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Ein Unfall – und raus?

ADAC kündigt Kfz-Versicherung nach Schadensmeldung

HAMELN. Nach einem Unfall mit seiner „Ente“ hat Karl-Friedrich Schmidt seine Oldtimerversicherung beim ADAC verloren. Der Anbieter ist dabei im Recht: Versicherungen können nach Regulierung eines Schadensfalls den Vertrag kündigen – Versicherte aber auch.

veröffentlicht am 29.06.2017 um 15:33 Uhr

Die Reparatur der „Ente“ Baujahr 1980 ist sehr aufwendig und teuer. Die Originalteile müssen aus Frankreich bestellt werden. Foto: Dana
Michael Zimmermann

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Für genau so einen Fall hatte Karl-Friedrich Schmidt die Oldtimer-Versicherung beim Allgemeinen Deutschen Automobil Club (ADAC) abgeschlossen: Beim Linksabbiegen schätzte er den Gegenverkehr falsch ein und stieß mit seinem Citroen 2CV6 frontal mit einem anderen Auto zusammen. Zur Silberhochzeit hatten er und seine Frau sich 2011 die „Ente“ Baujahr 1980 geschenkt – als Erinnerung an die Jugendjahre. Viel Zeit hätten sie in die liebevolle Restaurierung des Wagens gesteckt, und diesen entsprechend teuer versichert. Fast sieben Jahre lang sei er mit dem Schmuckstück ohne Unfall gefahren. Trotzdem habe der ADAC nach dem ersten Schadensfall in der vergangenen Woche die Unfallversicherung sofort gekündigt und auch nicht mit sich reden lassen. „Da war ich platt. So ein Verhalten ist ungewöhnlich.“

Mehr als 20 Jahre lang sei er Mitglied im ADAC gewesen, erzählt Schmidt. Und mehrere Fahrzeuge in der Familie habe er dort versichert. Nachdem ihm vor zwei jahren aufgrund einiger Pannen und eines Unfalls der „Gold-Card“-Schutzbrief gekündigt worden sei, trat er in einen anderen Automobilverein ein. Die ADAC-Oldtimer-Versicherung behielt er. Schmidt sieht die Hauptaufgabe des Automobilclubs infrage gestellt: für die Gemeinschaft aller Autofahrer einzutreten. Er habe den Eindruck, man habe hier einen unliebsamen Kunden loswerden wollen.

Grundsätzlich sei es nicht üblich, dass die ADAC-AutoVersicherung nach dem Eintritt eines Schadens ihr Kündigungsrecht Gebrauch nutzt, bestätigt eine Sprecherin des Unternehmens. „Der Grund für die Kündigung in diesem Fall liegt darin, dass es sich bei der ‚ClassicCar‘ um eine Exklusivversicherung für ADAC-Mitglieder handelt.“ Der ADAC biete derzeit seine Autoversicherungen ausschließlich für Mitglieder an. Nach dem Schadensfall oder bei einem Fahrzeugwechsel werde immer geprüft, ob der Versicherte noch Mitglied ist. Da Schmidt aber 2015 ausgetreten war, habe die Versicherung – nach Regulierung des Schadens – von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht.

„Im Kfz-Versicherungsbereich ist eine Kündigung nach nur einem Schadenfall eher die Ausnahme, rechtlich jedoch möglich“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Grundsätzlich gilt: Sowohl Versicherer als auch der Versicherungsnehmer seien nach Paragraf 92 des Versicherungsvertragsgesetzes berechtigt, den Vertrag nach einem Versicherungsfall zu kündigen. „Auch ohne Schadenfall können beide Parteien den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten zum Ablauf des Versicherungsjahres kündigen.“ Wehren könne sich der Verbraucher gegen derartiges Verhalten des Versicherers nicht. Daher rät der Verein, Versicherungen nur in Anspruch nehmen, wenn es finanziell schwerfällt, den Schaden durch eigene finanzielle Mittel auszugleichen. „So lassen sich meist Kündigungen vonseiten der Versicherer vermeiden. Nicht, dass man im schlimmsten Fall bei existenziellen Versicherungen ohne den nötigen Schutz dasteht.“ Denn auch der neue Versicherer möchte wissen, ob man schon einen Schadensfall hatte und daraufhin vom Versicherer gekündigt wurde. „Das senkt die Chancen auf einen neuen Abschluss.“ Auch erfolglose Anträge bei anderen Anbietern würden häufig abgefragt. „Man sollte eventuell mehreren Gesellschaften gleichzeitig anfragen.“ Keine Probleme gebe es bei Haftpflichtversicherungen: Hier müsse der Versicherungsschutz gewährt werden.

Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen rät auch, den Monat zwischen der Kündigung und deren Inkrafttreten nicht ungenutzt verstreichen zu lassen: „Es sieht immer besser aus, wenn man sich mit dem alten Versicherer einigen kann.“ Eine höhere Selbstbeteiligung, ein neuer Tarif oder ein höherer Beitrag, aber auch eine Umkehr der Kündigung, seien oft verhandelbar. Wichtig: Die Versicherungen ließen zwar häufig mit sich über einen Kompromiss reden – seien aber nicht zu einem Entgegenkommen verpflichtet.

Inzwischen hat Karl-Friedrich Schmidt einen neuen Versicherungsanbieter gefunden. Dieser habe ihm versprochen, dass die Versicherung nicht gleich beim ersten Schaden gekündigt wird. „Wobei ich am liebsten erst gar keinen Schaden mehr hätte.“

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