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Chatten statt Stricken: Hannelore Hoffmann steht mit 76 Jahren mitten im digitalen Leben

Als Facebook-Omi im Internet zu Hause

Holtensen (ww). Andere Rentner reden über künstliche Hüftgelenke, sie redet übers Chatten: Hannelore Hoffmann ist Hamelns wohl bekannteste Online-Seniorin. Bereits seit 2003 ist die 76-Jährige „Botschafterin“ der Regionalgruppe Hameln und Weserbergland von „feierabend.de“, einer Internet-Community für die Generation „50 plus“ – und neuerdings ist sie auch auf Facebook unterwegs.

veröffentlicht am 28.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 21:41 Uhr

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„Ich war schon immer gerne mit Menschen zusammen, bin immer am Rumwuseln“, erzählt die junggebliebene Rentnerin. Von ihrem Sohn, einem Informatiker, bekam sie Mitte der 90er Jahre ihren ersten Computer, als dieser zum Arbeiten in die USA ging. „Wir hätten sonst ja nur Briefe schreiben können, so konnten wir über E-Mails in Kontakt bleiben“, erzählt Hoffmann. Ihr Sohn Klaus-Dieter sei sowieso schon immer technikverrückt gewesen, war einer der Ersten in Holtensen, der einen PC besaß. „Wenn man sich damals im Dorf getroffen hat und über den neuesten Schachcomputer geredet wurde, konnte ich immer sagen: Der steht schon längst bei meinem Sohn zu Hause“, erinnert sich die Holtenserin. Da lag es nur nahe, dass auch die Mutter irgendwann mit Computer und Internet Bekanntschaft machte.

Während andere Damen ihres Alters also abends auf dem Sofa sitzen und Socken stricken, setzt Hannelore Hoffmann sich gegen 22 Uhr in der Ecke ihres Wohnzimmers mit Blick über Wiesen und Felder hinter ihren Computerbildschirm und trifft sich mit anderen Ü50ern zum virtuellen Plausch. Zweimal ist Hoffmann verheiratet gewesen, beide Männer starben weit vor ihrer Zeit. Doch obwohl auf ihrem Facebook-Profil ganz klar zu lesen ist: „Ich suche keinen Partner“ – jeden Abend allein vor dem Fernseher sitzen, das wäre für die Rentnerin unvorstellbar.

Als Hoffmann im Frühjahr 2001 von „feierabend.de“ erfuhr, war sie sofort begeistert. „Heute wächst man ja mit dem Computer auf, schon in der Grundschule gibt es Internet. Die meisten älteren Menschen haben aber Angst vor zu viel Technik, Angst, etwas falsch zu machen“, sagt die 76-jährige Holtenserin. Seit sie die Federführung der Regionalgruppe für das Weserbergland übernahm, verabredet Hoffmann sich sonntagmorgens auch schon mal zum „Probe-Chat“ mit neuen Mitgliedern oder schaut direkt persönlich vorbei, um Internet-Neulingen im besten Alter die Berührungsängste zu nehmen.

Die Teilnahme am sozialen Leben wird im Alter zunehmend eingeschränkt, ins Kino oder Konzert gehen viele kaum noch. Mithilfe des Internets können aber selbst diejenigen, die wegen ihres hohen Alters, aufgrund von Krankheiten oder Gebrechen kaum noch das Haus verlassen, Freunde oder sogar Partner fürs Leben finden, erklärt die „Feierabend-Botschafterin“. „Für manche eröffnet sich dadurch eine ganze Welt“, sagt Hoffmann, „das finde ich schön.“

Geholfen hat Hannelore Hoffmann schon immer gerne: 1974 gründete sie den Ortsverband Hameln des Kinderschutzbundes, arbeitete ein Jahrzehnt lang ehrenamtlich für die Hamelner Tafel. 39 Jahre lang war sie neben ihrem Beruf als Lebensmittelhändlerin Vorsitzende des DRK Holtensen, tätigt für den Ortsverein noch heute die Besuche zu besonderen Geburtstagen. Für „Holti“, so ihr Chat-Name, ist die Online-Community deshalb auch viel mehr als bloß ein virtueller Tummelplatz für Gleichgesinnte und -altrige, am liebsten lernt die Holtenserin die mittlerweile 365 Mitglieder der Regionalgruppe Hameln und Weserbergland auch persönlich kennen, knüpft Bekanntschaften und „holt die anderen Rentner vom Sofa runter“.

Alle vier Wochen veranstaltet Hoffmann in der Hamelner „Trophäe“ einen Stammtisch, gelegentlich werden auch Vorträge zu aktuellen Themen wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht gehalten. „Wir gehen auch regelmäßig gemeinsam kegeln, machen Ausflüge zum Beispiel zur Schillathöhle, Dampferfahrten auf der Weser oder Fahrten mit dem Planwagen“, so Hoffmann. Die lokalen Gruppen besuchen sich auch untereinander, Gäste von Göttingen bis Ostfriesland hat „Holti“ bereits durch die Rattenfängerstadt geführt.

Hinter ihrem Rücken, vermutet die lebenslustige Dame, hielten einige gleichaltrige Bekannte oder Nachbarn die Frau mit dem „Online-Tick“ sicher für eine Spinnerin, Hannelore Hoffmann ist derartiges Getratsche aber egal: „Ich mache das Beste aus meinem Leben und will noch lange aktiv bleiben.“

Ungemütlich wird die Seniorin eigentlich nur bei einem Thema: „Wenn abends ab 22 Uhr jemand anruft“, sagt sie, „da ist nämlich Chat-Zeit.“ Tagsüber habe für so etwas ja niemand Zeit. Sie sei zwar Rentnerin, aber „noch nicht rostig“, habe ihren Garten und den DRK Ortsverein, und die vielen Bekanntschaften natürlich, die „feierabend.de“, Facebook und Co. ihr beschert haben.

Am Abend checkt „Holti“ dann auch meistens ihren Facebook-Account, beantwortet die vielen Freundschaftsanfragen, von denen täglich mehrere bei ihr eintrudeln. Und kommentiert Beiträge, Fotos von Freunden und Bekannten und auch mal die eine oder andere Dewezet-Meldung. „Ich bin halt neugierig“, sagt Hoffmann lachend. Und macht das soziale Netzwerk mit ihrer aufgeweckten Art um ein Hamelner Original reicher.

„Holti“ ist online: Anstatt einsam auf dem Sofa zu sitzen, trift Hannelore Hoffmann aus Holtensen sich am Abend mit anderen Ü50ern zum virtuellen Plausch.

Foto: ww



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