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Flur der Notaufnahme kein Ort zum Helfen

Angehörige müssen draußen bleiben

Für Ingrid Meier aus Friedrichsburg waren es schreckliche Stunden, die sie im Wartebereich der Notaufnahme im Sana-Klinikum verbrachte. Nur wenige Meter entfernt lag ihr 95 Jahre alter Vater in einem Bett im Flur der Notaufnahme, doch die Tochter durfte nicht zu ihm.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 12:32 Uhr

Der Flur der Notaufnahme ist kein geeigneter Ort für Angehörige – auch wenn sie eigentlich eine Unterstützung wären Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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HAMELN. Walter Lehmeier war im Pflegeheim gefallen, eine Platzwunde am Kopf musste genäht werden, eine Platzwunde am Kopf musste genäht werden. Zudem waren diverse Untersuchungen notwendig. Gerne hätte die Tochter, die die Vormundschaft für ihren Vater übernommen hat, dem dementen alten Herrn zwischenzeitlich die Hand gehalten. Um ihm die Angst zu nehmen, um einfach nur an seiner Seite zu sein, denn Walter Lehmeier ist zudem blind und kann sich kaum bewegen.

Doch Ingrid Meier durfte nicht zu ihm, mehrere Stunden lang. Auf Nachfragen habe man ihr erklärt, dass es den Ablauf stören würde, wenn man sie zu ihm lassen würde. „Ich hätte nicht gestört, hätte dem Personal keine Fragen gestellt, das habe ich auch gesagt“, erklärt Ingrid Meier.

Für die Klinik ist eine solche Situation ein Dilemma, wie die Dewezet über das Kümmerer-Portal für Ingrid Meier in Erfahrung bringen konnte. Im Normalfall sei es gerade bei dementen Menschen oder Patienten, die aus anderen Gründen seelischer Unterstützung bedürften, wünschenswert, dass ein Angehöriger an ihrer Seite ist, erklärt eine Sprecherin des Klinikums.

An diesem Tag sei es jedoch so voll gewesen, dass kein Platz in einem Zimmer frei war, sodass Walter Lehmeier quasi vor dem Schockraum der Notaufnahme „zwischengeparkt“ wurde. An diesen sensiblen Dreh- und Angelpunkt Angehörige vorzulassen, sei aus zwei Gründen schwierig: Zum einen könnten Menschen mit medizinischen Notfällen konfrontiert werden, die viel Nervenstärke erfordern. Anders gesagt: Die Angehörigen könnten Dinge zu sehen bekommen, die nicht so schön sind. Das möchte die Klinikleitung vermeiden. Ein anderer Grund ist der Datenschutz. Wenn es schnell gehen muss, kann es sein, dass vor dem Schockraum über Dinge gesprochen wird, die nicht für die Ohren von Außenstehenden bestimmt sind. An dieser Stelle wäre der Datenschutz nicht mehr gewährleistet, erklärt eine Sprecherin des Krankenhauses. Die Tatsache, dass Ingrid Meier diese Umstände nicht richtig vermittelt werden konnten, hält sie für ein „Kommunikationsproblem“. Ingrid Meier hatte der Dewezet berichtet, dass eine Krankenpflegerin ihr zunächst freundlich erklärt habe, dass sie die Abläufe in der Notaufnahme stören würde. Eine zweite Pflegerin sei bei erneuter Nachfrage sehr unfreundlich gewesen. Die Sprecherin des Klinikums spricht von „unglücklichen Umständen“ und betont, dass man in solchen Fällen eigentlich froh sei, wenn Angehörige Patienten mit Einschränkungen helfen.



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