weather-image
Highlight: die Präsentation seines Haupthaars

500 Muslime feiern Geburtstag des Propheten Mohammed

HAMELN. Während sich die meisten Hamelner an Neujahr noch von der Silvesternacht erholten, haben rund 500 Muslime die Geburt ihres Propheten Mohammed gefeiert. Das Highlight der Feier, die im Alten Hallenbad von der Masjid Nur Al-Huda-Gemeinde veranstaltet wurde, war die Präsentation einer Schatulle, in der sich das Haupthaar des Islambegründers befinden soll.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 03.01.2018 um 11:50 Uhr

Der Höhepunkt des Abends: Die Präsentation des Haupthaars des islamischen Propheten Mohammed in einer Schatulle durch den Hamelner Imam Khoder Siala. Foto: pk
Philipp Killmann

Autor

Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das Alte Hallenbad an der Hafenstraße ist bis auf den letzten Platz besetzt, auf der einen Seite sitzen die Männer in bestuhlten Reihen, auf der anderen die Frauen. An den Seiten stehen die Besucher, die keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten. Ordner sorgen dafür, dass in dem festlich geschmückten Saal alles in geordneten Bahnen verläuft. Der Grund für den großen Andrang an diesem Neujahrstag: Die Hamelner „Nur Al-Huda“-Gemeinde, die arabisch-islamische Glaubensgemeinschaft in der Sandstraße, hat zur Feier des Geburtstags des islamischen Propheten Mohammed eingeladen. Den Höhepunkt an diesem Abend bildet die Präsentation von Haupthaar des Islambegründers.

Der erste Redner an diesem Abend ist der Hamelner Imam Khoder Siala. Er heißt die rund 500 Besucher auf Arabisch willkommen. Es folgt Omar Kadi aus Hiddenhausen bei Herford. Kadi ist der Vorsitzende der zum „Verein zur Förderung von Erziehung und Bildung“ zählenden Nur Al-Huda-Gemeinde in Hameln. Er begrüßt die Gäste auf Deutsch, preist die Geburt des Propheten Mohammed und kündigt die feierliche Präsentation von dessen Haar an. Es folgen weitere, auffallend laut gehaltene, über Lautsprecher übertragene und von lauten orientalischen Musikklängen unterbrochene Reden von anderen Sprechern. Sie, so Omar Kadi, geben seine Begrüßungsrede auf Türkisch und Arabisch wieder. Die Namen der Redner wollten Kadi und Siala am Dienstag auf Anfrage der Dewezet nicht ohne Absprache mit den Betroffenen nennen. Die Redner hätten die Sorge, ins Visier von salafistischen Hasspredigern zu geraten, die Feiern wie diese für „unislamisch“ halten würden, begründet Khoder Siala.

Der auswärtige Sprecher, der seine Ansprache auf Arabisch hält, ist von dem Islamischen Verein für wohltätige Projekte (IVWP) in Berlin. Der IVWP hat die Hamelner Gemeinde bei der Organisation dieser Veranstaltung unterstützt und die Reliquie für die Feier zur Verfügung gestellt.

Das Alte Hallenbad war an Neujahr bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: pk
  • Das Alte Hallenbad war an Neujahr bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: pk

Schließlich wird es im Alten Hallenbad unruhig. Khoder Siala bringt, geleitet von anderen Männern, die Schatulle in den Saal, die das Haar des Propheten Mohammed enthalten soll. Fast alle Besucher erheben sich, einige klettern auf ihre Stühle, alle wollen einen Blick auf den kleinen Kasten mit der verehrten Reliquie werfen, viele zücken ihr Smartphone und filmen Sialas Gang in Richtung Bühne. Oberhalb der Bühne wirft ein Beamer das Geschehen im Saal großflächig an die Wand, bei YouTube wird es live übertragen. Eine Hebebühne befördert Siala, der die Schatulle in die Höhe hält, nun über die Köpfe der Besucher hinweg. Spätestens jetzt kann jeder einen Blick auf das schmuckvolle Kästchen erhaschen.

Anschließend bekommen die Ehrengäste in der ersten Reihe, darunter viele ältere Männer, Gelegenheit, die Schatulle zu berühren. Dieses Ritual dient Kadi zufolge dazu, den Segen zu erlangen. Ein Mann mit weißem Bart ist nach der Berührung der Schatulle offenbar tief bewegt, schließt die Augen. Dann wird die Schatulle wieder nach draußen befördert. Es folgen weitere Ansprachen sowie die Aufführung eines Theaterstücks von Kindern der Hamelner Nur Al-Huda-Gemeinde. In den Nebenräumen gibt es Essen und Getränke, islamische Schriften liegen aus. Gegen 22 Uhr löst sich die Feier allmählich auf.

Die Veranstalter sind zufrieden. „Es war eine sehr schöne Feier“, begeistert sich Siala. Auch der Vorsitzende Omar Kadi wertet die Veranstaltung als Erfolg. „Alle Gäste waren sehr zufrieden“, sagt er. Es sei das erste Mal gewesen, dass in Hameln eine Reliquie des Propheten Mohammed präsentiert worden ist, so die Veranstalter.

Information

Aufklärung über Extremismus

Die „Masjid Nur Al-Huda“, die Moschee des rechtleitenden Lichts in der Sandstraße, gehört zu dem in Hiddenhausen bei Herford ansässigen „Verein zur Förderung von Erziehung und Bildung“. Omar Kadi ist der Vorsitzende, der Hamelner Imam Khoder Siala Vorstandsmitglied. Die Gemeinde steht dem IVWP nahe und orientiert sich an dem äthiopischen Islamgelehrten Abdullah Al-Harari (1910-2008). Seine Anhänger heißen Habashis. Die arabisch-islamische Gemeinde in der Sandstraße praktiziert die schafiitische Rechtsschule, während die türkisch-islamischen Gemeinden am Thiewall und in der Hunoldstraße die hanafitische Lehre ausüben. Die Hamelner Gemeinde fühlt sich erklärtermaßen besonders der Aufklärung über islamistischen Extremismus verpflichtet.pk

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare