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Zunehmend Investoren aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich

Ackerpreise gehen durch die Decke

Hameln-Pyrmont. Seit Jahren geht die Kurve für die AckerPreise steil nach oben. Im Landkreis Hameln-Pyrmont bewegen diese sich im Vergleich zu anderen Regionen Niedersachsens mit Spitzenwerten wie in Vechta oder Cloppenburg zwar im Mittelfeld, aber immerhin: Um sechs Prozent sind die Preise für landwirtschaftliche Grundstücke im letzten Jahr gestiegen. So steht es im neuesten Marktbericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Hameln Hannover (GAG). Um 30 Prozent erhöhten sie sich von 2008 bis heute insgesamt. Und um 80 Prozent sind die Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen von 2000 bis 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bundesweit gestiegen. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

veröffentlicht am 13.04.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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„Es gibt zunehmend Interessenten aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich“, sagt Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer. Keine Spekulanten, sondern eher Leute, die in Ackerland investieren wollen, vermutet er, weil das Sparbuch aufgrund der Währungskrise kaum mehr Zinsen bringe. Wegen der Sorge vor der Entwertung des Euro gewinnt die Geldanlage in Sachwerte erheblich an Bedeutung. „Wir Landwirte sehen diese Entwicklung kritisch, denn die Fläche wird immer knapper.“ Und teurer. Denn Privatleute, die ihr Erspartes in etwas investieren wollen, könnten oft andere Preise zahlen als Landwirte, die mit dem Zukauf von gepachtetem Land zumeist ihre betriebliche Existenz sichern wollen. Ein Betrieb, der morgen noch dabei sein wolle, müsse expandieren – entweder bei der Tierhaltung oder über die Fläche. Die Bestrebungen der Landesregierung, vor allem kleinere Betriebe zu fördern, würden kaum Wirkung zeigen, im Gegenteil, kleinere Höfe hätten es durch vielfältige Auflagen noch schwerer.

15 landwirtschaftliche Betriebe geben im Schnitt im Landkreis jährlich auf. Nur ganz wenige kommen dazu. Das Ackerland, das dann zum Verkauf stehe, gehöre oft zu Betrieben, zu denen die Kinder keine Bindung hätten und sich beruflich anderweitig orientierten. Und wer will es den Erben verdenken, wenn sie möglichst gewinnbringend verkaufen? Ein anderer Grund für die Landverknappung liegt in der gesteigerten Investitionsbereitschaft in nachwachsende Rohstoffe. Im Landkreis geht es dabei vor allem um die Biogasanlagen, die seit den 90er Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen. Die Biogasanlagen benötigen sowohl für den Anbau ihrer Energiepflanzen als auch für die Verwertung des am Ende des Verarbeitungsprozesses anfallenden Düngers sehr viele Ackerflächen.

Am höchsten ist der Preis für Ackerland im Landkreis tatsächlich dort, wo die meisten Biogasanlagen stehen, nämlich im Flecken Coppenbrügge. 3,60 Euro zahlt man dort pro Quadratmeter für Ackerflächen mit einer Bodengüte von 70 Punkten. „Mehr in Energie als in Nahrung zu investieren, war politisch gewollt und zukunftsorientiert“, sagt Meyer. Inzwischen werden die Biogasanlagen nicht mehr gefördert, allenthalben kommt dafür die Frage nach Vermaisung der Landschaft auf, und auch die Kritik, dass vor Ort Lebensmittel nicht auf dem Teller landen, sondern zur Energiezeugung genutzt werden, während anderswo Menschen verhungern, kennen die Landwirte. Auch der Hunger in der Welt ist ein Grund für die steigenden Ackerpreise: Die Zahl der Menschen steigt beständig an. „Vielleicht wurde die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der die Weltbevölkerung wächst“, sagt Meyer. Gleichzeitig öffneten sich seit ungefähr zehn Jahren die Märkte für Nahrungsmittel. Die Bedingungen, unter denen in ärmeren Ländern Nahrungsmittel produziert würden, seien oftmals auch dort nicht mehr haltbar, sagt Meyer.

Doch auch wenn ein Ausweiten der Märkte gewisse Chancen biete, die Landflucht werde das nicht stoppen können. Dann werde es schwierig, die Infrastruktur weiter aufrechtzuerhalten. Mit ganz viel schwarzem Humor könnte man anführen, dass dann die Eingriffe in die Natur, die bei Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau neuer Straßen (zum Beispiel die Umgehungsstraße für Aerzen und die geplante Umgehungsstraße für Coppenbrügge) anfallen, zumindest ausgeglichen werden können. Denn auch dafür benötigen die Städte und Gemeinden mehr Land – Land, das immer knapper und teurer wird.



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