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Aktion gestoppt / Neues Gesetz sorgt für Ratlosigkeit

Ärger an der Hamel: Baum trotz Schonzeit gefällt

Hameln (kar). Baumfällungen sind ein sensibles Thema, das viele auf die sprichwörtliche Palme bringt, dient die „grüne Lunge“ einer Stadt doch der Reduzierung von krebserregendem Feinstaub. In der Zeit vom 1. März bis 30. September ist es überdies verboten, außerhalb des Waldes stehende Bäume zurückzuschneiden, zu roden, erheblich zu beschädigen oder zu zerstören. Auf diese dem Schutz der Natur dienende Gesetzesregelung hat erst kürzlich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont hingewiesen. Doch gestern Morgen rückten mitten in der Stadt Landschaftsgärtner an, um am Hamelufer stehende Bäume am 164er Ring zu fällen. Im Auftrag der Stadt. Während der Schonzeit.

veröffentlicht am 08.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 16:21 Uhr

Erregt die Gemüter: Ein Ahorn am Hamelufer wurde gestern –
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Keine Regeln ohne Ausnahmen: „Die gesetzlichen Grundlagen haben sich seit dem 1. März verändert“, erklärt Harald Baumgarten vom Fachdienst Naturschutz und Landwirtschaft beim Landkreis. Demnach dürfen auch nach dem 1. März Baumpflegemaßnahmen durchgeführt werden, die dem Erhalt des Baumes dienen, führt Baumgarten aus. Darunter fallen Beschneidungen und Ausastungen. Gefällt werden dürfen Bäume grundsätzlich immer, also auch nach dem 1. März, aus „Verkehrssicherungsgründen“, das heißt: wenn unmittelbare Gefahr von dem Baum ausgeht, er beispielsweise morsch ist und umzustürzen droht. Gefällt werden dürfen Bäume aber auch während der Schonzeit auf „gärtnerisch genutzten Flächen“.

Was darunter zu verstehen ist? Ratlosigkeit bei den Naturschutz-Experten. „Es ist ein schwammiger Begriff“ gibt Baumgarten zu. Und ist in diesem Punkt genauso unsicher wie seine Kollegen bei der Stadt. Die Gesetzesverordnung sei noch ganz frisch. Es gibt weder Kommentierungen noch gerichtsfeste Aussagen zu dem Punkt. So mag der Bürgergarten eine „gärtnerisch genutzte Fläche sein“, theoretisch aber auch jeder Hausgarten. Ob das Hamelufer unter diese Regelung fällt – so richtig kann das keiner beantworten.

Gefällt aber wurde jetzt ein Baum, die Fällung des zweiten kurzfristig gestoppt. Grund für die Fällung: „Eine Abschattung des dahinterliegenden Gebäudes“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Es habe vor etwa zwei Wochen einen Ortstermin gegeben, bei dem signalisiert worden sei, dass die Mehrheit der Eigentümer die Fällung wünsche. Die aber war weder befragt, noch über die Fällung informiert worden. Die zuständige Hausverwaltung versichert: „Wir wissen von nichts, haben damit nichts zu tun.“ „Wir fällen nicht wahllos Bäume“, wehrt sich Wahmes gegen eine Überreaktion seitens der Stadt: „Wir mussten den Eindruck gewinnen, dass hier eine offizielle Bitte seitens der Eigentümergemeinschaft vorliegt.“

Fakt ist, ein Mieter der Wohnanlage hatte sich bei der Stadt über den Baum beschwert: „Er hat uns gestört. Wir haben keine Sonne mehr gesehen. Der Baum war befallen“, führt dieser ins Feld. Außerdem seien der gelbe Blütenstaub des Ahorns und seine Samen lästig gewesen. Die Balkon-Balustrade sei durch klebrige Absonderungen des Baumes verschmiert worden.

Andere Hausbewohner reagieren mit Unverständnis und Zorn, haben sie sich doch an dem Baum und seinem bunten Herbstlaub erfreut. Außerdem sei der Grünausschuss bei der Aktion umgangen worden. Nun hoffen sie, dass der zweite Ahorn nicht auch noch der Kettensäge zum Opfer fällt, obwohl Wahmes sagt: „Es sind Wildwuchsbäume, die sich selbst ausgesamt haben. In drei bis vier Jahren hätten sie wohl ohnehin gefällt werden müssen.“ Dass ein einzelner Anlieger ohne Wissen und Billigung der Mehrheit den Anstoß zur Fällung gegeben hat, verwundert den Stadtsprecher im Nachhinein. „Das nächste Mal müssen wir uns wohl eine Mehrheits-Vollmacht vorlegen lassen“, meint Wahmes. Die Fällung des zweiten Baumes ist vorerst vom Tisch: „Nachdem wir jetzt erfahren haben, dass kein Mehrheitsinteresse vorliegt und wir getäuscht worden sind, haben wir die Fällung gestoppt.“

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