Boutiquen auszeichnet: Die Mode ist bezahlbar. „Ich habe keine Lust, eine Jeans für 250 Euro zu verkaufen“, sagt Annette Stephan-Wache. Vertreter kommen immer seltener, die Geschäftsinhaberinnen fahren selbst zu den großen Messen nach Hamburg, Düsseldorf oder Berlin. Man trifft sich dort, trinkt einen Kaffee zusammen.

Über die vielen Jahrzehnte, die Gisela Rangs und Annette Stephan-Wache mit ihren Boutiquen in der Baustraße beheimatet sind, haben sie immer wieder neue Marken ins Sortiment genommen. „Wir verkaufen aber auch eine Marke seit Anfang an“, berichtet Rangs. Manche Marken hätten sich verändert, Firmen hätten das Sortiment umgestellt, mache gibt es noch nicht so lange. „Wir sind ein sehr sportlicher Laden. Business-Kleidung ist nicht unser Geschäft“, sagt Rangs. Viele Stammkundinnen vertrauen auf die Auswahl der Geschäftsinhaberinnen. Was schön ist und gefällt, wird gekauft. „Ich lasse mich auch gern von Firmen überreden“, sagt Annette Stephan-Wache und erinnert sich an die Magnetbroschen, von denen sie fünf geordert hatte – und gleich am nächsten Tag nachbestellen musste. Die Geschäftsinhaberin setzt übrigens auf professionelle Deko für ihr Schaufenster – „das ist meine Visitenkarte“.

Wie lange sie noch im Laden stehen möchten? „Ein bisschen noch“, antwortet Gisela Rangs. „Ich habe keine Lust, zuhause zu sitzen.“ Das sieht auch Stephan-Wache so. In ihren Boutiquen treffen sie Menschen, führen gute Gespräche. „Hier sind jeden Tag nette Leute“, so Rangs.



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