weather-image
12°
×

Motoren heulen, Auspuffe dröhnen, Reifen quietschen

Anwohner genervt von Autotreffen am Multimarkt

HAMELN. Freitagabend, 22 Uhr: Die letzten Läden des Multimarktes schließen, die Diskothek „Nachtschicht“ öffnet. Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums beginnt zu dieser Zeit ein Schauspiel, das Anwohner in Klein Berkel und Wangelist regelmäßig auf die Palme bringt. Sie klagen über aufheulende Motoren, knallende Auspuffe und quietschende Reifen.

veröffentlicht am 18.06.2019 um 00:05 Uhr
aktualisiert am 18.06.2019 um 18:05 Uhr

Maximilian Wehner

Autor

Volontär zur Autorenseite

Kurz vor Mitternacht ist der halbe Parkplatz belegt – doch nicht mit Disko-Besuchern, sondern überwiegend mit Auto-Tunern, die dort ihre aufgemotzten Fahrzeuge mit dicken Felgen, lauten Auspuffen und tiefergelegtem Fahrwerken „ausstellen“ – oder auch mit Rasern, die ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen wollen. Rund 50 Fahrzeuge stehen teils kreuz und quer auf den Parkplätzen. Sie sind meist schräg geparkt – so, dass zwischen den Autos noch viel Platz bleibt. Die Kennzeichen zeigen: Die Fahrer kommen aus der gesamten Umgebung – aus Rinteln, Hildesheim, Holzminden und aus dem Lipperland sind sie angereist. Aber auch Hameln-Pyrmonter sind dabei.

Aus einigen Autos dröhnt der Bass: Der Sound von Techno- und Hip-Hop-Beats ist zu vernehmen. Junge Leute stehen um die Autos herum, einige haben es sich auf Klappstühlen gemütlich gemacht. Manche steigen immer wieder ins Auto. Sie drehen eine Runde. Vom Parkplatz herunter wird auf der Werkstraße von vielen schon mal mächtig „auf die Tube“ gedrückt, bevor es dann um die Kurve hoch zur Bundesstraße geht. Auspuffe dröhnen, Reifen quietschen. Eine Mercedes-Limousine holt in der Kreuzung – direkt vor Teddy-Toys – aus und dreht sich um die eigene Achse. Die Reifen qualmen vom Gummiabrieb. Auf dem Straßenbelag bleiben schwarze Spuren zurück.

In Richtung Hameln oder Groß Berkel wird auf der Bundesstraße noch mal gezeigt, was die Karre drauf hat. Während der Beschleunigung des Fahrzeugs hört man die Drehzahl steigen. Der Auspuff wird immer lauter. Bei manchen Wagen ist ein leichtes Zischen des Turbos zu hören. Doch auch in der Ferne sind die Fahrzeuge noch lange wahrzunehmen. Nach wenigen Minuten kehren sie zurück. Genauso laut, wie sie davongefahren waren. Mit durchdrehenden Reifen geht es zurück zum Parkplatz, wo erst mal eine Pause gemacht wird. Dann macht sich der Nächste auf den Weg. Die Polizei sieht man an diesem Abend nicht.

Mehrere schwarze Spuren sind gut zu erkennen. Foto: dana

Szenenwechsel: Auf der Terrasse einer Anwohnerin des Mengerbergs in Wangelist kann man das eigene Wort kaum verstehen. Für sie und ihre Nachbarn, die namentlich nicht genannt werden möchten, ärgerlich, denn sie bekommen am Wochenende kaum noch ein Auge zu. „Man wird verrückt. Selbst die Hunde haben Panik“, sagt die Frau. Die Situation gehe den Anwohnern an die Substanz. Sie seien dem Lärm hilflos ausgeliefert, denn die Stadt mache bisher nichts, um diese Problematik zu lösen, erklärt ein weiterer Bewohner des Mengerbergs. Auch die Polizei solle mehr kontrollieren, am Besten den ganzen Abend dort stehen und für Ruhe sorgen.

Auch der Betreiber des Parkplatzes sei in der Pflicht, etwas zu tun. Dass es möglich ist, die Autoposer und Raser abzuschrecken, habe schließlich das Siemens-Schuhcenter an der Einmündung zur Werkstraße gezeigt. Dort sei ein Schild aufgestellt worden, dass das Betreten nach Geschäftsschluss mit einer Anzeige geahndet werde. Dies habe wohl gewirkt, meinen die Anlieger. Denn seitdem stehe auf diesem Parkplatz niemand mehr. Eine stichprobenartige Kontrolle der Polizei bringe wenig, erklären die Anwohner. Zwar sei es in der Zeit ruhig, aber sobald die Polizisten weiterziehen, gehe das Ganze wieder von vorne los. „Die Leute sind gut vernetzt.“ Sobald die Polizei vor Ort ist, wisse das jeder.

Wenn die Polizei nicht da ist, gebe es auf dem Parkplatz sogar „Rennen um die Inseln“, erzählen Anrainer weiter. Doch damit nicht genug, denn die Bundesstraße sei eine inoffizielle Rennstrecke, wo selbst Motorradfahrer auf einem Reifen bis zu Burger King fahren. „Die beschleunigen so schnell wie möglich.“ Und damit seien sie eine Gefahr für Anlieger und für andere Verkehrsteilnehmer.

Die Problematik der Autotreffen ist aber nicht neu, diese besteht schon seit 2012, erklärt ein Betroffener. In den vergangenen Jahren habe es aber noch mal stark zugenommen. „Es wird immer mehr.“ Die Treffen als solche würden kein Problem darstellen. Nur der Lärmpegel müsse sich deutlich reduzieren.

Ähnliches wünschen sich die Anwohner für den gesamten Bereich des Multimarktes. „Die Stadt hat die Pflicht ihre Bürger zu schützen“, meinen sie. So fordern diese, dass der Parkplatz ab 22 Uhr nur noch gegen Bezahlung befahren werden kann und mit einer Schranke abgesichert ist. „Wir würden die Schranke auch selber bezahlen“, meint ein Anlieger. Die Kosten für den Parkplatz könnten Diskothekbesucher dann als Wertbon erstattet bekommen.

Weiterhin fordern sie eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf der Bundesstraße auf 50 Stundenkilometer. Auch die Ampeln sollen laut den Anwohnern in der Nacht in Betrieb bleiben und auf eine geschwindigkeitsabhängige Schaltung umgestellt werden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt