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Gestern Warnstreik im öffentlichen Dienst / Die meisten Abfalltouren werden heute nachgeholt

„Am Personal zu sparen, ist verkehrt!“

Hameln. Der Wochenmarkt geht planmäßig über die Bühne, trotz der vielen Menschen, die sich – teilweise in weiß-roten Warnwesten gekleidet – vor dem Weserbergland-Zentrum versammelt haben. 6,5 Prozent oder mindestens 200 Euro mehr, außerdem 100 Euro mehr für Auszubildende und deren unbefristete Übernahme – das sind die Forderungen der Gewerkschaft ver.di und auch der Komba, mit der ver.di eine Tarifgemeinschaft bildet. Um dem Nachdruck zu verleihen, sind mindestens 350 Mitarbeiter auf der Straße. Ob Stadtsparkasse oder Sparkasse Weserbergland, Sana-Klinikum, Wasser- und Schifffahrtsamt, Kreisabfallwirtschaft, Kreisverwaltung oder die Verwaltungen der Städte und Gemeinden in und um Hameln – viele Arbeitnehmer haben ihren Arbeitsplatz für diesen Warnstreik verlassen, mit dem Druck gemacht werden soll.

veröffentlicht am 08.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Vom Hamelner Rathaus geht es, begleitet von „Adams Family“ mit Posaune, Quetschkommode, Trommel und Schlagzeug und begleitet von der Polizei, zunächst in Richtung Kreishaus. „Wer sich uns jetzt nicht anschließt, versäumt etwas“, sagt ver.di- Chefin Sabine Prenzlow, die einen Gruß an den Landrat verkündet. Rüdiger Butte, Präsidiumsmitglied beim kommunalen Arbeitgeberverband, solle dafür sorgen, dass nächste Woche ein verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch liegt, fordert sie. Ob Butte das gehört hat oder nicht? Zu sehen ist er jedenfalls nirgendwo. Dafür sind die Demonstranten umso lauter zu hören mit ihren Trillerpfeifen und dem Motto „Am Personal zu sparen ist verkehrt, wir sind es wert!“

Auch am Sana-Klinikum gibt es kritische Töne. Gerade der Pflegedienst, so Prenzlow, sei extrem belastet, die vor Jahren abgeschlossenen Notdienstvereinbarungen seien inzwischen die reale Besetzung. Gerade bei den Schwestern zeige sich, dass es Nachwuchsprobleme gebe, wenn für schwere Arbeit nur kleines Geld gezahlt werde. Dem schließt sich auch Waltraut Brümmer an, die dort Mitglied im Personalrat ist. „Die Personalbedarfsplanung orientiert sich an den Erlösen. Die Krankenkassen müssten deshalb von ihren Überschüssen etwas an die Kliniken weitergeben“, fordert sie.

Ehrenamtliche schließen sich an – Thorsten Sievert, der für die Sparkassen spricht oder Bernd Stüven vom Personalrat des städtischen Betriebshofes. Dessen Mitglieder, empfiehlt Sabine Prenzlow zur Nachahmung, sind zu 98,8 Prozent organisiert, entsprechend groß sei eben auch die Beteiligung am Warnstreik.

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  • Heizt den Streikenden richtig ein: „Adams Family“.

Etwas zu spät kommt Harald Memenga vom ver.di-Bezirk Hannover. Kein Wunder: Der Arbeitgeber Üstra in Hannover hat das Verwaltungsgericht bemüht, um angesichts der CeBIT den Warnstreik im ÖPNV unterbinden zu lassen– vergeblich, wie Memenga gerade auf der Hochzeitshausterrasse berichtet. Der Applaus ist ihm sicher. „Unsere Forderungen passen in die Zeit und sind gerecht“, sagt er. Denn die Beschäftigten brauchen seiner Ansicht nicht nur „Lohn zum Leben“, sondern auch für die spätere Rente. Die Sparpolitik der letzten zehn Jahre habe dazu geführt, dass ein Arbeitnehmer mit 25 Jahren heute 35 Jahre lang in die Rentenversicherung einzahlen müsse, um später in etwa das zu bekommen, was man heute ohne Rentenzahlung als Hartz-IV-Empfänger erhalte.

Aufgrund des Warnstreiks fielen gestern Sammeltouren der Kreisabfallwirtschaft aus, so die Rest- und Biomülltouren in Hameln oder in Hämelschenburg, Gellersen, Amelgatzen, Hagenohsen, Hastenbeck sowie Abholung von Elektrogeräten in Klein Berkel und in Ortsteilen von Bad Pyrmont und Emmerthal. Diese Touren werden heute nachgefahren. Informationen unter 05151/956136/-30.

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