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Kaum jemand hat so gute Einblicke ins Weihnachtsmarkt-Geschäft wie Lebensmittelprüfer Nils Klocke

Alles unter Kontrolle

Hameln. „Ich gehe auf den Weihnachtsmarkt“, verabschiedet sich Nils Klocke gegen 11 Uhr von seinen Kollegen. Die wissen, dass er nun ein paar Stunden lang seine Runde durch Hamelns Budenzauber dreht. Dort ist er bei den Standbetreibern gut bekannt, schließlich schaut Klocke seit acht Jahren häufig bei ihnen ins Bierglas oder den Glühweinbecher, auch in die Fritteuse, in den Kühlschrank und auf die Hände. Der Lebensmittelhygieniker von der Kreisverwaltung hat einen kritischen Blick für alles, was den Festbesuchern übel aufstoßen könnte. Und er prüft auch, ob der Kunde für sein Geld wirklich das bekommt, was ihm versprochen wird.

veröffentlicht am 13.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Nils Klocke ist in der Regel in Zivil unterwegs. „Ich versuche, die Kontrolle möglichst unauffällig vorzunehmen und das Geschäft nicht zu schädigen“, sagt er. Den weißen Kittel streift er nur über, wenn er sich einen Stand, in dem Lebensmittel verarbeitet werden, von innen anschaut. Sollte ein Betreiber dann lautstarke Diskussionen beginnen, sei das natürlich schlecht – nicht für Klocke, der die Öffentlichkeit nicht scheut, kürzlich auch einen Auftritt im Fernsehen hatte, sondern für den Unternehmer. Der Mitarbeiter des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung hat nach 14 Berufsjahren all die rechtlichen Grundlagen seines Tuns im Kopf. Und er weiß, worauf es ankommt, auf dem Weihnachtsmarkt ebenso wie in der Restaurantküche, im Fleischereibetrieb, in der Eisdiele oder in der Großbäckerei.

„Alle Beschicker haben die Spielregeln des Weihnachtsmarktes erhalten“, betont der Prüfer, „ein Merkblatt mit einfachen Sätzen und Bildern.“ Das Händewaschen sei „immer ein Thema“. Wo gekocht oder gebacken wird, muss für das Personal die Möglichkeit bestehen, die Finger mit warmem Wasser zu reinigen. Der Fachmann weiß: „Wenn es draußen frostig ist und das Wasser eiskalt aus dem Hahn kommt, hält niemand seine Hände darunter.“ Zu regelmäßig gewaschenen Händen hat Klocke übrigens größeres Vertrauen als in stundenlang getragene Plastikhandschuhe.

Die Sauberkeit von Stand und Personal sind das erste, was der Kontrolleur in den Blick nimmt – und gegebenenfalls an Ort und Stelle sanktioniert. Vor zwei Jahren hat Klocke eine Bude sofort geschlossen; nach einigen Stunden des Putzens durfte es dann eine glänzende Wiedereröffnung geben. Bis zu 55 Euro Verwarngeld werden fällig, wenn ein Mitarbeiter hinter dem Tresen einer Essensbude raucht.

Mit Nahrung aller Art und den Vorgängen bei ihrer Verarbeitung muss sich Klocke bestens auskennen. Da sei es hilfreich, dass er vor der Ausbildung zum Lebensmittelüberwacher das Bäckerhandwerk erlernt habe. So kann ihm niemand ein Gebäck aus Mandelblättchen, Persipan und Fettglasur als „Mandelhörnchen“ verkaufen. Die Lebensmittelüberwacher – vier sind es derzeit für den ganzen Landkreis, bald sollen es fünf sein – achten darauf, dass nicht mit billigen Zutaten hochwertige Produkte vorgegaukelt werden. Klocke: „Gegebenenfalls geben wir solche Fälle an die Staatsanwaltschaft ab.“ Bei Volksfesten immer wieder zu beobachten: Auf dem Aushang wird Mayonnaise angeboten, serviert wird jedoch Salat-Mayonnaise. Der Laie mag denken: „Hört sich gesund an.“ Der Fachmann verweist jedoch auf den geringeren Fettgehalt der „Salat-Mayo“ und den geringeren Einkaufspreis.

Wie lange bleibt Frittierfett frisch?

Ob der Kuchen Farbstoffe, die Salami Konservierungsmittel oder die Pilzpfanne Geschmacksverstärker enthält, muss dem Kunden ebenfalls deutlich dargestellt werden, damit er es bei der Kaufentscheidung berücksichtigen kann. Schwierig ist es für Pommes-Frites- oder Poffertjes-Fans zu überblicken, ob das Frittierfett frisch genug ist. Klocke hat auf dem laufenden Weihnachtsmarkt – in einer konzertierten Aktion mit Kollegen in anderen niedersächsischen Landkreisen – zehn Proben genommen, die nun in einem zentralen Labor ausgewertet werden. Beim Kartoffelfrittieren ist das Fett nach Erfahrung Klockes nach ein bis zwei Tagen nicht mehr zu gebrauchen, bei panierten Produkten müsse der Austausch in der Regel täglich erfolgen. Oft genüge ein Schnuppern, um Mängel zu erkennen. Und ein geeichtes Thermometer: „Frittierfett darf nicht über 175 Grad Celsius heiß sein, weil sich sonst gesundheitsschädliches Acrylamid bildet“, erklärt Klocke. „Und beim Glühwein sind es 78 Grad, denn sonst verkocht der Alkohol.“ Laut Vorschrift muss Glühwein einen Alkoholgehalt von 7 bis 14 Prozent haben – alles andere dürfte nicht unter diesem Namen verkauft werden. Klocke hat in diesem Bereich Proben ebenfalls gezogen; dabei geht es auch um die Inhaltstoffe. Das Untersuchungsergebnis steht aus, aber der Experte beruhigt: „Seit 2006 wurden keine Panschereien festgestellt.“ Die Kosten der Untersuchung tragen die Beschicker, ein Bußgeld werden sie wohl nicht auch noch riskieren.

Diese abschreckende Wirkung seiner Touren über den Weihnachtsmarkt ist laut Klocke hoch anzusetzen. Die Situation habe sich kontinuierlich verbessert. In der übrigen Zeit des Jahres besucht Klocke rund 450 Betriebe in Hameln und Umgebung. Wenn er dort Küchenschaben, Mäusekot, verdorbenes Fleisch oder nicht mehr genießbare Pilze entdeckt, verlangt er Gegenmaßnahmen – und bleibt am Ball, bis die Mängel beseitigt sind. Grundsätzlich lasse sich sagen: „Es gibt saubere Betriebe in großer Zahl. In Großbetrieben läuft es oft besser als in kleinen. Und selbst dort, wo der Chef im Tagesgeschäft mitarbeitet, gibt es Beanstandungen.“

Der Blick in den Kühlschrank verrät dem Prüfer, ob die Lebensmittel in Ordnung sind, woher sie kommen – und ob die Angaben für die Kunden korrekt sind.



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