weather-image
22°

Trotz eisiger Temperaturen: Kinder und Erwachsene sind heiß aufs Rodeln / Tipps: So wird der Schlitten schneller

Am Hamelner Hausberg toben die Pistenteufel

Vollgas… Clemens (8) fährt am liebsten mit seinem Lenkbob.

veröffentlicht am 04.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 22:21 Uhr

Sieht schlimm aus, macht aber ne‘ Menge Spaß.
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Abflug…Isabel (11) und ihr Onkel heben auf einer Bodenwelle ab.

Die schöne Aussicht ist aber hinter dir, Java! Die 3-Jährige probiert’s mit dem Po-Rutscher. Für Papa ist da drauf allerdings kein Platz mehr…

Gute alte Zeit… mit dem DDR-Schlitten aus den 70ern hat sich Olaf Geese einen Jugendtraum bei Ebay ersteigert.

4 Bilder

Mit viel Schmackes die Kuhwiese am Klüt runter. Der Sturz sieht schlimm aus, tat aber nicht weh.

Hameln (tk). Soviel Schnee gab es schon lange nicht mehr – und der wird vorerst auch liegen bleiben. Der Dauerfrost hat fast das ganze Land bis mindestens Mitte Januar fest im Griff, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Vor allem die Kinder freuen sich über den Schnee und sind kaum noch zu halten: sie wollen raus – rodeln. Wer die Superlative des Rodelns sucht, muss in die Alpen fahren: Der Ort Grindelwald in der Schweiz gilt als größter Tummelplatz für Schlittenfans und hat die längste Rodelbahn der Welt: 15 Kilometern lang. Und auch Tempo-Fans kommen auf ihre Kosten. Sie stürzen sich mit 80 Stundenkilometern den fünf Kilometer langen „Speed Run“ hinunter. Während der Skisaison zieht es 200 000 Schlittenfahrer in den Alpenort.

So viele sind es in Hameln natürlich nicht, aber auch hier lässt sich’s richtig gut rodeln: Am besten am Schweineberg, oberhalb von Holtensen, am Süntelturm bei Welliehausen und auf der Kuhwiese am Klüt. Auf aufgeblasenen Autoreifen, lenkbaren Snow Racern, mit Mini-Bobs, Teller-Rodeln, Aluracern oder klassisch, mit dem Davoser Holzschlitten, stürzen sich die Pistenteufel den Hang hinunter. Erkan braucht für die Strecke 15,6 Sekunden. Seinen knallroten Flip-Side-Bob muss er zwar mit den Füßen lenken, dafür quäkt sein Plastikgefährt auf Knopfdruck eine Melodie, die wie Sirenengeheul klingt. Unten angekommen, winkt er Mehmet. Er ist dran. Erkans Mutter drückt die Stoppuhr ihres Handys, und Mehmet schwingt sich auf seinen Lenkbob. 28,4 Sekunden. „Mist.“ Mehmet will Revanche, und schon ziehen beide ihren Schlitten wieder den Hang rauf, bestimmt zum zwanzigsten, aber nicht zum letzten Mal. Wie die anderen Eltern auch, guckt sie, was die Kinder machen und bekommt dabei kalte Füße. Im Rucksack: eine Thermoskanne mit Tee und ein Wechselpaar Handschuhe und Socken.

Viele hier sind Wiederholungstäter. Dirk Lange aus Hameln war vorgestern mit seinem Sohn Christopher bei Kirchohsen rodeln und erzählt begeistert, dass die Piste dort bis 22 Uhr beleuchtet war und es sogar eine Glühweinbude gab. Auch Olaf Geese war mit seinen Kindern unterwegs – in Lügde unterhalb des Golfplatzes. Sein Schlitten ist ein ganz besonderer: Ein nostalgisches DDR-Modell der Firma Germina, 70er-Jahre-Stil, ersteigert bei Ebay, mit vier Holzkufen, einem Lenkrad und sogar einer Bremse. Mit dem Gefährt hat sich der 42-Jährige einen Kindheitstraum erfüllt, rast jetzt bäuchlings den Hügel runter und muss aufpassen, nicht in den Jägerzaun zu knallen, der die Kuhwiese von einem Garten trennt.

Bei diesem Wetter wurden Schlitten in Hamelns Geschäften offenbar schnell zur Mangelware. Zum Beispiel beim Hagebaumarkt: Seit es vor 14 Tagen das erste Mal geschneit hat, sei die Nachfrage enorm gestiegen, sagt Silke Erbgut. „Wir haben nicht einen Schlitten mehr“, und Nachschub werde es nicht mehr geben. Wer aber noch einen alten Schlitten im Keller hat, der kann mit ein paar Tricks aus der Schnecke einen Renner machen. Dafür braucht man nur ein feines Blatt Schmiergelpapier, flüssiges Universalwachs und Mutters alte Nylonstrumpfhose. Und so macht’s der Profi: Die Kufen müssen für das Schnellermachen trocken und zimmerwarm sein. Mit dem Schmirgelpapier werden die Kufen abgeschliffen, der Rost muss ganz runter. Auf die abgeschliffenen Kufen wird mit einem Stück Stoff das flüssige Universalwachs aufgetragen. Abschließend werden die Kufen mit der Nylonhose poliert.

Aber Vorsicht: Sicherheitsexperten raten in jedem Fall, einen Skihelm zu tragen. Und auch Schlitten ist nicht gleich Schlitten. Gerade die sogenannten „Po-Rutscher“ seien nicht ungefährlich: Diese leichten Kunststoff-Scheiben mit Handgriff federn Bodenstöße nicht wie ein Schlitten ab, sondern wirken direkt auf die Wirbelsäule. Zudem sind sie schwer zu lenken und erreichen sehr hohe Geschwindigkeiten.

Sicherheitstipps fürs Rodeln gibt es auch im Internet: www.rodel-austria.at.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?