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Bund legt Wohnprojekt Steine in den Weg

Alles auf Anfang im Englischen Viertel?

HAMELN. In der Nordstadt, wo bis vor zwei Jahren britische Soldaten gewohnt haben, soll mit dem Englischen Viertel ein Multi-Kulti-Wohnprojekt entstehen. Leider stockt dieses – weil der Bund dem Landkreis Steine in den Weg legt, sodass dieser die Häuser nicht einfach an Hamelner Familien vermieten kann.

veröffentlicht am 27.05.2016 um 17:02 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:16 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Petra Broistedt ist sauer. Noch im April hatte die Kreisrätin ausdrücklich widersprochen, als Kritik an dem von Landkreis Hameln-Pyrmont und Stadt Hameln geplanten Stadtteilprojekt Englisches Viertel aufkam: In 61 Reihenhäusern und Doppelhaushälften am Haydn-, Schwind- und Ludwig-Richter-Weg sollte ein Wohnviertel entstehen, in dem Flüchtlings- und Hamelner Familien Tür an Tür leben sollten. Ein buntes Miteinander aus Familien unterschiedlicher Altersgruppen, Ethnien und Religionen, aus alleinerziehenden Eltern, Studenten und Auszubildenden. Auch die Verteilung stand bereits fest: 19 der Häuser im Englischen Viertel sollten an einheimische Familien, Studenten und Auszubildende vermieten werden, in 37 Häusern sollten Flüchtlinge untergebracht werden, in eines sollte ein Hausmeister einziehen und in den übrigen vier Häusern sollten Gemeinschaftsräume entstehen: ein „Weltcafé“, eine Tagespflege für Kinder …

Bei einem ersten Informationsabend im Dezember hatte sich der Landkreis optimistisch gezeigt, alle Häuser bis April vermieten zu können. Als viele Familien aus Hameln und Umgebung, die sich für Häuser im Englischen Viertel beworben hatten, bis April allerdings noch immer keine Rückmeldung erhalten hatten, kam die Vermutung auf, dass das geplante Multi-Kulti-Quartier in der Nordstadt gar nicht so „bunt“ werde wie ursprünglich beworben. Denn: Viele Flüchtlingsfamilien wohnten bereits im Englischen Viertel – sonst allerdings niemand.

Das Problem, erkläre Broistedt im April: „Die Mietkonditionen für Flüchtlingsfamilien sind mit der Bima klar geregelt.“ Für die Unterbringung von Flüchtlingen auf sogenannten Bundesliegenschaften – und die ehemaligen Britenhäuser, die noch immer im Besitz des Bundes sind, zählen dazu – müssen Kommunen keine Miete zahlen. Die Flüchtlingsfamilien konnten also schnell und unbürokratisch im Englischen Viertel Quartier beziehen. 16 Flüchtlingsfamilien wohnen dort inzwischen.

Anders sehe es bei den Mietkonditionen für alle übrigen Mieter aus. Über diese verhandele der Landkreis bereits seit Monaten mit der Bima, ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Obwohl das Interesse am Englischen Viertel sehr groß sei – es gebe inzwischen mehr als 100 Interessenten, viele von ihnen seien Studenten –, sind deshalb bislang nur zwei der Häuser von einheimischen Familien bewohnt.

In den letzten Gesprächen, berichtet Broistedt nun, habe die Bima im Grunde alles wieder auf Anfang gesetzt: Die Bundesanstalt, sagt sie, wolle nun, anders als in früheren Gesprächen vereinbart, die Miete direkt von den Mietern kassieren, ohne den Umweg über den Landkreis. Dennoch solle der Landkreis für die Unterhaltung der Häuser aufkommen. „Das machen wir so natürlich nicht mit“, sagt Broistedt – üblicherweise finanzieren sich die Unterhaltungskosten für Miethäuser nämlich aus dem Mietzins, der wegfällt, wenn der Landkreis die Miete gar nicht einnimmt.

Noch jedoch gebe es keinen Grund, das Stadtteilprojekt Englisches Viertel abzuschreiben. „Wir verhandeln weiter“, sagt Broistedt. Der Landkreis könne sich beispielsweise vorstellen, die Bima direkt als Vermieter einzusetzen – dann müsse diese sich auch um die Unterhaltung der Häuser kümmern.

Eines jedenfalls steht für Broistedt fest: Das Englische Viertel bleibt „bunt“. „Es wird am Konzept keine Abstriche geben – dahinter stehen wir.“

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