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„Vor allem achten wir aufeinander“: Zehn Jahre gemeinschaftliches Projekt auf dem Scharnhorstgelände

Anders wohnen

Hameln. „Anders wohnen – anders leben“, das war das Ziel, das sich 2001 eine kleine Gruppe um Ulla Boysen und Brigitte Ninas gesetzt hatte. Vier Jahre traf sich die Initiative für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in Hameln einmal im Monat, um sich ihr Konzept zu erarbeiten. Sie fand sogar einen Bauträger, der bereit war, selbst Geld in die Hand zu nehmen, um auf dem Scharnhorstgelände ein Grundstück zu erwerben und ein Gebäude mit 14 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe barrierefrei für den Verein „Anders leben – anders wohnen e.V.“ zu bauen. Mieter wurde am Ende eine von dem Verein gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Maria Klaushenke war im September 2005 die Erste, die einzog, die anderen Mitbewohner folgten schnell. Deshalb feiern die Damen – derzeit leben nur Frauen in dem Haus, entweder weil sie ohnehin allein leben oder Witwen sind – im September mit einem Fest das zehnjährige Bestehen des Projekts.

veröffentlicht am 06.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Die Idee war, Menschen zu finden, „die ihre Vorstellungen von einem erfüllten Leben jenseits der Lebensmitte bis ins hohe Alter“ verwirklichen und nicht warten wollten, „bis ,es‘ so weit war“, wie es in dem damals erstellten Konzept heißt. Im Alter von 50+ sollten die Bewohner sein, lebendigen Austausch schätzen, zu nachbarschaftlicher Unterstützung bereit sein und sich ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter vorstellen. „Daran hat sich bis heute nichts geändert“, betont die Sprecherin der Gruppe, Gisela Möres. Und Maria Klaushenke ergänzt: „Wir sind inzwischen eigentlich so etwas wie eine größere Familie. Wir feiern Weihnachten, Silvester, Ostern und auch die Geburtstage zusammen. Vor allem aber achten wir aufeinander.“

Ein gutes Beispiel dafür sind die Bänder, die morgens nach dem Aufstehen an den Türklinken ein Schließen der Türen verhindern. „Dann wissen wir, dass da drinnen alles in Ordnung ist“, erklärt Gisela Möres. Und amüsiert ergänzt die 86-jährige Hanna Grosse: „Hier kann man nicht einmal bis um elf Uhr ausschlafen. Dann steht schon jemand im Zimmer.“ Einmal sei sie erwacht und vier Mitbewohner hätten an ihrem Bett gestanden, um nach dem Rechten zu sehen. „Ich habe die Augen aufgemacht und nur gesagt: ,Ich lebe noch.‘“ Nachts könne schließlich viel passieren“, kommentiert die 72-jährige Helga Kiari den Vorfall. „Ein Altersheim sind wir aber nicht“, betont Gisela Möres, „bei uns bleiben alle munter und es entsteht keine Hospitalisierung.“

Jeweils am ersten Montag im Monat treffen sich die Bewohner des Hauses ganz formell mit Tagesordnung und dem Protokoll der letzten Sitzung, um Fragen zu besprechen, die aufgetaucht sind, Probleme zu lösen oder für die nächsten Wochen und Monate zu planen. „Nur wer krank oder verreist ist, gilt dabei als entschuldigt“, berichtet Gisela Möres. Aber der Montag sei auch eine Art „Jour fixe“, an dem man sich im hellen Gemeinschaftsraum im Parterre zusammensetze und sich miteinander austausche. Dort steht auch ein großes Bücherregal mit allerlei Literatur, die allen zur Verfügung steht. Gemeinsam wird im Frühjahr und Herbst der Garten bearbeitet und einmal im Jahr auch Hausputz veranstaltet, wobei eine Gebäudereinigerfirma das große Treppenhaus und den Eingangsbereich sauber hält. „Gemeinschaftliches Wohnprojekt“ bedeutet aber nicht, dass hier eine „Alten-WG“ gegründet worden wäre. Jeder Bewohner hat seine abgeschlossene Wohnung. Die kleinste hat eine Fläche von 47 Quadratmetern, die größte bietet Wohnraum auf 110 Quadratmetern. Einschließlich der Gemeinschaftsräume und aller Nebenkosten zahlen die Bewohner 8,95 Euro pro Quadratmeter. Mitenthalten sind dabei die Aufzugskosten, die Pflege des Rasens und der Hecke und das, was üblicherweise die „zweite Miete“ ausmacht.

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Für Projekte gemeinschaftlichen Wohnens gibt es sogar eine Bundesvereinigung, das „Forum gemeinschaftliches Wohnen e.V.“. Bei der Niederlassung in Hannover sind 35 derartige Projekte eingetragen. Die tatsächliche Zahl in Niedersachsen wird aber auf 150 geschätzt.

Ein Teil der Bewohnerinnen des Projekts gemeinschaftliches Wohnen im Garten des von ihnen bewohnten Hauses. wft

Blick in das Treppenhaus der Wohnanlage. Mit Kordeln wie auf dem kleinen Bild wird ein Schließen der Türen verhindert.

Dana



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