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Flüchtlinge stehen Schlange – finanzielles Defizit droht

ACKH sucht dringend Helfer und bittet um Spenden

HAMELN. „Mit unserer Willkommenskultur hat es gut geklappt“, resümiert Heinrich Kasting von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hameln (ACKH). „Jetzt müssen wir uns verstärkt um Integration kümmern.“ Dazu sucht die ACKH neue ehrenamtliche Mitstreiter und bittet um mehr Spenden.

veröffentlicht am 31.07.2016 um 20:18 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:47 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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„Die Flüchtlinge stehen Schlange bei uns, um sich bei den verschiedensten Aufgaben von uns begleiten zu lassen. Aber uns fehlen ehrenamtliche Helfer.“ Heinrich Kasting, dem ehemaligen Pastor der Martin-Luther-Kirche, der sich seit gut zwei Jahren gemeinsam mit vielen anderen Menschen in der Flüchtlingshilfe der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hameln (ACKH) engagiert hat, sucht dringend weitere Mitstreiter, die „sich uns anzuschließen, um Flüchtlinge bei ihrem schwierigen Weg durch die Behörden und Ämter zu begleiten“.

Am Anfang der Arbeit der ACKH habe der Wunsch gestanden, in Hameln eine Art Willkommenskultur zu etablieren, berichtet Kasting, der früher auch einmal stellvertretenden Superintendent war. Noch vor Beginn der großen Flüchtlingswelle habe die ACKH die Absicht gehabt, ein Haus zur Unterbringung von Flüchtlingen einzurichten. Davon sei man dann schnell wieder abgekommen und habe im Jahr 2015 zunächst sechs Sprachkurse angeboten. Die Nachfrage für diese Kurse sei inzwischen bei der Arbeitsgemeinschaft deutlich zurückgegangen, weil andere professionelle Anbieter auf den Markt gedrängt seien, schildert Kasting die Entwicklung. Stattdessen sei die Nachfrage nach direkter Begleitung deutlich gestiegen. „Das schaffen wir mit den sich uns zur Verfügung stellenden ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht mehr“, sagt Kasting.

Wolfgang Nowotny, pensionierter Lehrer der Handelslehranstalt, schildert ganz konkret, um was es beispielsweise gehen könne. „Mit meiner Frau betreue ich eine vierköpfige Familie aus dem Libanon, in der der Vater zwar Englisch spricht, aber noch kaum Deutsch. Da ging es zu Beginn der Ferien darum, die beiden Kinder der Familie auf eine Freizeit zu schicken und sie mit den dafür erforderlichen Materialien zu versorgen.“ Den Packzettel, der dazu vom Veranstalter übergeben wurde, hätten die Eltern niemals alleine abarbeiten können. „Das haben wir dann für die Familie gemacht, wie wir auch die Fahrt zum Ort der Abreise erledigt haben.“

Unter den vielen Projekten, die von der ACKH entwickelt wurden, stechen vielleicht die Fahrradwerkstatt und das Projekt „ACKH on tour“ ein wenig heraus. Fast 200 Fahrräder sind von der Werkstatt, in der auch Flüchtlinge mithelfen, inzwischen – so weit erforderlich – verkehrstauglich gemacht und Flüchtlingen zur Verbesserung ihrer Mobilität innerhalb Hamelns übergeben worden. „Zu Jahresbeginn gingen uns die Räder aus“, berichtet Kasting. „Ein Artikel in der Dewezet sorgte noch am Tag des Erscheinens dafür, dass wir mit Anrufen überschwemmt und uns viele Räder überreicht wurden.“

„ACKH on tour“ ist von Nowotny selbst entwickelt worden. „Mit rund 40 Flüchtlingen haben wir zum Beispiel das Hamelner Museum besucht und mit Dolmetschern erklärt, was es da zu besichtigen gab.“ Über 100 Flüchtlinge seien mit im Wisentgehege in Springe gewesen und hätten die Greifenschau bewundert, auch auf dem Finkenborn sei eine große Gruppe gewesen. „Es reicht eben nicht, die Menschen nur mit Essen und Trinken zu versorgen, sie sollen auch unser Land kennenlernen“, sagt Nowotny.

Pastoralreferent Hans-Georg Spangenberger wünscht sich Paten vor allem bei der Suche nach geeigneten Jobs, bei Behördengängen und um Kontakte zu anderen Deutschen herzustellen. Er denkt dabei an die Vermittlung an Sportvereine, an die Pfadfinder oder auch die Jugendfeuerwehr. „Die müssen unter die Deutschen kommen, damit sie das, was sie an Deutsch gelernt haben, auch anwenden können und müssen.“

Ohne bürgerschaftliches Engagement sei das Ziel der Integration nicht zu schaffen, betonen Spangenberger und Kasting. „Mit unserer Willkommenskultur hat es gut geklappt“, resümiert Kasting. „Jetzt müssen wir uns verstärkt um Integration kümmern.“

Und dazu benötige die ACKH wieder mehr Spenden. Der Spendenzufluss sei deutlich zurückgegangen, bedauert Kasting. „In unserer Kasse droht in diesem Jahr ein Defizit von mehreren tausend Euro.“ Zwar teilten sich die beteiligten Gemeinden und der Kirchenkreis die Kosten für eine im Familienzentrum angesiedelte Teilzeitstelle, aber das Geld werde doch immer knapper.



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