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Bücherei begründet kürzere Ausleihzeiten mit Personalmangel / Blick über Stadtgrenzen zeigt: Es geht

Öffnungszeiten reduziert – muss das sein?

Hameln. Anfang des Jahres schränkte die Stadtbücherei Hameln ihre Öffnungszeiten ein: Zwei Stunden pro Woche sind die Räume in der Pfortmühle seitdem weniger für Benutzer geöffnet, statt um 18 schließt die Bücherei donnerstags nun bereits um 16 Uhr. Als Grund für die Einschränkung der Öffnungszeiten wurde der „reduzierte Personaleinsatz“ genannt: Im Dezember hatte der Stadtrat auf Antrag von CDU, Grünen und Unabhängigen beschlossen, die nicht wiederbesetzte Stelle einer ausgeschiedenen Bibliotheksangestellten komplett aus dem Stellenplan zu streichen. 44 000 Euro, sagte Mehrheitsgruppen-Sprecher Claudio Griese, könnten somit jährlich eingespart werden.

veröffentlicht am 18.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 09:16 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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„Die reduzierten Öffnungszeiten sind eine Reaktion darauf, dass eine Stelle nicht mehr besetzt werden konnte“, heißt es aus dem Rathaus. Derselbe Arbeitsaufwand sei mit weniger Mitarbeitern nicht zu bewältigen – eine Aussage, die zwar schwierig zu prüfen ist, bei deren Einschätzung aber ein Blick auf die „Nachbarn“ helfen kann: Während die Stadtbücherei Hameln mit 14 Mitarbeitern, verteilt auf 11,5 Stellen, 25 Stunden pro Woche für die Ausleihe geöffnet ist, schaffen die 12 Mitarbeiter (10,6 Stellen) der Stadtbibliothek im ostwestfälischen Minden 31 Stunden pro Woche. Mit 1901 (Hameln) und 2000 Quadratmeter(Minden) sind beide auch der Größe nach miteinander vergleichbar. Mit rund 6600 aktiven Nutzern hat Minden zwar rund 30 Prozent mehr Publikum (und zudem gut 40 Prozent mehr Einwohner), in der Zahl der ausleihbaren Medien führt jedoch die Rattenfängerstadt: Laut Niedersächsischem Bildungsserver hat die Stadtbücherei Hameln einen Bestand von 130 000 Medien, in Minden sind es 95 000 (27 Prozent weniger). Entsprechend verhält es sich mit den Ausleihen. Hameln verzeichnete im vergangenen Jahr 410 661 ausgeliehene Medien, in Minden waren es rund 20 Prozent weniger.

Bei in etwa gleicher Nutzfläche und einer Planstelle weniger ist die Stadtbibliothek Minden also sechs Stunden länger pro Woche geöffnet als die Hamelner Stadtbücherei. Beim Blick in den Nordosten wird der Unterschied noch deutlicher: Die Stadtbibliothek Celle beschäftigt 24 Mitarbeiter auf 18,65 Stellen und bringt es auf 40 Stunden reine Ausleihzeit in der Haupt- plus 20 weitere in einer Zweigstelle. Mit 1569 Quadratmetern Publikumsfläche ist die Einrichtung zwar 332 Quadratmeter kleiner als die drei Etagen an der Weser, mit 8328 aktiven Nutzern hat die Stadtbibliothek Celle aber auch gut 65 Prozent mehr Mitglieder (bei 22 Prozent mehr Einwohnern). Der Bestand immerhin ist vergleichbar: 136 087 Medien sind in Celle vorhanden, die Bibliothek verzeichnete im vergangenen Jahr 559 259 Ausleihen.

Stellt man allein Personal und Öffnungszeiten ins Verhältnis, steht Hameln im Vergleich schlecht dar: In Hameln kommen auf einen Mitarbeiter im Schnitt 1,79 Ausleih-Stunden, in Celle sind es 2,5 Stunden, in Minden sogar 2,58.

Doch der Arbeitsaufwand – so die Argumentation der Stadt für eine Beschränkung der Öffnungszeiten – lasse sich nicht allein in Ausleihzeiten messen: „Natürlich denken Stadt und Stadtbücherei darüber nach, wie man den Betrieb in vollem Umfang wieder aufnehmen könnte“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Die einzige Möglichkeit sehen er und Bücherei-Leiter Bernhard Greten allerdings in einer Verbesserung der technischen Infrastruktur: Viele Arbeitsabläufe, die die Bücherei-Mitarbeiter heute mühsam von Hand erledigen – und die daher viel Zeit in Anspruch nehmen –, könnten dann automatisiert oder zumindest erheblich erleichtert werden. Was das kosten soll? „Dazu können wir zurzeit noch keine Aussagen machen“, heißt es aus dem Rathaus. Auch bezüglich des Zeitplans könne man noch nichts sagen. Greten aber ist sich sicher: „Nicht morgen, nicht dieses Jahr.“



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