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Um Fachkräftemangel in der Pflege zu stoppen: Arbeitsagentur fördert ältere, ungelernte Beschäftigte

37, Azubi, volles Gehalt

Hameln. David Helms ist eigentlich gelernter Tischler. Vor rund 20 Jahren begann er in Lügde eine Lehre, doch der Betrieb konnte ihn nach Ende der Ausbildung nicht übernehmen. Helms, gerade Anfang 20, wälzte Stellenanzeigen, fand schließlich eine Ausschreibung der Diakonie Himmelsthür in Bad Pyrmont. „Die suchten jemanden für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten, das sagte mir nichts“, sagt Helms – und stellte sich einfach mal in der Kurstadt vor. „Erst vor Ort wurde mir klar, was mit ,handwerkliche Tätigkeiten‘ gemeint war: Die suchten jemanden, der anpacken kann“ – im Pflegedienst. David Helms nahm die Stelle an. 15 Jahre lang arbeitete der gelernte Tischler als Pflegehelfer in der Behindertenpflege.

veröffentlicht am 06.03.2016 um 15:06 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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154 freie Stellen – aber nur 16 Pflegefachkräfte

sind arbeitslos gemeldet

Was David Helms‘ Situation besonders macht, ist sein Geschlecht: In Deutschland arbeiten nach wie vor überwiegend Frauen in Pflegeberufen. Ansonsten aber steht der Werdegang des 37-Jährigen exemplarisch für so viele andere in deutschen Pflegeheimen: „Von 39 Mitarbeitern im Bereich Pflege und Betreuung in meinem Haus sind nur 21 ausgebildete Pflegefachkräfte“, berichtet Nils Ackermann, Geschäftsführer des Pflegeheims Haus Am Moorteich in Bad Pyrmont. Viele der Angestellten seien Mütter, die nach der Familienzeit entweder nicht in den gelernten Job zurückkehren konnten oder gar keine Berufsausbildung haben.

Dem gegenüber stehen alarmierende Zahlen, die die Agentur für Arbeit präsentiert: 66 Pflegeheime und 85 soziale Betreuungsdienste gibt es im Bezirk der Arbeitsagentur Hameln (Landkreise Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Holzminden), 154 freie, sozialversicherungspflichtige Stellen für examinierte Altenpfleger wurden dem Arbeitgeber-Service im Januar gemeldet – die Stellen, die an der Arbeitsagentur vorbei ausgeschrieben sind, noch nicht mit einberechnet. Gleichzeitig sind derzeit aber nur 16 Fachkräfte für diesen Bereich arbeitslos gemeldet. Der Versuch, junge Berufseinsteiger für eine Ausbildung im Pflegebereich zu begeistern, wird schon seit Längerem unternommen – mit eher mäßigem Erfolg. Um dem dramatischen Fachkräftemangel entgegenzuwirken, nehmen die Arbeitsagenturen aber auch vermehrt Personen wie David Helms ins Visier: kein Berufsanfänger mehr, nicht für den Bereich Pflege ausgebildet, aber mit mehreren Jahren Berufserfahrung in einer Pflegeeinrichtung. Und vor allem: Helms selbst hätte von sich aus eher keine weitere Lehre mehr absolviert – mit Mitte 30, einer Familie und Ausbildungsgehalt.

Dennoch ist Helms seit Oktober 2015 wieder Azubi – im Pflegeheim Haus Am Moorteich in Bad Pyrmont. Möglich machen das zum einen sein Chef, Nils Ackermann, der ihm die Ausbildungsstelle direkt im ersten Gespräch anbot – und die Arbeitsagentur, die mit dem Programm „WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen)“ dafür sorgt, dass Helms während der Lehre sein bisheriges Gehalt weiterbezieht. „Ich war 20 Jahre aus der Schule raus – und auf einmal hatte ich wieder Unterricht und Tests“, sagt Helms, „das war komisch.“ Im Wechsel ist der Lügder nun im Haus Am Moorteich in Bad Pyrmont im Einsatz und drückt die Schulbank im Bildungszentrum für Pflegeberufe Weserbergland in Hameln.

Mit Mitte 30 und einer Familie noch mal eine

Ausbildung anfangen?

„Meine Arbeit hat sich schon verändert“, sagt er. Mehr Verantwortung, mehr Aufgabenbereiche – „viele Dinge darf man als Pflegehelfer ja gar nicht machen“. Vor allem aber wird sich ein Einkommen nach Abschluss der dreijährigen Ausbildung ändern: „Eine examinierte Pflegekraft verdient 40 bis 50 Prozent mehr als eine Hilfskraft. Das Anfangsgehalt liegt bei rund 2100 Euro brutto“, rechnet Ackermann vor.

37 solcher Umschulungen zum examinierten Altenpfleger hat die Arbeitsagentur Hameln im vergangenen Jahr gefördert, die Umschüler sind zwischen 20 und 40, neun von ihnen sind Männer – Helms ist einer von ihnen. Er ist „glücklich und froh“ über die Möglichkeit, sagt er – und auch sein Arbeitgeber Ackermann ist überzeugt: „Nicht nur habe ich schon weitere Mitarbeiter im Auge, die das Potenzial haben – drei ehemalige Azubis haben sich mittlerweile zum Pflegedienstleiter weitergebildet und machen Karriere.“



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