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„Es gibt keinen Dialog“

Anmelde-Chaos: Kita-Leiterin vermisst Kommunikation mit der Stadt

HAMELN. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’… Ja, wenn Eltern ihre Kinder nicht doppelt bis 16-fach anmeldeten, wenn das System zur Anmeldung von Kindern für einen Betreuungsplatz reibungslos funktionierte und wenn die eine Hand mal wüsste, was die andere eigentlich braucht, ja dann wäre die Welt in Hameln ein kleines Bisschen mehr in Ordnung. Warum die Kita-Anmeldung über das Elternportal „Tolina“ zum Chaos wird.

veröffentlicht am 04.12.2017 um 17:58 Uhr

Begehrte Plätze: Wenn es um die Anmeldung in Hamelner Kita geht, läuft nicht alles rund. foto: dpa
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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„Es geht doch vor allem um die Eltern und die Kinder“, sagt Melanie Dörpmund, Leiterin der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte im Bildungshaus am Klüt. Das Streben der Stadtverwaltung, mehr Transparenz in die Kitabedarfs-Planung zu bringen, kann sie nachvollziehen, sagt sie. Die Kommunikation zwischen Stadt und Kitas allerdings birgt offenbar Verbesserungspotenzial.

18 Monate ist das Elternportal „Tolina“ alt. Über dieses Programm sollen zum einen Eltern ihren Bedarf für einen Betreuungsplatz anmelden, zum anderen geben die Kita-Leitungen selbst ein, wenn Mütter und Väter die Anmeldung für ihre Kinder doch noch persönlich bei der Einrichtung vorgenommen haben. Melanie Dörpmund wurde als Leiterin nach dem Start der Software von ihrem Arbeitgeber und Träger der Kita, dem Verband ev.-luth. Kindertagesstätten, angehalten, die Anmeldungen „möglichst am selben Tag einzuspeisen“. Eine Verpflichtung dazu, gar eine vertragliche Vereinbarung mit der Stadt Hameln allerdings, gibt es dazu seit der Einführung nicht, wie die Stadt verlauten lässt. Das solle sich aber demnächst ändern.

Eine einzige Fortbildungsveranstaltung hat es laut Melanie Dörpmund anlässlich der Einführung der Software im Rathaus für die Kita-Leitungen gegeben. Das war im Frühjahr 2015. Eine Service-Hotline oder einen festen Ansprechpartner bei der Stadt, an den sich die Benutzer auf Kita-Seite wenden könnten, gibt es nicht. Stattdessen kommen immer mal schriftliche Forderungen per Mail aus dem Rathaus von der zuständigen Abteilung, mit dem angemahnt wird, die Anmeldungen einzupflegen. Die Mail bekommt auch, wer das System, wie Melanie Dörpmund, ohnehin schon so pflegt wie von der Stadt eingefordert. „Es gibt keinen Dialog“, bedauert die Kita-Leiterin, dass die Kommunikation zwischen Stadt und Kitas nur schriftlich und nur als Einbahnstraße erfolgt. Sie fände es „hilfreich, wenn wir ein Forum hätten, wo wir uns über den Umgang mit dem Portal austauschen und unsere Erfahrungen mitteilen könnten“, sagt sie. „Wir spüren ja den Druck“, sagt Melanie Dörpmund. Den Druck der Stadt, für die Bedarfsplanung belastbare Zahlen zu erhalten, „aber auch den Druck der Eltern, wenn sie hier sitzen und häufig sehr emotional reagieren“.

Wir spüren ja den Druck – auch den Druck der Eltern, wenn sie hier sitzen und häufig sehr emotional reagieren.

Melanie Dörpmund, Kita-Leiterin

Davon, wie die Krippe und die Kita im Bildungshaus das Anmeldeprozedere handhaben, träumen manche Eltern. Denn manche melden ihr Kind online an, gleich nach der Geburt, um sicher zu gehen, dass sie, wenn sie wieder arbeiten wollen oder müssen, wirklich einen Platz sicher haben – und hören nichts. So war es der Mutter Sonja M. ergangen, über deren Fall wir im Mai berichtet haben. Sie hatte weder eine Zu- noch eine Absage erhalten und klapperte letztlich, viele Monate später, alle Kitas, die sie als Wunsch angegeben hatte, telefonisch ab, um zu wissen, woran sie ist. Aus dem System Tolina heraus erhalten die Eltern keine Rückmeldung, ob die Anmeldung geklappt hat oder wie es weitergeht.

„Unser Träger hat uns angewiesen, dass die Eltern zur Bestätigung der Anmeldung eine Mail von der Kita erhalten“, erzählt Melanie Dörpmund – und zeigt Verständnis auch für die Eltern, die sich eben nicht nur für drei Kitas anmelden, wie von der Stadt gewünscht. Ein Blick in die Software verrät ihr, dass beispielsweise eine Familie ihr Kind gleich 16-mal angemeldet hat. „Die sind verzweifelt“, sagt die Leiterin von vielen Eltern, „und haben Angst, dass sie keinen Platz bekommen“.

Während die Stadt darauf verweist, dass sie nur mit ungefähren Zahlen arbeiten kann, weil Eltern bei der Anmeldung oft noch gar nicht wüssten, ab welchem Zeitpunkt sie ihr Kind denn tatsächlich betreuen lassen möchten, macht Dörpmund andere Erfahrungen. „Die meisten haben eine sehr genaue Vorstellung davon, wann sie wieder arbeiten können und überlegen sich vorher gut, wie sie die Zeit bis zum Beginn – das ist ja meistens der 1.8. – überbrückt bekommen.“

Auch die Annahme der Stadt, dass alle 34 Kitas im Stadtgebiet irgendwann nur noch mit der Software „Tolina“ arbeiten, auf ihr altes System verzichten und sich so doppelte Arbeit ersparen könnten, hält Melanie Dörpmund für unrealistisch. Allein ihr Träger ist zuständig für 18 Einrichtungen im Landkreis und hat überall seine eigene Software, über das die Anmeldungen und Abrechnungen laufen. Um die Doppelbelastung der Datenpflege für die Kita-Leitungen gering zu halten, wurde eine Schnittstelle zum eigenen Verwaltungsprogramm eingerichtet.

Immerhin: Es sollte einmal weitere Info-Veranstaltungen seitens der Stadt geben. Angekündigt worden waren die allerdings per Mail schon im August. „Ich habe danach nichts weiter gehört“, sagt Melanie Dörpmund.

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