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Kabarettistische Achterbahnfahrt

„Anschnallen, es geht bergab!“

Bissig, politisch und schonungslos wie eh und je: So präsentierte sich das Kabarett „Leipziger Pfeffermühle“ im Hamelner Lalu. Das Publikum kam schnell in Fahrt bei dem mitunter bitterbösen Programm mit Elisabeth Sonntags und Franz Sieckels frecher Analyse der Einstellung sächsischer Polizisten in Sachen Neo-Nazis.

veröffentlicht am 05.02.2017 um 14:43 Uhr
aktualisiert am 05.02.2017 um 16:50 Uhr

Elisabeth Sonntag eröffnet als „Flinten-Uschi“ das kabarettistische Dauerfeuer im Lalu. foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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HAMELN Die Erwartungen sind hoch, nicht nur bei den zehn Damen des Hemeringer „Knütteclubs“. „Ich freue mich schon ganz dolle“, sagt Seniorin Anneliese Bolte. Für sie ist es eine Premiere. Lange vor Vorstellungsbeginn ist das Lalu proppevoll mit „best Agern“. Graumelierte Herren, herausgeputzte ältere Damen, das Stammpublikum des Traditionskabaretts „Leipziger Pfeffermühle“.

„D saster“, so heißt das neue Programm des ostdeutschen Kult-Ensembles. Und obwohl die „Pfeffermühle“ jede Menge Kabarettgeschichte mitschleppt, erweisen sich Akteure, Musiker, Texte und Songs als überaus aktuell, rasant, frech, spritzig und einfach mitreißend.

„Schnallen Sie sich an – es geht bergab! Lachend rasen wir ins Nichts!“, so der Grundtenor der wortgewaltigen und gesangesstarken kabarettistischen Achterbahnfahrt. Politisches Wortkabarett hat es nicht leicht angesichts allgegenwärtiger Comedy-Beliebigkeit. „Manchmal scheint es schwierig zu sein, den Leuten mit Politik auch noch auf die Nerven zu gehen“, sagt der Kabarettist Matthias Avemarg in der Pause. „Viele sind offensichtlich überfüttert und haben Schwierigkeiten mit Satire umzugehen. Aber auch mit dem Spiegel-Vorhalten wird es zunehmend schwieriger.“

Doch selbst das oft eher reservierte Hamelner Publikum kommt an diesem Abend schnell in Fahrt, kann sich den fetzigen Gesangseinlagen und hinreißenden Soli nicht entziehen. Die sind mitunter bitterböse wie Elisabeth Sonntags und Franz Sieckels freche Analyse der Einstellung sächsischer Polizisten in Sachen Neo-Nazis. Sieckel setzt als phrasendreschender Europaabgeordneter noch einen drauf, und Elisabeth Sonntag eröffnet als Mitglied von „Flinten-Uschis“ weltweit agierender Truppe im Tarnfleck-Outfit das schonungslose Dauerfeuer auf die Lalu-Besucher.

Und auch die originelle Einarbeitung respektloser Polit-Kritik in allseits bekannte Howard-Carpendale-Songs wird frenetisch beklatscht. „Hello again“, heißt es da etwa mit bissigen Seitenhieben auf die F.D.P.

„Ja, diese Machart kennen wir von früher“, sind sich zwei ältere Herren sicher. „Das ist verständlich, originell und ordentlich gemacht.“ In der Tat treffen nicht nur Matthias Avemargs Soli den Nerv. Glänzend seine aus der Perspektive eines bayerischen Waldbauern vorgenommene Analyse von modernen „Helikopter“-Mütter. Die haben seinen „Erlebnis-Waldspielplatz“ mit ihren SUVs umzingelt und als der verzärtelte Nachwuchs trotz Notfallkoffer und Gummistiefeln nasse Füße zu bekommen droht, bahnt sich ein weiteres „D saster“ an.

„Früher in der DDR musste man für Karten der Pfeffermühle lange anstehen. Da war kaum dranzukommen“, erinnert sich der aus Leipzig stammende Hamelner Ralf Unger, der die Karten zum Hamelner Pfeffermühlen „D saster“ zum 73. Geburtstag geschenkt bekommen hat.

Und wie die anderen Gäste genießt Unger den rasanten Trip unter dem Motto „Die Wirtschaft brummt, der Diesel stinkt und Volksmusik hilft auch nicht mehr“ in vollen Zügen. Immer nach der Devise von Matthias Avemarg: „Albträume haben auch ihre guten Seiten, denn da weiß man wenigstens , was kommen kann.“



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