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Ärger um taz-Artikel über Briten-Parade

veröffentlicht am 25.03.2010 um 20:05 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln/Hamburg (wul). Wenn heute ab 11 Uhr die britischen Pioniere durch Hameln marschieren, haben sich Wut und Empörung im Rathaus wohl etwas gelegt. Gestern aber schwankte die Stimmung des Stadtsprechers Thomas Wahmes zwischen Entsetzen und persönlicher Betroffenheit angesichts eines Artikels in der Regionalausgabe der Tageszeitung taz vom Mittwoch. Während die taz sich gegenüber der Dewezet darauf beruft, dass es sich um eine Satire handele und als solche zu erkennen und nicht ernst zu nehmen sei, erwägen Wahmes als Privatperson und die Stadt rechtliche Schritte gegen die Zeitung.
 In dem Artikel, der von der taz unter der täglichen Rubrik „Südwester“ ohne Nennung des jeweiligen Redakteurs erscheint, wird die Parade der jüngst aus Afghanistan zurückgekehrten Briten angekündigt und „der Stadtsprecher“ mit den Worten zitiert: „Man sieht fast gar nicht, dass sie vom Hindukusch kommen.“ Danach folgen weitere vermeintlich satirische Bemerkungen in indirekter Rede über die Verfassung der Soldaten, die dem Stadtsprecher in den Mund gelegt wurden. Im Gespräch mit der Dewezet erklärt Wahmes, dass er nie mit der taz gesprochen habe und dass diese Formulierungen ein Skandal seien „angesichts der Tatsache, dass ein Soldat, der in Hameln stationiert war, in Afghanistan ums Leben gekommen ist“. Das ist „eine Form der Diffamierung unserer britischen Freunde und ein Schlag ins Gesicht der Bundeswehr“, so Wahmes weiter. (Mit Blick auf das Presserecht haben wir die entsprechenden Passagen geschwärzt. Anm. d. Redaktion)
 Der Redaktionsleiter der taz-nord in Hamburg, Jan Kahlcke, reagiert verwundert auf die Resonanz, die der Artikel, der auch online verbreitet wurde, in Hameln ausgelöst hat. „Wer die taz öfter in den Händen hält“, wisse, dass der „Südwester“ Satire sei. Und Satire müsse „zynisch und gemein“ sein, sagt Kahlcke gemäß Kurt Tucholskys Einschätzung „Satire darf alles“. Zwar hätten sich Betroffene, die an der gleichen Stelle sogar namentlich genannt worden seien, schon häufiger beschwert, rechtliche Probleme habe es wegen des „Südwesters“ aber noch nicht gegeben, erklärt Kahlcke weiter. Zu diesen Betroffenen zählen laut Kahlcke die ehemalige Landesbischöfin der evangelischen Kirche Margot Käßmann, Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann oder regelmäßig Innenminister Uwe Schünemann.
 Stefan Borrmann vom Verband Norddeutscher Zeitungsverleger äußert sich skeptisch zum Artikel: „Ein Stadtsprecher, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen“ derart zu zitieren, löst bei Borrmann „presserechtliche Bedenken“ aus, wie er sagt. Er kritisiert, dass der Artikel „auf Kosten der Soldaten und des Pressesprechers“ verfasst worden sei.



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