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Rund 300 Unterschriften im Klütviertel gesammelt

Anwohner wollen Funkmasten loswerden

Hameln. Edelbert Zesch hat in den vergangenen Monaten viel Zeit investiert. Fast 300 Anwohner im Klütviertel hat er angesprochen – denn er hat arge Bedenken wegen des Funkmasten auf dem Dach des Gebäudes der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH). Zesch befürchtet, dass die Strahlung die Gesundheit der Bewohner und Nachbarn gefährdet.

veröffentlicht am 11.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Seit 2006 wohnt er selber in einem der Genossenschaftshäuser, vergangenen September wurde der neue Mast im Bereich Breiter Weg installiert. „Ohne uns zu informieren oder zu befragen“, moniert Zesch. Heinz Brockmann, Vorstand der WGH, kontert: „Wir haben jede Menge Maßnahmen – da können wir nicht jedes Mal vorher die Bewohner befragen.“ Doch Zesch findet, das Anbringen der Funkmasten sei ja nicht eine x-beliebige Maßnahme, sondern verletze das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Gemeinsam mit den Unterzeichnern fordert er die WGH auf, den Mast wieder abzumontieren. Doch Brockmann sieht keinen Grund: „Wir haben vorher ein Gutachten von der Bundesnetzagentur eingeholt.“ Daraus gehe hervor, dass von den Masten keine schädlichen Strahlungen ausgingen. Das stehe eindeutig in dem Papier.

Doch Zesch möchte sich mit dieser Antwort nicht abspeisen lassen. Er ist davon überzeugt, dass die Strahlung die Gesundheit der Anwohner bedroht. Und mit dieser Haltung ist er nicht allein. Immer wieder berichten Menschen von Symptomen, die sie mit elektromagnetischer Strahlung in Zusammenhang bringen. Diese reichen von Hautproblemen über Übelkeit bis hin zu Erschöpfungszuständen. Auch Zesch berichtet von eigenen Hautproblemen, die in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. Die Probleme ganz sicher auf die Strahlung zurückzuführen, ist wissenschaftlich aber so gut wie unmöglich. Schließlich gibt es diverse sogenannte Störfaktoren, die ebenfalls ursächlich sein können. Einen wissenschaftlich eindeutig belegten Zusammenhang für die Schädlichkeit der Strahlung gibt es daher bislang nicht – und wird es möglicherweise auch nie geben.

Was die Studien betrifft, merkt Zesch an, dass viele sicher interessengeleitet sind – schließlich habe die Politik für die Vergabe der Mobilfunk-Lizenzen „Milliarden kassiert“. Kein Wunder, dass bei der Frage, ob Strahlung die Gesundheit gefährdet, Politiker stets einen Eiertanz veranstalten. Die Strahlenbelastung für die Bevölkerung durch den Mobilfunk wird nach Angaben der Bundesregierung zunehmen, aber noch weit unter dem zulässigen Grenzwert bleiben, heiß es vor wenigen Jahren. Grund für die Zunahme seien die Lizenzversteigerungen für neue Frequenzbereiche, durch die es zu einem weiteren Ausbau der Mobilfunknetze kommen werde. Und nicht nur Mobilfunkbetreiber und Regierung verdienen an den neuen Masten – auch beim Aufstellen geht es um Geld – von Milliarden kann hier aber nicht die Rede sein. Rund 3500 Euro bekommt die WGH laut Brockmann jährlich dafür, dass sie den Masten auf dem Haus duldet. Dieser „Obolus“ der Firma O2 werde aber umgehend wieder in die Gebäude investiert.

Doch Zesch sieht die Notwendigkeit der vielen Masten nicht. „Nur dafür, dass man in jeder Kellernische Internet haben kann, nimmt man diese Gefahren in Kauf“, kritisiert er. Bei seinen Hausbesuchen hätten nur rund 40 Prozent der Bewohner überhaupt gewusst, dass über ihrem Kopf ein Mobilfunkmast angebracht ist. „Der Großteil von denen hat sofort unterschrieben.“ Viele seien verunsichert und empört gewesen – auch, weil sie darüber nicht informiert wurden. „In unmittelbarer Nähe der Funkmasten ist die Klütschule“, erinnert er. Hätte er Kinder, würde er sie dort nicht hinschicken. „Die könnte ich ja auch gleich in die Mikrowelle setzen.“ Auch wenn die Zeichen in vielen Schulen derzeit auf

WLAN und Tablet stehen, hofft Zesch, dass er seine Bedenken beim Elternrat vorbringen kann. Zudem will er eine Bürgerinitiative ins Leben rufen, eine Handvoll Interessierter könnte ihn dabei unterstützen. Sollte sich die WGH nicht freiwillig dazu entschließen, den Masten abzubauen, will Zesch Geld sammeln. Eine Klage auf Unterlassen der Strahlung hält er dann für „nicht unwahrscheinlich“ – ersten Rechtsrat hat er schon eingeholt.



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