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Auf Lehm, Tennisplätzen, im Stadion oder zu Militärmusik: Hamelns langer Weg zum Eisvergnügen

Als der Bürgergarten geflutet wurde

HAMELN. Seit Donnerstagmorgen drehen im Bürgergarten wieder Eisläufer ihre Runden – die 1000 Quadratmeter große Eisbahn wurde für die Öffentlichkeit freigegeben. Zum fünften Mal findet das Hamelner Eisvergnügen im Bürgergarten statt. Auch früher wurde in Hameln gern Schlittschuh gelaufen. Wir blicken zurück.

veröffentlicht am 01.02.2018 um 17:23 Uhr
aktualisiert am 01.02.2018 um 19:20 Uhr

1968 flutete das Garten- und Friedhofsamt einen Teil des Bürgergartens. Eislaufen ohne Kufen: Die Hamelner Jugend war dennoch begeistert, schrieb die Dewezet. Foto: Stadtarchiv Hameln
Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Ob man beim Eisvergnügen bereits von einer Tradition sprechen kann, ist Geschmackssache. Tradition hat das Schlittschuhlaufen mitten in Hameln aber dennoch: Als dort, wo sich heute der Bürgergarten befindet, noch das Stadion stand, betrieb der Roll- und Eissport-Club Hameln dort ab 1956 in den Wintermonaten eine 20 mal 40 Quadratmeter große Eisbahn – eine „halbkreisförmige Eisfläche“, „an einem Fußballtore“, wie die Dewezet damals berichtete.

Doch der Weg dorthin war zäh: Lange Jahre fehlte eine offizielle Eisfläche zum Schlittschuhlaufen in Hameln. Dewezet-Leser beschwerten sich in Leserbriefen an die Redaktion in den frühen 1950er Jahren regelmäßig über die „vergebliche Suche nach einer bescheidenen Möglichkeit, sich auf dem Eis zu betätigen“ – und erinnerten bei dieser Gelegenheit gern daran, dass in den 1920er und 1930er Jahren die Tennisplätze zwischen Sedanstraße und 164er-Ring „in jedem Winter der Tummelplatz von Jugendlichen und Erwachsenen auf Schlittschuhen“ waren.

1954 plädierte auch ein Dewezet-Redakteur in der Zeitung für die Wiedereinrichtung einer Eisbahn auf den Tennisplätzen. „In einer Stadt von über fünfzigtausend Einwohnern sollte sie eigentlich nicht fehlen.“ Die Tennisplätze hätten schließlich „in früheren Jahren, wenn sie rechtzeitig vom Schnee gereinigt und mit Wasser besprengt wurden, eine herrliche und völlig ausreichende Eisbahn“ geboten.

Im Februar 1956 fanden auf der Eisbahn im Stadion die Stadtmeisterschaften statt. Foto: dewezet-ARchiv
  • Im Februar 1956 fanden auf der Eisbahn im Stadion die Stadtmeisterschaften statt. Foto: dewezet-ARchiv
Seit gestern drehen die Schlittschuhläufer beim Eisvergnügen – noch bis zum 25. Februar – ihre Runden. Foto: dana
  • Seit gestern drehen die Schlittschuhläufer beim Eisvergnügen – noch bis zum 25. Februar – ihre Runden. Foto: dana

Der Roll- und Eissport-Club Hameln richtete schließlich im Winter 1954/55 eine Eisbahn auf den Tennisplätzen ein. Etwa fünf Wochen lang konnte dort Schlittschuh gelaufen werden. In der folgenden Saison wurde die Eisfläche dann ins Stadion verlegt. Streit gab es allerdings, da das Eislaufen wegen eines Unfalls und anschließendem Ärger mit der Versicherung im zweiten Jahr nur noch Vereinsmitgliedern gestattet wurde; Eintritt und Mitgliedsbeitrag für ein Jahr kosteten drei Mark. Dafür wurde die Eisbahn allerdings auch bei Schneefall in Betrieb gehalten. „Bei Frostwetter kann die Bahn täglich von 14 bis 20 Uhr benutzt werden“, vermeldete die Dewezet. Im Februar 1956 fanden auf der Hamelner Stadion-Eisbahn sogar die Stadtmeisterschaften im Eislaufen, Eistanz und Eisschnelllauf statt.

Eine städtische Eisbahn hatte es bereits früher gegeben, zu Beginn des Jahrhunderts. Offenbar war der Einrichtung einer Eisfläche ein Ratsbeschluss vorausgegangen. Die Schlittschuhbahn befand sich zwischen Weserwehr und Eisenbahnbrücke, wurde bewacht und, so ein Zeitungsbericht, „sogar mit Militärmusik“ beschallt. Auf viel Gegenliebe stieß die Eisbahn dennoch nicht: Offenbar wurde die Bahn mit Wasser aus der Hamel geflutet und fehlende Kühltechnik sorgte dafür, dass die Eis- meistens eine Matschfläche war.

Am 19. Januar 1912 schrieb ein Leser: „Die städtische Eisbahn ist doch noch eröffnet worden. Wenn sie auch nicht gerade schön geraten ist, so hat sich doch gewiß jeder Freund des Eissports in unserer Stadt darüber gefreut, daß ihm jetzt Gelegenheit zur Ausübung dieses gesunden Sports gegeben sein sollte. Enttäuscht mußte jedoch mancher gestern, Mittwoch, abend den Rückzug antreten. Eine ,höhere Gewalt‘ hatte die elektrische Lichtanlage zerstört. Zwar war es gestattet, die Eisbahn gegen Entgelt zu benutzen, doch war dieses in der Finsternis mit großer Gefahr verbunden, denn es ragten an nicht wenigen Stellen kleine Tonhaufen aus dem Eise hervor, über welche natürlich jeder Schlittschuhläufer fallen muß.“ Zwei Jahre später dichtete Zeitungsleser „M. P.“: „Ach, wenn der Lehm doch gäbe hier / Auch schönen festen Grund, / Dann wär‘ die Eisbahn ein Plaisier – / Und nicht stets ,Wasserschwund‘!“

Dennoch: Die städtische Eisbahn sei, so berichtete die Dewezet zu Saisonende 1914, seit ihrer Eröffnung täglich von durchschnittlich 900 und am Sonntag von mehr als 1500 Personen besucht worden.

Als das Stadion 1961 zum heutigen Bürgergarten umgebaut wurde, verlor auch Hamelns Eisbahn ihr Zuhause. In den folgenden Jahren gab es Versuche, Eisbahnen auf dem Hof der Turnhalle an der Eugen-Reintjes-Schule oder im Rückhaltebecken an der Unteren Basbergstraße zu schaffen – vergeblich. Bis 1968 die Stadt Hameln kurzen Prozess machte und einen Teil des Bürgergartens flutete: Ein Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamtes schuf mit einem Gartenschlauch eine 500 Quadratmeter große Eisfläche. „Hamelns Jugend ist begeistert!“, schrieb die Dewezet. Zum Ausruhen und zum An- und Ausziehen der Schlittschuhe stellte die Stadt zudem Bänke rings um die Eisfläche auf. Bis zum Einbruch der Dunkelheit konnte die Eisbahn im Bürgergarten täglich auf eigene Gefahr genutzt werden – einen Schlittschuhverleih allerdings gab es nicht, weshalb wohl auf unserem historischen Foto den meisten Eisläufern die Kufen fehlen.



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