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Kilofon spielt mit Licht

Angst vor Dunkelheit ausgeknipst

HAMELN. Leben wir in einer lichtübersättigten Gesellschaft? Ist die Zukunft über-beleuchtet? Was bedeutet ein visueller Reiz überhaupt noch? Das Musiktheater Kilofon stellt nicht nur diese Fragen; in der Performance „Ich hab das Dunkel noch im Ohr“ gibt es jedem Besucher die Möglichkeit, sie selbst zu beantworten.

veröffentlicht am 23.04.2017 um 17:16 Uhr

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Autor

Katharina Mork Reporterin
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In der Vorstellung am Samstagmorgen in der Sumpfblume werden Himmelsstrahler, Leuchtreklamen, Großleinwände, Scheinwerfer, Halogenlampen und High-Performance-LEDs infrage gestellt und bewusst eingesetzt, um dem Zuschauer vor Augen zu führen, wie weit wir bereits drinstecken – in der überbelichteten Dystopie. Auch drängt sich immer wieder die Frage auf, ob wir überhaupt Angst haben müssen vor der Dunkelheit.

Was bedeutete sie einst? Über den optischen Reiz hinaus beschallt das Theaterkollektiv die rund zwölf Zuschauer der Sumpfblume mit Geräuschen, die sich im gesamten Saal verteilen. Ein Kind fängt an zu weinen, als plötzlich jemand anfängt, laut Trompete zu spielen – die Reaktion auf eine Überreizung des Gehörs. Zu aufdringlich und unvorhergesehen waren die Töne des Blechblasinstrumentes, als dass es vom Gehirn als angenehm wahrgenommen werden konnte. Doch warum erträgt das Kind all das Licht, welches nicht weniger aufdringlich war? Stumpfen wir unsere Augen durch Werbetafeln, Bildschirme und permanente Beleuchtung womöglich ab? Im Laufe der Vorstellung wandert der Fokus mehr und mehr zur Dunkelheit, bis endlich wieder Positives darin erkannt wird. Die Angst davor wird ausgeknipst, wie eine überflüssige Lichtquelle.

Die Klang- und Objektperformance des freien Theaterkollektivs hatte am Samstag zwei Vorstellungen geplant. Leider musste die Wiederholung um 15 Uhr aufgrund Besuchermangels ausfallen, und auch bei der Vorstellung am Vormittag hätten noch einige Besucher im Saal der Sumpfblume reichlich Platz gehabt. Bei ihren Performances in Berlin spielen die Akteure meist in ausverkauften Räumlichkeiten, eine rege Nachfrage an gesellschaftskritischem Theater herrscht dort. Aber die dunkle Rattenfängerstadt ist nun mal nicht das überbelichtete Berlin.

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