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AEG-Schulleiter geht in den Ruhestand

Abschied ohne Wehmut

HAMELN. Wenn Wolfgang Weber am Freitagvormittag feierlich verabschiedet wird, kann er auf 17 Jahre als Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) zurückblicken. „Es war eine interessante Zeit“, sagt der Mathematik-, Physik- und Informatiklehrer nüchtern.

veröffentlicht am 26.01.2017 um 19:25 Uhr

Nach 17 Jahren als Schulleiter wird Wolfgang Weber nun in den Ruhestand verabschiedet. Foto: mz
Michael Zimmermann

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Die Einführung des Sozialpraktikums in der neunten Klasse fiel ebenso in seine Verantwortung wie das Projekt „Gesunde Schule“. Schon lange vor seinem Amtsantritt habe das AEG außerdem gute Auslandkontakte gepflegt. Diese hätten gerade die Sprachenlehrer noch ausgebaut. Heute ist das AEG offiziell eine „Europaschule in Niedersachsen“, nimmt an Projekten der Austauschprogramme Erasmus und Comenius teil.

Seit vier Jahren gibt es am AEG auch computerbasierten Unterricht. „In einer Zeit, in der die ganze Gesellschaft auch durch Smartphones sehr stark vernetzt ist, versuchen wir, unseren Schülern entsprechend systematisch Kompetenzen zu vermitteln.“ Ohne das Engagement im Kollegium sei dies aber nicht möglich. Die gesamte IT-Betreuung müsse von den Lehrern gestemmt werden. „Eigentlich ist unsere Kernaufgabe Unterricht und nicht, irgendwo Bücher auszuleihen oder Kabel zu verlegen“, sagt Weber.

Sein Abitur hat der heute 63-jährige Hamelner 1972 am Schiller-Gymnasium abgelegt. Die Schulzeit dort habe er genossen, sonst wäre er nicht Lehrer geworden. Und wenn dort eine Stelle frei gewesen wäre, wäre es für ihn natürlich etwas Besonderes gewesen, an die alte Schule zurückzukehren. „Ich habe aber gesagt ,Wenn Schulleitung, dann in Hameln und nicht irgendwo anders. Das war kein Problem.“ Auch, wenn es zwischen beiden Schulen eine „natürliche Konkurrenz“ um Schüler und finanzielle Mittel gebe, arbeiteten sie in vielen Bereichen eng zusammen. Gerade hier habe sich ohnehin eine Menge getan, sagt Weber. Durch den regelmäßigen Austausch der Schulen wüssten die Schulleiter nicht nur, wo bei den jeweils anderen der Schuh drückt, sondern könnten auch gemeinsam gegenüber Politik und Verwaltung auftreten. „Dass sich das so bewährt hat, hat mich sehr gefreut“, sagt Weber.

Noch läuft der Schulalltag für Wolfgang Weber nach den gewohnten Routinen. Er zeigt auf den Stapel mit Halbjahreszeugnissen: „Die meisten davon tragen meine Unterschrift.“ Es sei noch viel zu erledigen. Gerade erst habe es noch eine große Dienstbesprechung gegeben. Viele Informationen müssten noch weitergegeben, vieles noch abgesprochen werden. Auch die Zukunft müsse geplant werden: Im Herbst feiert die Schule mit einer Projektwoche den 45. Geburtstag.

Vor allem in der Gründungsphase hatte das AEG den Ruf, rebellischer zu sein als die anderen beiden Hamelner Gymnasien. Diesen Ruf sei man längst los, meint Weber. „Bei der letzten Schulinspektion wurde uns sehr gute Arbeit bescheinigt. Ich sage mal ganz stolz, dass wir eine Vorzeigeschule sind.“ Davon könne sich manch einer, der sich das auf die Fahnen schreibt, „eine Scheibe abschneiden“.

Ein kritischer Geist sei trotzdem wichtig: Gerade in den Zeiten, in denen Populismus weltweit Raum gewinnt, sei „Erziehung zum Nachdenken, zum Nachfragen, zum Kritischsein“ ein zentrales Element, das die Schule leisten müsse, damit sich die Schüler nicht von Populisten einfangen lassen, falschen Twitter-Nachrichten glauben oder „Fake-News“ aufsitzen. „Und dann können sie auch gerne ihren Lehrern gegenüber kritisch sein“, findet Weber.

Sein Nachfolger Christian Martin Schmidt werde sich mit den Bauarbeiten am Schulzentrum Nord beschäftigen müssen, schätzt Weber. Vielmehr allerdings werde die langfristige Entwicklung der Hamelner Schullandschaft das Hauptthema sein. „Abgesehen davon weiß man auch nie, was kurzfristig auf einen zukommt.“

Wehmütig ist Weber nicht: „Ich werde ja nicht weggeprügelt, sondern gehe von mir aus und sehe die neuen Perspektiven als ein Weitergehen. Wie in Hermann Hesses Gedicht ‚Stufen’: Es kommen im Leben immer neue Dinge, die aufeinanderfolgen.“ Jetzt ergäben sich Spielräume für Dinge, die vorher aus Zeitgründen liegen geblieben sind. Nach dem Abschied will der Oberstudiendirektor nach Hannover umziehen – und auf Reisen um die Welt neue Eindrücke sammeln. „Ich finde, im Leben muss man immer wieder neue Erfahrungen machen.“



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