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Schulleiterin Gudrun Kruppe: „Neu entstehende Schule nicht an einer 30 Jahre alten messen“

An der IGS läuft noch nicht alles perfekt

Hameln (ni). Vor knapp drei Monaten ging die erste IGS in Hameln an den Start. „Die Kinder fühlen sich wohl“, sagt eine Mutter, „auch wenn an der neuen Schule noch nicht alles ganz rund läuft.“

veröffentlicht am 05.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 17:21 Uhr

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Fünf parallele Klassen und 139 Kinder, die sich erst kennenlernen müssen; dazu neue Lehrer, von denen etliche nur stundenweise für den Unterricht zur Verfügung stehen und die sich als Kollegium erst noch zusammenfinden müssen; und als zusätzliche Erschwernis räumliche Gegebenheiten, die alles andere als passgenau zugeschnitten sind auf das Unterrichtskonzept einer IGS – die Startbedingungen für die Integrierte Gesamtschule im Schulzentrum Nord sind nicht optimal. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagt die kommissarische Schulleiterin Gudrun Kruppe und weiß sehr wohl, dass vieles an der neuen Schule schon gut funktioniert, aber auch noch manche Baustelle offen ist. Wenn sie von Eltern darauf angesprochen werde, werbe sie um Verständnis und gibt ihnen zu bedenken: „Sie dürfen eine neu entstehende IGS nicht an einer 30 Jahre alten messen; das muss sich alles erst entwickeln.“

Wie zum Beispiel die Organisation fächerübergreifender Unterrichtseinheiten, bei dem die Schüler sich in mehreren Fächern mit dem gleichen Thema auseinandersetzen und sich Wissen nicht nur „erlesen“, sondern auch durch praktisches Tun erwerben. Um die geeigneten Themen zu finden, so Kruppe, „mussten wir erst einmal sehen, wo die Kinder stehen, wo wir sie abholen müssen“. Inzwischen sei das Kollegium dabei, den Jahresplan für diese Unterrichtseinheiten „mit Inhalt zu füllen“.

Schwieriger gestalte sich dagegen die Verwirklichung der Idealvorstellung, wonach jeweils zwei Klassenlehrer auch den überwiegenden Teil des Unterrichts in einer Klasse abdecken. Das Lehrerteam für jede Klasse gebe es, sagt Kruppe, aber nicht in jeder Klasse erteile das Zweiergespann auch die meisten Stunden. „Das war aufgrund der Fächerkombination der Lehrer einfach nicht möglich“, sagt Kruppe; und auch: „Es kann nicht alles gleich perfekt sein.“

Als sogenannte offene Ganztagsschule – nur so hat das Land sie genehmigt – wird die IGS von der niedersächsischen Landesregierung nur spärlich mit Geld für das Nachmittagsangebot ausgestattet. Ganze 21 800 Euro – das entspricht dem Gegenwert von 12,5 Lehrerstunden – kann Kruppe pro Schuljahr einsetzen, um die Zeit zwischen 13 Uhr und dem definitiven Schulschluss um 15.15 Uhr vernünftig zu gestalten. Angesichts des lächerlichen Budgets mutet das Angebot an freiwilligen Arbeitsgemeinschaften geradezu üppig an: Da können die Kinder Spanisch lernen oder sich künstlerisch betätigen, sie können als Waldforscher auf Erkundung gehen und sich in Mathe-Knobeleien vertiefen, Schach spielen oder Sport treiben. Mit 15 bis 20 Kindern ist jede dieser Arbeitsgemeinschaften ausgebucht. Montags, dienstags und donnerstags gibt es außerdem eine Hausaufgabenbetreuung. Ein Lehrer sowie eine Honorarkraft sind immer dabei, zusätzlich engagieren sich Zehntklässler der Sertürner-Realschule für die Neulinge von der IGS.

Der Mittwochnachmittag nimmt mit seinem für alle Schüler verpflichtenden Angebot noch eine Sonderstellung ein. Noch, weil sich sowohl viele Eltern als auch Lehrer eigentlich eine IGS wünschen, an der jeden Tag Mittwoch wäre; an der die Phasen von intensivem Lernen und Erholung, von Konzentration und Entspannung entzerrt und über den Tag verteilt werden könnten; an der nicht nur mehr Zeit ist für gemeinsames Lernen, sondern auch für gemeinsames Leben.

Das gemeinsame Mittagessen als ein wichtiges Element dieses Miteinanders stellt an der IGS noch ein Problem dar. Mit allen 137 Kindern mittwochs in die Mensa des Schulzentrums zu gehen, scheitert an zwei Gründen: Erstens reichen die Plätze in der Mensa nicht aus, die auch von den Schülern des Albert-Einstein-Gymnasiums beansprucht wird. Und zweitens sind überhaupt nur zwischen 20 und 40 IGS-Kinder für die warme Mahlzeit angemeldet. Mit denen geht es mittwochs auch gemeinsam in die Mensa, die anderen futtern ihr Brot im Klassenzimmer.

Rein rechnerisch stehen dem fünfzügigen ersten Jahrgang der Integrierten Gesamtschule unter dem Dach der Sertürner-Realschule genügend Räume zur Verfügung. Allerdings liegen sie teilweise so ungünstig, dass sich nicht alle wünschenswerten Formen von Unterricht verwirklichen lassen. Das Arbeiten in großen und in kleinen Gruppen, stille Ecken, in denen auch mal nur vier Kinder an einem Problem tüfteln und vom Lehrer trotzdem noch im Auge behalten werden – die Umsetzung inhaltlicher Konzepte lasse sich nicht abkoppeln von den äußeren Voraussetzungen, sagt die Schulleiterin. Die Suche nach der besten Lösung unter den gegebenen Bedingungen ende darum oft auch in einem Kompromiss. Kruppe: „Es ist noch nicht alles vollkommen bei uns.“ Vertreter der IGS-Initiative, die die Gründung der neuen Schule ganz maßgeblich vorangetrieben haben, scheinen angesichts dieser „Mängel“ ungeduldiger zu sein als das Gros der Elternschaft.

Eine Mutter, die engen Kontakt zu anderen IGS-Müttern hält: „Ich habe den Eindruck, den meisten Eltern ist bewusst, dass diese Schule gerade erst anfängt, sich zu entwickeln. Sie erwarten gar nicht, dass schon alles funktioniert. Wichtig ist ihnen nur, dass es weiter vorangeht.“



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