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Familie Glock aus Lippe ist zum Bummeln in Hameln / Ein Freundschaftsbericht über unsere Nachbarn

„An einigen Vorurteilen ist schon etwas dran“

Hameln. 13.27 Uhr,, Wurstbasar in der Bäckerstraße: Heribert Glock putzt sich noch einmal schnell den Mund sauber, dann geht es los. Vor wenigen Minuten ist er mit seiner Frau Bettina und den Kindern Lena, Lara und Kai in Hameln angekommen. Die Familie wohnt in Lemgo. In Hameln wollen sie Shoppen. Es ist schließlich Lipper-Tag.

veröffentlicht am 02.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

Robert Michalla
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13.29 Uhr:, Die „Angry-Bird“-Schnellhefter bei McPaper lässt die Familie soeben rechts liegen, da geht es das erste Mal ums Geld. Lara fragt ihre Mutter, ob sie sich etwas kaufen dürfe. Mutter Bettina winkt, laut Vorurteil nicht unüblich für eine Lipperin, ab. „Frag deinen Bruder, der hat Geld.“ Beide lachen, das Thema ist damit abgehakt. Beim Bummeln durch die Stadt verlieren die Glocks keine Zeit, vielleicht haben sie den Witz im Kopf von dem Lipper, der seiner Frau zu Ostern ein Paar neue Schuhe schenkt. Als sie auf dem Weg zum Ostergottesdienst sind, sagt er zu ihr: „Liebling, mach größere Schritte – dann halten die Schuhe länger!“ Wahrscheinlich denken die Glocks aber an etwas ganz anderes.

13.31 Uhr:, Die Glocks betreten das erste Geschäft, es heißt MäcGeiz. Die Familie schwärmt sofort aus. Bettina und Heribert Glock schauen sich Geschenkpapier an, die Töchter schauen sich ein paar Meter weiter Blöcke an. Doch welcher Block hat wie viele Blätter? Soll er liniert sein oder kariert? Und was kostet das ganze? Die Glocks laufen durch das gesamte Geschäft, schauen hier, greifen dort und reißen Witze. „Der ist zu groß“, sagt Mutter Bettina zum Beispiel, als ihr Tochter Lena einen DIN-A7-Block, 7,4 mal 10,5 Zentimeter, hinhält. Als Sohn Kai darüber sinniert, wie der Energiedrink mit Cannabis-Geschmack schmeckt, fragt seine Mutter betont empört: „Woher weißt du denn eigentlich, wie Cannabis schmeckt?“

13.40 Uhr: Sechs Blöcke liegen am Ende auf dem Kassenband, daneben ein Radiergummi für Mutter Bettina und zwei Dosen eines Energiedrinks für Sohn Kai. Alles landet in der Plastiktüte von MäcGeiz, die zehn Cent extra kostet. Das erste Geschäft liegt hinter den Glocks. Heribert trägt die Plastiktüte in der linken Hand, die rechte steckt in der Hosentasche. „Ich bummel gern“, sagt er, „mal rauskommen, was mit der Familie unternehmen.“ Seine Frau stimmt ihm zu. Hameln besuche die Familie öfter, besonders wenn wie gestern Allerheiligen ist und die Menschen in Nordrhein-Westfalen frei haben. „Wir machen das schon seit Jahren“, sagt er. „Die Innenstadt gefällt uns“, sagt sie. Besonders die Abwechslung hat es ihr angetan. „Immer das gleiche, das ist langweilig.“

2 Bilder

13.45 Uhr:, Heribert Glock fragt die Frauen seiner Familie, ob sie nicht noch zu Wicky wollten. Ein folgenschwerer Fehler. Die Frauen tauchen als erste in die Glitzerwelt ein, Heribert und Sohn Kai folgen mit ein bisschen Abstand. „Für mich ist das nichts“, gibt Kai offen zu. Für Lena, Lara und Bettina diesmal offenbar auch nicht. Sie verlassen den Laden, ohne etwas gekauft zu haben.

13.51 Uhr:, Die Glocks aus Lippe verlassen die Bäckerstraße und steuern ihr nächstes Ziel an: den Spielzeugladen Timmi. Diesmal betritt Heribert Glock als erster das Geschäft, die Frauen folgen. Glock baut in seiner Freizeit gern Modelle, am liebsten Autos, von Mercedes. Er arbeitet bei dem Konzern. Da behaupte noch einer, die Lipper stünden mit Autos auf Kriegsfuß. Die 300-SL-Serie hat es ihm besonders angetan. Bei Timmi schweift sein Blick über die vielen Modelle, vor ihnen geht er langsam auf und ab, deutet auf die eine oder andere Packung. Dann dreht er sich um und sagt grinsend zu seiner Familie: „So, das Winken mit dem Zaunpfahl ist erledigt.“ Glock hat bald Geburtstag, auch Weihnachten steht vor der Tür. Seine Familie weiß nun, was er sich wünscht.

14.04 Uhr:. Halbzeit für die Glocks. Zum Abschluss gehen sie in die Stadtgalerie. Am Ende ihres Tages in Hameln trinken sie noch einen Kaffee. Über die Vorurteile, die besonders Niedersachsen gegenüber Lippern hegen, kann die Familie nur lachen. Schließlich haben sie frei, wenn ihre Nachbarn arbeiten müssen. „Außerdem“, sagt Heribert Glock ganz gelassen, „an einigen Vorurteilen ist schon etwas dran, Geiz zum Beispiel.“

Heribert Glock, Frau Bettina sowie Lena (li.), Lara und Kai kommen zum Shoppen. Die Straßen sind an diesem Tag vollgestopft, freie Plätze in den Parkhäusern sind rar. Fotos:

Dana/rom

Die Lipper haben es nicht leicht. Bei jeder Gelegenheit machen sich ihre Nachbarn aus Niedersachsen über sie lustig. Dabei ist an den ganzen Vorurteilen wie „Lipper sind geizig“ oder „Lipper können kein Auto fahren“ nichts dran. Jedenfalls fast nichts. Ein nicht ganz ernst gemeinter Bummelbericht.



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