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Mieterin steckte viel Herzblut in Wohnung

Altbau an der Domeierstraße: Erst renoviert, dann abgerissen

HAMELN. „Ein traumhaft schöner Altbau“ sei das Haus an der Domeierstraße gewesen, erzählt Dagmar Gabcke. Nun wird es abgerissen. Bis Mai 2015 hat Gabcke das Haus als Mieterin bewohnt und viel Geld und Herzblut in die Renovierung gesteckt. Dann kündigte die Tönebön-Stiftung ihr den Mietvertrag – wegen Eigenbedarfs.

veröffentlicht am 15.09.2017 um 19:57 Uhr

Außer einem Schutthaufen ist von dem Altbau an der Domeierstraße nicht viel übrig geblieben, obwohl die Wohnungen aufwändig saniert worden waren. Foto:Dana
Jens Spickermann

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Als total baufällig und marode hatte hingegen Regine Latzko vom Tönebön-Vorstand das Haus beschrieben. Eine Sanierung „wäre ins Unendliche gegangen“, so Latzko. Doch die Fotos, die Gabcke von ihrer Wohnung gemacht hat, belegen: Ein wunderschöner Altbau, den die Mieterin aufwendig renoviert hat, wird derzeit in einen Haufen Schutt verwandelt.

Eingezogen ist Gabcke in das Haus im Jahr 2011. Sie durfte für eine relativ günstige Miete dort wohnen, weil sie es selber renovierte – das war die schriftlich festgehaltene Abmachung mit der Tönebön-Stiftung, die das Haus 2008 gekauft hatte. Der Mietpreis war für zehn Jahre vertraglich fixiert. Deswegen ging Gabcke auch davon aus, mindestens zehn Jahre dort wohnen zu können. Aber bereits im Oktober 2014 bekam sie das Kündigungsschreiben und sollte bis Ende Mai 2015 ausziehen. Die schriftliche Begründung der Stiftung: Auf dem Grundstück solle ein Kurzzeitpflegehotel errichtet werden. Den Beginn des Abrisses terminierte das Unternehmen auf den 1. Juli 2015.

„Ich habe mich erkundigt und erfahren, bei einer Eigenbedarfsanmeldung kann man nicht viel machen“, sagt Gabcke, die den Rausschmiss daher letztendlich notgedrungen hinnahm. Doch passiert ist mit dem Haus nach der Kündigung erst mal nichts – es stand einfach nur leer. Gabcke fragt sich nun, warum der Abriss erst kürzlich begonnen hat – theoretisch hätte sie ja noch wenigstens zwei Jahre dort wohnen können. Fraglich ist auch, ob die Stiftung wirklich einen eigenen aktuellen Bedarf an dem Grundstück hat. Auf Nachfrage hatte Latzko nämlich Anfang der Woche mitgeteilt, dass auf absehbare Zeit nicht geplant sei, an dem Standort etwas Neues zu errichten.

Stuck und Holzfußböden: „Traumhaft schön“ fand Mieterin Dagmar Gabcke ihre selbst renovierte Wohnung an der Domeierstraße. Nun wurde das Haus abgerissen. Foto: pr
  • Stuck und Holzfußböden: „Traumhaft schön“ fand Mieterin Dagmar Gabcke ihre selbst renovierte Wohnung an der Domeierstraße. Nun wurde das Haus abgerissen. Foto: pr
Foto: pr
  • Foto: pr

Verärgert ist Gabcke auch darüber, dass ihr nicht von Anfang an mitgeteilt worden war, dass das Haus in näherer Zukunft weichen sollte: „Wenn der Abriss von vornherein feststand, wieso haben sie mich dann einziehen lassen?“, fragt sie sich. Der ehemalige Stiftungsvorstand Herbert Schneider habe ihr vor dem Einzug auf Nachfrage zugesichert, dass ein Abriss des Gebäudes in den nächsten Jahren nicht geplant sei. Gemäß dem Mietvertrag ließ Tönebön sogar teure, maßgefertigte Schallschutzfester einbauen.

Nur weil sie von einem längerfristigen Mietverhältnis ausging, habe sie so viel Arbeit in die Wohnung investiert. „Ich habe den Stuck repariert, das sah traumhaft schön aus“, sagt sie. Den Boden der 160- Quadratmeter-Wohnung habe sie abgeschliffen, die Fliesen gestrichen und über ein halbes Jahr viele andere Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Mehrere zur Wohnung passende Möbel konnte sie außerdem in ihre neue Bleibe nicht mitnehmen, sondern musste sie entsorgen. Insgesamt sind ihr so hohe Kosten entstanden. Ersetzt wurden ihr nur die Materialkosten für die Sanierung, obwohl die Stiftung die Zahlung als „Entschädigung“ darstellte. Eine Mietminderung konnte sie in den letzten Monaten ebenfalls durchsetzen. Was ihr letztendlich an Schaden entstanden ist, habe dadurch nicht vollständig ersetzt werden können, sagt sie. Geblieben ist auch die Enttäuschung darüber, eine schöne Altbauwohnung verloren zu haben, die nun als Schutthügel in einer Deponie endet.

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