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Sprachlicher Umgang ausländischer Ärzte mit Patienten soll verbessert werden

Ärzte drücken Schulbank im Fach Deutsch

Hameln. „Aua“ oder „Autsch“ als Ausdruck des Schmerzempfindens heißt es nicht in jeder Sprache. Auf Arabisch drücke man sein Schmerzgefühl mit einem „Ei“ oder „Ah“ aus, weiß Haytham Abdelrahim. Der Ägypter arbeitet seit September 2012 als Arzt im Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont. Neben Abdelrahim haben 17 weitere Ärzte unter den 180 Medizinern der Klinik einen Migrationshintergrund.

veröffentlicht am 18.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 19:21 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Jetzt drücken acht dieser Ärzte erneut die Schulbank, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. „Einen gewissen Level haben sie alle. Doch um Kommunikationsdefizite und Barrieren abzubauen, bieten wir diese Qualifizierungsmaßnahme in unserer Klinik an“, sagt Norbert Reelsen, Leiter des Sana Klinik-Personalmanagements. Er habe keine Schwierigkeiten, das in Hameln gesprochene Hochdeutsch zu verstehen, sagt Haytham Abdelrahim in gut verständlichem Deutsch. Doch so leicht wie dem Ägypter fällt das nicht jedem Arzt aus dem Ausland.

Hintergrund für die Sprachkurse in vielen Kliniken, die die Häuser meist aus eigener Tasche bezahlen, ist die seit Jahren steigende Zahl ausländischer Mediziner, die den Ärztemangel in Deutschland beheben helfen. Deren Sprachkenntnisse reichen aus Sicht des Marburger Bundes oft nicht aus. Weil der Arbeitsalltag der Ärzte mit Migrationshintergrund nicht selten mit Schwierigkeiten verbunden ist, die in sprachlicher Unsicherheit gründen, hatte der Ärzteverband bereits im Mai vergangenen Jahres gefordert, das derzeit vorgeschriebene Sprachniveau „B2“ heraufzusetzen. Das nächste Sprachlevel „C1“ fordert eine Sprachverwendung, die zu einem Verständnis zwischen den Zeilen befähigt. Eine Leistung, die beispielsweise für ein Patientengespräch enorm wichtig werden kann.

In Hameln werden zwei der acht ausländischen Mediziner zum Ende des Monats die Prüfung C1 gemäß des „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen“ ablegen. Personalmanagementleiter Reelsen sieht die Weiterbildung als „Bonus für den Patienten“.

„Es geht im Kurs darum, den sprachlichen Kontakt zum Patienten zu verbessern“, erklärt Birgit Friebel, die den einmal pro Woche stattfindenden dreistündigen Kurs leitet. Die Ärzte sollen vor allem sprachliche Sensibilität entwickeln.

„Die ärztliche Kompetenz muss sprachlich vermittelt werden“, sagt Norbert Reelsen. Der Mitarbeiter der Sana-Klinik denkt dabei auch an Gespräche mit Angehörigen, bei denen nicht selten eine schlechte Nachricht überbracht werden muss. „Wir sind verpflichtet, uns für Laien verständlich auszudrücken.“ Und auch das Frauenbild spiele eine Rolle, spricht der Personalleiter einen weiteren Punkt des Unterrichts an. Damit hätten Ärzte aus arabischen Ländern hierzulande nicht selten Probleme.

Der Mangel an Medizinern, den vor allem ost- und südeuropäische Ärzte in Deutschland auffüllen, ist beachtlich: 24 595 ausländische Ärzte waren 2011 hierzulande tätig, 12 Prozent mehr als 2010. Der größte Zustrom kam im vorletzten Jahr aus Rumänien, gefolgt von Ungarn und Griechenland. Insgesamt stammen 73,5 Prozent der ausländischen Ärzte aus Europa, 17,8 Prozent kommen aus Asien, 4,8 Prozent aus Afrika und drei Prozent aus Amerika.

Deutsch als Fremdsprache: Birgit Friebel unterrichtet Ahmed Khalifa (li.), Unfallchirurg Haytham Abdelrahim und Neurochirurg Huthaifa Hourani im Sana Klinikum.fn



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