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Wie Behörden und Firmen die Schweinegrippe im Zaum halten wollen / Nicht überall Notfallpläne

Alle setzen auf Information und Desinfektion

Hameln-Pyrmont (ni). Sie empfehlen ihren Mitarbeitern, den warmen Händedruck durch ein freundliches Lächeln zu ersetzen und informieren das Personal über die Hygiene-Vorschriften des Robert-Koch-Instituts. Sie verteilen Hände-Desinfektionsmittel an die Belegschaft, organisieren Impftermine und haben Pläne für den Ernstfall in der Schublade: Die Schweinegrippe ist ein Thema, an dem Behörden und Unternehmen in Hameln nicht vorbeigehen. Mit unterschiedlicher Intensität wappnen sie sich für den Fall, dass der H1N1-Virus ganze Büro-Etagen leerfegt oder die Produktion bedroht.

veröffentlicht am 06.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 02:21 Uhr

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Mit rund 40 registrierten Neuerkrankungen pro Tag breitet sich die Schweinegrippe seit dem vorigen Wochenende deutlich schneller aus als in den Sommermonaten. 237 Fälle meldete das Gesundheitsamt des Landkreises gestern. Sollte sich die Welle zu der von vielen Experten befürchteten Pandemie auswachsen, könnten laut Robert-Koch-Institut bis zu 30 Prozent aller Beschäftigten erkranken.

Im Hamelner Rathaus macht man sich noch keinen Kopf darüber, wie die Stadt dann verwaltet werden kann. Die innere Organisation werde dann eben so gehandhabt wie bei Streiks, bei denen ja auch oft ein Großteil der Personals nicht am Platz sitze. Vorsorgemaßnahmen wie die Ausstattung der Toilettenräume mit Hände-Desinfektionsmitteln wurden bereits im Sommer getroffen. Mit aktuellen Empfehlungen zum Schutz vor einer Ansteckung werden die Mitarbeiter über das Intranet versorgt. Impftermine beim Gesundheitsamt organisiert die Stadtverwaltung nur für die Beschäftigten von Feuerwehr und Rettungsdienst. Auch in der Kreisverwaltung existiert kein Notfallplan. Allerdings können sich alle Kreis-Mitarbeiter im Gesundheitsamt gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Bislang haben nur 29 Beschäftigte von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Die Postbank hat für ihre Tochterunternehmen – also auch für das BHW in Hameln – unterschiedliche Szenarien entwickelt, wie das Geschäft je nach Krankenstand am Laufen gehalten werden kann. „Alle Mitarbeiter wurden von ihren Vorgesetzten sensibilisiert, wie sie sich verhalten sollen, damit eine gegenseitige Ansteckung möglichst ausbleibt“, so Firmensprecher Hartmut Schlegel. Eine Info über impfende Ärzte in der Nähe soll in den nächsten Tagen rausgehen.

Im Jobcenter Hameln-Pyrmont steht auf jedem Schreibtisch ein Desinfektionsspray („für die Türklinken“); für die Hände liegt eine Packung Desinfektionstücher daneben. Die Mitarbeiter-Toilette, die nur mit einem Kaltwasseranschluss am Handwaschbecken ausgestattet war, hat einen Boiler erhalten – fürs gründliche Händewaschen mit warmem Wasser. Sollte der Krankenstand trotzdem in die Höhe schnellen, „werden interne Verschiebungen und Umstrukturierungen vorgenommen“, so Sprecher Michael Stolpe.

Die Pläne sehen vor, dass die Besetzung der Eingangszone gesichert ist, „damit unsere Kunden einen Ansprechpartner haben“, ebenso die Leistungsabteilung, „damit unsere Kunden ihr Geld erhalten“. Jobcenter und Arbeitsagentur bieten ihren Mitarbeitern in der kommenden Woche eine Schutzimpfung an. Von den rund 1100 Beschäftigten im Kreiskrankenhaus ließen sich bereits 85 von Betriebsarzt Dr. Heinz Seidel gegen die Schweinegrippe immunisieren. Die Beobachtung des Mediziners: „Mit zunehmender Erkenntnis über die gute Verträglichkeit der Impfung ist die Impfbereitschaft sprunghaft gestiegen.“

Die „Hameln Group“ hat sich mit einem hausinternen Pandemie-Plan auf den Fall der Fälle vorbereitet. Als Hersteller von Arzneimitteln, die vorzugsweise in Krankenhäusern und in der Intensivmedizin eingesetzt werden, kommt dem Unternehmen eine besondere Rolle im Gesundheitswesen zu. Krankheitsbedingte Ausfälle könnten die Produktion gefährden und zu Engpässen auf dem Markt führen. Sie sollen darum möglichst vermieden werden, so Unternehmenssprecherin Eva Banholzer. Unter anderem können PC-Arbeitsplätze im Ernstfall von heute auf morgen in Heimarbeitsplätze umgewandelt werden. Seit Ende Oktober, als die beiden ersten bestätigten Schweinegrippe-Fälle im familiären Umkreis zweier Mitarbeiter vorlagen, werden Besprechungen fast nur noch am Telefon abgewickelt. Meetings sind stark eingeschränkt, die dabei angebotenen Kekse jetzt einzeln verpackt. Erkrankungen von Familienangehörigen werden umgehend dem Krisenstab im Unternehmen gemeldet; er entscheidet, ob der betroffene Mitarbeiter vorsichtshalber zu Hause bleiben soll. In den nächsten Tagen bietet der Betriebsarzt den ersten Impftermin im Hause an. „Über 100 Mitarbeiter haben sich dafür schon vormerken lassen“, sagt Eva Banholzer. Doch für alle reiche der Impfstoff nicht. „Wir werden sortieren müssen.“ Mitarbeiter aus der Produktion stünden ganz oben auf der Liste. Erst danach kämen die Kollegen aus den Büros einschließlich der Geschäftsführung an die Reihe.

Der derzeit zur Verfügung stehende Impfstoff reicht offenbar bei weitem nicht aus, um die Bestellungen von niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten bedienen zu können. Drei Hamelner Apotheken sind für die Verteilung des Medikamentes zuständig. Ob Raths-, Brücken- oder Basberg-Apotheke – keiner verdient auch nur einen Cent an den begehrten Ampullen. Alle erhalten die gleichen Kontingente und geben den Mangel an die Ärzte weiter. „Jeder kriegt ein bisschen was“, erklärt Ulrike Berz das Prinzip, nachdem die Nachfrage gegenwärtig etwa zur Hälfte bedient werden könne. Nächste Woche erwartet die Eigentümerin der Raths-Apotheke eine neue Lieferung, „aber eine definitive Zusage, wann Nachschub kommt und wie viel, habe ich bisher nicht“.

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