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„Crazy“ vor ungewisser Zukunft: Lärm-Probleme auch in anderen Hamelner Musikkneipen?

Ärger um Kneipenlärm

HAMELN. Thorsten Kobert ist enttäuscht. Der Betreiber vom „Crazy“ will im Sommer mit seiner Musikkneipe umziehen, weil die Stadt nach mehreren Beschwerden ein Schallschutzgutachten verlangt. Das ist Kobert aber zu teuer. Und eine alternative Location findet der 49-Jährige in Hameln nicht.

veröffentlicht am 03.02.2019 um 16:21 Uhr

Thorsten Kobert im „Crazy“: Der Betreiber will die Kreuzstraße mit seiner Musikkneipe verlassen. Eine alternative Location hat er in Hameln bislang aber nicht gefunden. Foto: Dana
Muschik, Moritz

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Daher spielt er mit dem Gedanken, die Stadt zu verlassen. „Hameln ist da nicht ganz einfach“, meint der Gastronom. Was sagen andere Betreiber? Im „Crazy“ bietet Thorsten Kobert regelmäßig Livemusik an. „Ich lege Wert darauf, dass die Konzerte bestenfalls bis 22 Uhr beendet sind, um die Nachtruhe einzuhalten“, sagt der Betreiber der Musikkneipe. Trotzdem seien seit 2015 Beschwerden über die Lautstärke der Musik und der Gäste bei der Stadt Hameln eingegangen – aus der Nachbarschaft. Eine Messung bei höchstmöglicher Lautstärke der Anlage in der Bar habe zudem ergeben, dass die Richtwerte überschritten wurden. Also wurde Thorsten Kobert aufgefordert, ein Schallschutzgutachten vorzulegen.

„Die Kosten für ein solches Gutachten und eventuelle Nachbesserungen bedrohen aber meine Existenz als Gastwirt“, sagt der Betreiber. Kobert will mit dem „Crazy“ daher umziehen. Das Problem: Er findet keine passende Location in Hameln.

Hildesheim und Rinteln zieht er als Ausweichmöglichkeiten in Betracht. „In Hildesheim hatte ich früher eine Disko mit einem Geschäftspartner, da gab es Probleme in dieser Form nicht“, meint der 49-Jährige. „Oder sie wurden anders gelöst.“ Hameln sei schwierig, was die Lautstärke angeht. Auch in „Onkel Sam’s Bar“ in der Bungelosenstraße, die Kobert zuvor betrieb, hatte es Lärm-Probleme gegeben. „Jetzt finde ich es vor allem schade für meine Stammgäste“, sagt Kobert, der seit 30 Jahren als Gastronom arbeitet. Bald nicht mehr in Hameln?

Die Lautstärke der Musik beschäftigt auch Alexander Luhmann, Betreiber vom „Kaleu“ in der Kupferschmiedestraße. Nach Beschwerden von Anwohnern hat der Inhaber Schallschutzdämmungen einbauen lassen. Türen und Fenster müssen während Veranstaltungen geschlossen sein. Darüber hinaus gibt es in der „Hafenkneipe“ einen sogenannten Schallschutzvorhang im Eingangsbereich.

Wenn Luhmann nach 22 Uhr Livemusik anbieten möchte, benötige er eine Sondergenehmigung, die zusätzlich koste: „Es wird Betreibern oft schwer gemacht“, sagt der 32-Jährige.

Gerd Siepmann, der im „K 3“ in der Baustraße für das Veranstaltungsprogramm zuständig ist, kennt das Lärm-Problem ebenfalls. „Wir haben uns im Laufe der Jahre aber mit unseren Nachbarn arrangiert“, sagt er. Offen und ehrlich Rücksprache halten – das sei vor allem für eine Kneipe in der Innenstadt wichtig.

Das sieht auch Reza Amiri so. Der Betreiber vom „Papa Hemingway“ am Münsterkirchhof sagt, er weise seine Gäste darauf hin, ruhiger zu sein, wenn es zu hoch her gehe. Livemusik draußen im Sommer ende früh, und von innen sollte eigentlich keine Musik nach außen schallen – „Doppelverglasung“, meint er. „Wir halten uns an die Regeln“, so Amiri.

Doch er ist nicht der einzige Gastronom am Münsterkirchhof. Um ihn herum haben weitere Lokale geöffnet, von denen Lärm ausgehen kann. Hin und wieder habe es Beschwerden über die Lautstärke aus unmittelbarer Nachbarschaft gegeben. „Wir versuchen, unsere Nachbarn einzubinden und zu Veranstaltungen einzuladen“, erklärt Amiri. Es sei jedoch schwierig, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle Parteien zufrieden sind. Er als Betreiber wolle schließlich auch Geld verdienen. „Und ohne Musik brauche ich den Laden gar nicht zu öffnen.“

Dabei gibt es nach Informationen der Stadt im Sommer meist mehr Beschwerden als im Winter. Dies hänge auch damit zusammen, dass „die Menschen dann häufiger vor den Türen der Kneipen stehen“.

Weiter heißt es aus dem Rathaus: „Wenn man in einem urbanen Umfeld lebt, dann muss man bis zu einem gewissen Grad aber auch solchen ‚Lärm‘ dulden.“ Die Stadt jedenfalls habe bisher keine Kneipe schließen müssen, weil die Musik zu laut war.



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