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Im ehemaligen Treffpunkt werden künftig Kinder sozialpädagogisch betreut

Alles neu im Pipers Club

Hameln. Nach dem Abzug der Briten stehen nicht nur viele Wohnungen leer. Auch der ehemalige Treffpunkt der Briten – der Pipers Club – ist ungenutzt. Doch seit einiger Zeit wird hier wieder fleißig renoviert. Es soll eine Einrichtung zur Betreuung von Kindern entstehen, die in einer schweren Lebenssituation stecken.

veröffentlicht am 20.12.2015 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite
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Hameln. Noch ist der Schriftzug „Pipers Club“ an der Hauswand zu lesen, doch die Begegnungsstätte für Angehörige der britischen Armee ist mit dem Abzug der Soldaten aus Hameln endgültig Geschichte. Für Passanten ist deutlich sichtbar, dass sich an der Süntelstraße ein Wandel vollzieht: Auf dem insgesamt 2000 Quadratmeter großen Grundstück wird eifrig gearbeitet, der Zugang ist mittlerweile barrierefrei und auch das Innenleben des früheren Pipers Club ist grunderneuert.

Wo sich noch vor nicht allzu langer Zeit britische Soldaten mit Originalwaren von der „Insel“ – wie Souvenirs, Postkarten oder spezielle Tees – im angegliederten Shop eingedeckt haben, werden schon bald Kinder und Familien, die aus verschiedenen Gründe Hilfe nötig haben, Unterstützung finden. Unter dem Dach des Hauses an der Süntelstraße ist „K+X“, Gesellschaft für Soziale Arbeit, eingezogen.

Ziel der Einrichtung, die eng mit dem Jugendamt zusammenarbeitet, ist es, Kinder, Jugendliche, Familien und junge Menschen in problematischen Lebens- oder Krisensituationen oder bei Erziehungs- und Entwicklungsschwierigkeiten zu begleiten und zu helfen. Der Bedarf ist offenbar groß: „Wir haben eine Warteliste“, sagt Sylwia Geier, seit 2013 alleinige Inhaberin des Unternehmens, das es bereits seit zehn Jahren gibt.

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Unsere Gesellschaft habe sich verändert, die Situation in vielen Familien heute eine andere als vor wenigen Jahrzehnten, meint die Sozialpädagogin. „Was Kindern heute fehlt, sind Bezugspersonen.“ Die 49-Jährige, selbst Mutter, weiß aus ihrer Praxis, dass in den vergangenen Jahren psychische Erkrankungen von Eltern zugenommen haben, oft seien sogar beide Elternteile betroffen. „Die Kinder leiden darunter“, so Geier. Arbeitszeiten, zunehmender Druck, der Zwang, selbst im Urlaub das Handy nicht abschalten zu können oder zu wollen – all das könne Familien stark belasten. Folge: „In der Frühförderung hatten wir früher nur Kinder, die von Geburt an oder krankheitsbedingt behindert waren. Heute besteht die eine Hälfte der Gruppe aus Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten.“ Aus dem Kindergarten suspendiert zu werden – das habe es früher nicht gegeben, heute durchaus. Vielleicht seien die Probleme darin begründet, „dass die Kinder heute andere Möglichkeiten haben und, statt sich zu bewegen, am Computer sitzen“, mutmaßt Geier. „Sie haben viele Freunde – aber nur im Netz.“

Wenn die Eltern mitarbeiten würden, seien gute Erfolge zu erzielen. In den neuen Räumen an der Süntelstraße führt die Sozialpädagogin ihr Angebot von zwei verschiedenen Standorten an einem neuen zusammen. „Ich habe lange nach einem geeigneten Haus gesucht“, so Geier. Die Büros der ambulanten Hilfe waren bislang an der Bäckerstraße untergebracht, die Tagesgruppe in Klein Berkel am Schwarzen Weg. Auf 400 Quadratmetern und zwei Etagen ist nun an der Süntelstraße ausreichend Platz für ihre Angebote, darunter eine heilpädagogisch-therapeutische Tagesgruppe. Hier werden Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren aufgenommen, die im sozialen, persönlichen und schulischen Bereich eine zusätzliche pädagogische Unterstützung und Betreuung benötigen. Etwa 30 Mitarbeiter, davon 26 im pädagogischen Bereich, sind bei K+X beschäftigt. Neben Frühförderung und Tagesgruppe bieten sie auch eine sozialpädagogische Migrationsfamilienhilfe – vorwiegend für polnische, russische und türkische Familien – beispielsweise im Kontakt mit Ämtern an, nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“, auch in ihrer Heimatsprache. Auf Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes werden außerdem sozialpädagogische Familienhilfe, sozialpädagogische Einzelbetreuung, Erziehungsbeistand und Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche geleistet.

Die Renovierungsarbeiten sind fast abgeschlossen. „Spätestens ab Februar“, so die Sozialpädagogin, kann die Arbeit mit den Familien, Kindern und Jugendlichen starten.

Innen ist nichts mehr so, wie es war. Die Räume sind fast fertig, im nächsten Jahr will die Sozialpädagogin dort mit der Arbeit starten.Dana

An der Süntelstraße wird eifrig renoviert: Sylwia Geier zieht mit ihrer „K+X“ Gesellschaft für Soziale Arbeit in den ehemaligen Pipers Club.Dana



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