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Barbara Rudnik und Gabriele Kretschmer sind frisch gebackene Krankenpflegerinnen

Alles auf Anfang: Neustart im Job mit 50 Jahren

Hameln. Na klar, mit 50 da denkt man schon mal über Altersteilzeit nach. Und wenn der Job sogar verloren ist, hört wohl jeder in diesem Alter: Das wird doch nichts mehr. Und ein Neuanfang kommt ja sowieso nicht infrage. Oder etwa doch? Barbara Rudnik aus Klein Berkel und Gabriele Kretschmer aus Hameln haben bewiesen, dass es möglich ist. Beide erhielten jetzt nach einer zwölfmonatigen Ausbildung im Rahmen einer kleinen Feierstunde ihre Urkunde in der Impuls GmbH als staatlich anerkannte Krankenpflegehelferinnen.

veröffentlicht am 06.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Heiko Gropp
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Krankheit machte Pläne zunichte

Vor 50 Jahren wurde Gabriele Kretschmer in Gelsenkirchen geboren und lebt, verheiratet mit Ehemann Klaus, seit 1978 in Hameln. Kinder haben beide nicht. 33 Jahre war Gabriele als Fleischereifachverkäuferin tätig, bis sie vor drei Jahren aus betrieblichen Gründen ihren Arbeitsplatz verlor. Nun hatte sie Zeit für ihren Mann, freute sich auch ein bisschen, doch die Erfüllung wurde es nicht: Eine Krankheit mit leichten Lähmungserscheinungen und Schwierigkeiten beim Sehen durchkreuzte dann aber alle Pläne. „Mein Mann stand zu mir und half mir. Ihm verdanke ich mein Leben,“ sagt sie. Der wiegelt vorsichtig ab: „Na ja, ich tat mein Bestes. Gabriele ist eben ein Kämpfertyp.“

Ein Kämpfertyp ist Gabriele Kretschmer offenbar tatsächlich. Kaum hatte sie ihre Krankheit überwunden, nahm sie Verbindung mit dem Jobcenter auf, denn mit 48 wollte sie nicht ohne Arbeit sein. Vorgeschlagen wurde ihr dort, doch einmal versuchsweise bei der Firma Impuls einen Trainingskurs für Altenpflege zu absolvieren. Sie nahm an und fand Gefallen daran. Nach der „Altenpflegehelferin“ machte sie dort den nächsten Ausbildungsabschnitt und erreichte mit Erfolg den Abschluss als Krankenpflegerin. „Ich wollte mit Menschen in meinem weiteren Berufsleben zu tun haben,“ sagt sie. Und: „vielleicht kann ich da die mir während meiner Krankheit gegebene Hilfe etwas zurückgeben.“ Jetzt sucht Gabriele Kretschmer einen Arbeitsplatz. Bewerbungen sind raus und sie ist zuversichtlich, dass es klappt. Ähnlich optimistisch geht ihre Freundin Barbara Rudnik an die Jobsuche, die Gabriele Kretschmer während der Ausbildung kennen und schätzen gelernt hat.

Barbara kommt aus Polen, 30 Kilometer östlich von Frankfurt/Oder. Sie lebt mit ihren drei Kindern und Ehemann Zbigniew in Klein Berkel. 1991 kam die gelernte Technikerin für Agrarprodukte nach Hameln. Durch die Erziehung ihrer Kinder verlor sie aber den Anschluss an den erlernten Beruf. Arbeiten wollte sie trotzdem. Vor fünf Jahren nahm sie einen Minijob an, das war ihr aber nicht genug. Auch sie wandte sich an das Jobcenter, doch egal, was ihr vorgeschlagen wurde, es wollte einfach nicht klappen. „Ich hätte da jede Arbeit angenommen,“ versichert sie. Dann wurde ihr die Ausbildung zur Altenpflegehelferin vorgeschlagen. „Da habe ich nur gedacht: Oh Gott, ob das wohl gut geht?“ Aber es ging gut, nicht zuletzt wegen Freundin Gabriele.

Prüfungsangst? Verkraftbar

Sicherlich sei es nicht leicht gewesen und vor allen Dingen ungewohnt, in ihrem Alter nochmals die „Schulbank zu drücken“, erzählen die beiden staatlich anerkannten Krankenpflegerinnen im Rückblick. Und die Prüfungsangst? Nun ja, ein bisschen schon, aber verkraftbar. Aber schon während der Ausbildung hätten sie sich beide geschworen: Wir schaffen das und wir wollen es, auch wenn der eine oder die andere wohl ob des Mutes der beiden Damen nur den Kopf geschüttelt habe.

Zweifel, die auch Ehemann Klaus Kretschmer zunächst nicht fremd waren: „Ich habe meine Gabriele am Anfang ihrer Ausbildung für verrückt erklärt, in dem Alter noch einmal neu anzufangen“, gibt er zu, „Und das dann auch noch nach ihrer schweren Krankheit.“ Inzwischen hat sich das Blatt für ihn jedoch komplett gewendet: „Ich bin unheimlich stolz auf sie. Sie und Barbara haben bewiesen, auch im Alter von 50 ist man nicht zu alt zum Lernen.“

Zwei Freundinnen, die nie aufgegeben haben: Barbara Rudnik (li.) und Gabriele Kretschmer.

Foto: gro



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