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Fair gehandelte Produkte in allen Ratssitzungen – dafür soll Stadt ein Siegel bekommen

Abwarten und Fairtrade-Kaffee trinken

Hameln. Im Büro des Oberbürgermeisters und bei allen Rats- und Ausschusssitzungen soll künftig nur noch Fairtrade-Kaffee ausgeschenkt werden. Wenn, unter anderem, dieses Kriterium erfüllt ist, darf Hameln bald den Titel „Fairtrade-Town“ tragen.

veröffentlicht am 03.03.2016 um 18:31 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Klar, man muss nicht immer nur Probleme wälzen. Manchmal tut es auch ganz gut, mal Pause zu machen, durchzuatmen, die Füße hochzulegen und über Alltägliches nachzudenken. Darüber, ob man zum Frühstück lieber auf Halbfettmilch zum Müsli umsteigen sollte, zum Beispiel. Oder darüber, welchen Kaffee man auf die Einkaufsliste setzen soll. Die vermeintlich banalen Dinge des Lebens stellen häufig die Balance wieder her, wenn es ansonsten an allen Fronten heiß hergeht, sorgen für ein bisschen Ausgeglichenheit, Harmonie.

Vor allem um Harmonie dürfte es auch CDU und Grünen gegangen sein, als sie gemeinsam mit allen anderen im Rat vertretenen Fraktionen Anfang Februar einen Antrag zur Abstimmung im Rat in der kommenden Woche einbrachten. Mal nicht über die Millionen für‘s Schulzentrum Nord streiten, nicht über die Schulträgerschaft, über die Wilhelm-Raabe-Schule, den Umgang mit Flüchtlingen. Nein: CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke wollen etwas beschließen, das niemandem wehtut: Die Stadt Hameln soll sich an der internationalen Kampagne „Fairtrade-Towns“ beteiligen.

Was das bedeutet? Hameln bekäme, erfüllt es alle fünf geforderten Kriterien, den Titel „Fairtrade-Town“ verliehen, so wie bereits mehr als 1400 andere Städte weltweit. Die viel bessere Frage aber – wozu das gut sein soll – ist nicht so leicht zu beantworten. „Fairtrade liegt bei der Bevölkerung sehr im Trend“, sagt Ursula Wehrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hamelner Stadtrat. Das Rathaus liefert dazu gleich ein paar passende Zahlen: 2013 habe der weltweite Umsatz von Fairtrade-Produkten bei 5,5 Milliarden Euro gelegen, „die Wachstumsraten der vier Kernprodukte Kaffee, Bananen, Blumen und Kakao befinden sich im zweistelligen Bereich“, heißt es weiter. Soweit, so gut.

Damit, dass den Hamelner Politikern ein steigende Absatzmarkt am Herzen liegt, mit dem sie sonst aber nicht mehr zu tun haben, ist das Engagement für Fairtrade-Produkte aber noch nicht begründet. „Mir persönlich liegt es sehr am Herzen, dass Hungerlöhnen und Kinderarbeit der Riegel vorgeschoben wird“, sagt Wehrmann. Die Kampagne, heißt es aus dem Rathaus, ziele darauf ab, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern zu verbessern, die meist Schwellen- oder Dritte-Welt-Länder seien. Das Fairtrade-Siegel gelte als ein wirksames Mittel bei der nachhaltigen Armutsbekämpfung in diesen Ländern.

Grobe Schätzungen

gehen von 1200 Euro Mehrkosten jährlich aus

Nun kann man als Stadtrat, auch per Beschluss, seinen Bürgern und Unternehmern nicht vorschreiben, bei Kauf und Produktion an Kleinbauern in Peru zu denken. Man kann auch Geschäftsinhabern und Gastronomen nicht auferlegen, Fairtrade-Produkte ins Sortiment aufzunehmen, mit ihnen zu kochen und sie zu verkaufen. Genau das aber sieht die Kriterienliste vor: Zwölf Geschäfte und sechs Gastronomiebetriebe müssen, damit Hameln sich künftig als „Fairtrade-Town“ bezeichnen darf, entsprechende Produkte anbieten. Wie will die Politik das bewerkstelligen? „Wir bilden eine Steuerungsgruppe, und diese wird Werbung dafür machen“, sagt Wehrmann. Und was haben Ladeninhaber davon? „Ganz neue Kooperationsformen“, heißt es recht schwammig.

„Stadtführungen zum fairen Handel wären zum Beispiel möglich. Wo kann man faire Produkte kaufen? Was steckt dahinter? Warum hat das etwas mit mir zu tun?“, wird man im Rathaus etwas konkreter. Dass das Siegel „Fairtrade-Town“ in andere Städten einen positiven Effekt auf den Tourismus oder den Handel habe, davon allerdings sei nichts bekannt.

Ein Effekt allerdings ist bekannt: Fairtrade-Produkte sind grundsätzlich teurer, „in der Regel sind sie aber auch Bio-Produkte und diese sollen auch gesünder sein“, zitiert man im Rathaus eine recht umstrittene Studie. Die Mehrkosten, um allein eines der geforderten Kriterien zu erfüllen – bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Rates sowie im Büro des Oberbürgermeisters soll künftig nur noch Kaffee und andere Produkte auch fairem Handel serviert werden –, belaufen sich nach groben Schätzungen auf rund 1200 Euro im Jahr. „Wenn Ortsratssitzungen oder Sitzungen in anderen Örtlichkeiten stattfinden, dann ist es denkbar, dass dort ebenfalls fair gehandelte Produkte verwendet werden“, so die offizielle Angabe der Stadt.



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