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Handwerk klagt über drastischen Mangel an Nachwuchs / Nicht eine einzige Freisprechung bei Fleischern

Alarmierende Zahlen

HAMELN-PYRMONT. Laut Kreishandwerkerschaft sind 55,4 Prozent der Betriebsinhaber von Handwerksunternehmen über 50 Jahre alt und werden auf absehbare Zeit vor der Entscheidung stehen, für ihren Betrieb eine Nachfolgeregelung zu finden. Die Chancen sind also da, allein: Sie werden von jungen Menschen oft nicht ergriffen.

veröffentlicht am 13.11.2017 um 16:42 Uhr
aktualisiert am 13.11.2017 um 17:30 Uhr

Bäckereien, Friseursalons und die Gastronomie sind vom Nachwuchsmangel besonders betroffen. Foto: dpa
Jens Meyer

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Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite
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Und wo es an jungen Menschen mangelt, fehlt es irgendwann auch am Fachpersonal. Zum Beispiel im Metallhandwerk: Nicht weniger als drei Schlossereien haben im Landkreis Hameln-Pyrmont schließen müssen, weil kein Nachfolger in Sicht war. „Es ist eine Misere. Wir finden kaum noch junge Menschen, die sich im Kfz-Handwerk ausbilden lassen möchten“, sagt Frank Danger, Geschäftsführer der Danger Fahrzeugtechnik. Zurzeit bildet das Hamelner Unternehmen von der Kuhlmannstraße auch nicht aus. Und Danger führt weiter aus: „Selbst Fachkräfte sind rar gesät. Da kommt was auf uns zu, nicht auf uns allein, sondern aufs Handwerk insgesamt!“

Dangers Pessimismus kann Ulrich Wichmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont, in Teilen direkt nachvollziehen. „Viele Branchen leiden unter dem Nachwuchsmangel. Es gibt Betriebe im Landkreis Hameln-Pyrmont, die gerne ausbilden würden, die aber auf so gut wie keinerlei Interesse stoßen.“

Besonders betroffen seien die Bäckereien und das Fleischerhandwerk, außerdem leide die Friseur-Innung immens. In Zahlen sieht das so aus: Im Jahre 2007 bildeten die in der Friseur-Innung Hameln-Pyrmont organisierten Betriebe 52 junge Menschen aus, in diesem Jahr wurden gerade noch 15 zu Gesellen freigesprochen. Und wie sieht es bei den Fleischern aus? In diesem Jahr kein Einziger! „Das sind alarmierende Zahlen.

Bäckereien, Friseursalons und die Gastronomie sind vom Nachwuchsmangel besonders betroffen. Foto: dpa
  • Bäckereien, Friseursalons und die Gastronomie sind vom Nachwuchsmangel besonders betroffen. Foto: dpa
Bäckereien, Friseursalons und die Gastronomie sind vom Nachwuchsmangel besonders betroffen. Foto: dpa
  • Bäckereien, Friseursalons und die Gastronomie sind vom Nachwuchsmangel besonders betroffen. Foto: dpa

Zahlen, deren Gründe zu suchen eine tiefer gehende Betrachtung lohnt. Denn man müsse, so Wichmann, „leider auch feststellen, dass in der Berufsorientierung zu wenig das Handwerk bedacht und empfohlen wird“.

Dass die Lobby vieler Handwerksberufe schlecht sei, auch daran mangele es. Dabei seien die Ansprüche an künftige Auszubildende deutlich gestiegen, viele Berufe aufgewertet worden. Nur leider, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, sind diese gestiegenen Anforderungen oftmals nicht mit den tatsächlichen Leistungen einzelner in Einklang zu bringen. „Die Zukunft verlangt viel von der künftigen Fachkraft in den Handwerksberufen, Stichwort Digitalisierung und Smart Home“, sagt Ulrich Wichmann.

Aber sicherlich müsse man auch eingestehen, dass vielen Schülern heute die tatsächlichen Inhalte der handwerklichen Tätigkeiten gar nicht mehr bekannt sind. Hier müsse für mehr Transparenz und Aufklärung gesorgt werden, sowohl seitens der Schulen als auch seitens der Innungen und Betriebe.

Sicher weiß noch jeder, was der Friseur oder der Kfz-Mecha(tro)niker macht, „aber wer hat denn schon wirklich einmal einem Zahntechniker, Hörgeräteakustiker oder Schornsteinfeger über die Schulter geschaut?“

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