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"Andrej sagte: ,Der ist hinüber, der ist tot‘"

veröffentlicht am 07.06.2011 um 10:33 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Von Ulrich Behmann
Hameln. Der wegen Raubmordes angeklagte Adolf B. (55) ist schwer zu verstehen. Er spricht leise, seine Sprache ist verwaschen. Sein Strafverteidiger Dr. Holger Nitz klärt das Schwurgericht in Hannover auf: „Mein Mandant hat eine Zahnentzündung bekommen.“ Aber auch das, was der ehemalige Hamelner Adolf B. erzählt, klingt für manchen im Saal alles andere als glaubwürdig. Oberstaatsanwältin Gabriele Nesemann verrät der Dewezet in einer Prozesspause, was sie von den Ausführungen des 55-Jährigen hält: „Nicht gerade viel.“ Sechs Stunden dauert Adolf B.s Vernehmung, die Mitangeklagten Andrej L. (24) und Vadyn C. (22) kommen gar nicht zu Wort. Um 15.10 Uhr unterbricht der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch die Verhandlung. B. kann sich nicht mehr konzentrieren.

Adolf B. hat gestern seine Sicht der Dinge erzählt – umständlich und langatmig. An jedes kleinste Detail scheint er sich erinnern zu können. Nur, als es um die Ermordung des Geschäftsmannes geht, hat er Gedächtnislücken. Da konnte er angeblich nicht viel erkennen, weil seine Brille während einer Prügelei zu Boden gefallen war. Da hatte er starke Schmerzen, „sah er nur Blitze“, weil er entweder von Andrej L. oder von Robert Hodde einen Tritt in den Unterleib bekommen haben will.

Adolf B. will Robert Hodde weder getötet noch in eine mit Wasser gefüllte Badewanne gelegt haben. Das soll allein Andrej L. getan haben.

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Heute beginnt der Prozess gegen die Täter.

Adolf B. erzählt, er habe Robert Hodde 1987 in Hameln kennengelernt. „Damals hatte ich noch einen Schäferhund. Robert hat mich angesprochen. So sind wir ins Gespräch gekommen.“ Gegenseitig habe man sich zum Kaffee eingeladen, es habe sich so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Robert Hodde habe ihn gebraucht, weil er kein Auto hatte. Adolf B. will den Kaufmann zu Auktionen gefahren haben. Mal sei es nach Berlin und Zwickau, mal nach Prag und Warschau gegangen. Seine damalige Frau habe Hodde nicht gemocht, ihn sogar einmal aus der Wohnung geworfen. „Er hat sie bedrängt“, behauptet Adolf B.

Der ehemalige Autolackierer sagt, er sei für Robert Hodde aber auch zu Mietern gefahren, „wenn die nicht zahlen wollten“. Er erklärt nicht, was er bei den Schuldnern gemacht hat, stellt aber fest: „Ich bin die Person, der Robert am meisten vertraut hat.“

Im November habe er für Robert Hodde erneut einen solchen Job erledigen sollen. „Er rief mich in Köln an, sagte, einer seiner Mieter, ein Rauschgift-Dealer, zahle seit sechs Monaten keine Miete mehr. Er wolle Zugang zu der Wohnung. Ich dürfe noch zwei Männer mitbringen.“

Am 21. November um 15 Uhr sollen Vadyn C., Andrej L. und Adolf B. von Köln nach Hameln gefahren sein, ohne sich jedoch zuvor bei Robert Hodde telefonisch angemeldet zu haben. Um 18.30 Uhr kam das Trio an der Schillerstraße 43 an. Adolf B. stieg aus und ging zu Robert Hodde, während Vadyn C. und Andrej L. den VW Golf am Reimerdeskamp in der Nähe der Shell-Tankstelle abstellten.

Adolf B. behauptet, Robert Hodde habe für seine beiden Söhne mehr als 3300 D-Mark aufbewahrt, „weil ich einen Offenbarungseid geleistet hatte“. Das Geld sollte ausgezahlt werden, „wenn die Kinder 18 werden“. Adolf B. sagt, er habe an diesem Tag die Summe von Robert Hodde gefordert. „Er hat mir aber nur 1700 D-Mark geben können.“

25 Minuten sei er allein mit seinem langjährigen Bekannten, den er als „einen schwierigen Menschen“ beschreibt, in Hoddes Eigentumswohnung gewesen. Erst dann seien Vadyn und Andrej dazugekommen. Man habe über das Problem mit dem Mieter und auch über Privates gesprochen. „Vieles konnte ich nicht verstehen, weil die anderen mit Robert in Ostsprachen redeten“, behauptet Adolf B. Irgendwann habe jemand nach der Bezahlung gefragt. Robert Hodde habe geantwortet: „Das macht der Adolf.“ Andrej L. soll ausgerastet sein. „Was? Du willst nicht bezahlen“, soll er erbost gerufen haben und Robert Hodde blitzschnell angegriffen, geschlagen und an den Händen gefesselt haben. Vadyn C. habe die Füße des Opfers fixiert. Hoddes Gebiss sei bei dieser Attacke kaputtgegangen. „Robert hat dann mehrfach gesagt: ,Entschuldige, Adolf. Selbstverständlich bezahle ich euch, aber ich kann das nur mit Gold machen.‘ Ich habe dafür gesorgt, dass Roberts Hände losgemacht wurden.“

Adolf B. und Vadyn C. fuhren zu Hoddes Phila-Studio an der Kaiserstraße. Mit einem Schlüssel will Adolf B. den Tresor geöffnet haben und daraus eine Schatulle mit Gold- und Silbermünzen sowie ein Briefmarken-Album entnommen haben. Dafür, dass sie nach Hameln gekommen waren, um dem säumigen Mieter einen Besuch abzustatten, habe er 800 Euro und seine Helfer je 250 Euro von Hodde bekommen sollen. Zurück in der Wohnung, habe Hodde eine Quittung über 1300 Euro in Gold ausgestellt. Wo die jetzt sei, wisse er allerdings nicht. Vadyn C. habe im Auto gewartet.

Plötzlich, so Adolf B., sei Robert Hodde sauer geworden, „weil sein Gebiss zu Bruch gegangen war“. „Warum hast du mich geschlagen?“, habe er Andrej L. angeschrien und ihn beleidigt. Andrej L. soll auf Hodde losgegangen sein. „Beide hatten die Hände zu Fäusten geballt. Robert hat sich an meinem Arm festgehalten. Deshalb bin ich zu Boden gegangen, meine Brille war weg, ich habe kaum etwas gesehen“, sagt Adolf B. Dann habe er Andrej L. sagen hören: „Der ist hinüber, der ist tot.“ Der 24-Jährige habe ihn mit dem Tod bedroht: „Wenn ich in den Knast muss, bringe ich dich um.“

Der Prozess wird am 27. Juni (Saal 127) fortgesetzt.



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