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Trend geht in die andere Richtung: Schultaschen werden wieder schlichter / Hilfe durch Kreide-Tafel

300 Euro für einen Mercedes unter den Ranzen

Hameln. Lara und Malte freuen sich schon seit langem auf ihre Einschulung – spätestens seit dem Kauf ihres Schulranzens sind die beiden Feuer und Flamme. Laras pinkfarbener Pferde-Ranzen ist seit dem Tag ihr ein und alles, und Malte liebt seinen grün-blauen Ranzen mit Space Shuttle nahezu abgöttisch. Und damit liegen die beiden voll im Trend.

veröffentlicht am 06.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 06:21 Uhr

Autor:

Lena Christin Ohm
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„Die Jungs wollen blaue oder grüne Tornister, die Mädchen eher lila, pinke oder türkise, am besten noch mit Glitzer“, weiß Annett Renner von Renner in Hameln. Dabei kommt es den Schulkindern aber nicht nur auf die Farbe, sondern auch auf das Design an. „Jungen und Mädchen achten genau darauf, ob ihr Ranzen auch für das jeweils andere Geschlecht sein könnte“, meint Renner und fügt hinzu, dass gerade auch aus diesem Grund Unisex-Ranzen fast komplett aus dem Programm verschwunden seien. Schließlich wolle kein Junge von seinen Freunden hören, dass er einen Mädchenranzen trage. „Und die Kinder wissen ganz genau, was typisch für Mädchen ist und was für Jungs“, erläutert Renner.

Während sich die Designs der Schulranzen an den Trendfarben der Modeindustrie und den aktuellen Kinderfilmhelden orientieren, hat sich in den letzten Jahren auch grundsätzlich etwas verändert. „Mittlerweile sind die Ranzen schlichter geworden. Sie sind nicht mehr komplett bunt und bebildert, sondern haben nur noch einen großen Aufdruck“, so Annett Renner. Neben den obligatorischen Reflexstreifen seien zusätzlich immer mehr Ranzen mit integrierten LED-Leuchten ausgestattet, damit die Kinder in der Dunkelheit besser gesehen werden.

Doch ein gut sitzender Ranzen, der das Gewicht auf den ganzen Körper verteilt und hohen Tragekomfort bietet, hat auch seinen Preis. Zwischen 60 und 120 Euro müssten Eltern für einen passenden Ranzen bezahlen. „Wenn sie ein Modell aus dem Vorjahr für 125 Euro kaufen, sind beispielsweise Etui und Turnbeutel häufig aber schon mit dabei“, beruhigt Renner. Selbstverständlich geht es aber auch exklusiver: 300 Euro koste ein Ranzen im Marienkäferdesign, von dem deutschlandweit nur wenige Hundert verkauft werden. Eltern können aber ruhig bleiben: Dieser Ranzen ist nicht besser für den Rücken eines Kindes, als alle anderen es auch sind. Bei diesem Stück werde nur die Exklusivität bezahlt.

Doch wie sollen Eltern, die Hartz IV beziehen oder deren Lohn unter der Armutsgrenze liegt, diese Summen bezahlen? Aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung bekommen sie zu Beginn eines jeden Schuljahres 70 Euro ausgezahlt – bei reinen Bücherkosten von rund 105 Euro an manchen Schulen. Zusätzlich beziehen die Familien zwar gemäß dem alten Regelsatz für jedes Kind im Monat 1,79 Euro für Schulmaterial, doch das reiche oft nicht mal für Blöcke und Stifte, so Nicola Kraus vom Kinderschutzbund. „Wenn Eltern vom Tage der Geburt an sechs Jahre lang dieses Geld gespart hätten, stünden ihnen zur Einschulung rund 128 Euro zur Verfügung“, rechnet Kraus aus und weist darauf hin, dass von dem Geld vom Staat dann höchstens ein älteres Ranzenset und die Schulbücher gekauft werden können. Davon haben die Kinder jedoch noch keine Hefte, keinen Tuschkasten oder andere Materialien von der Liste, die in einigen Grundschulen rund 40 Gegenstände umfasst. „Insgesamt würde ich die Kosten zur Einschulung irgendwo bei 300 Euro sehen“, schätzt Kraus. Da diese Summe für viele Eltern nicht aufzubringen ist, hilft die Kreidetafel weiter. Dort können die Kinder von der kompletten Schulausstattung bis zu einzelnen Heften alles bekommen, was sie brauchen. Diese Kinder können an ihrem ersten Schultag zwar nicht mit einem Pferde- oder Space-Shuttle-Ranzen zur Schule gehen, aber welche Rolle spielt das schon?

Nächster Ausgabetermin der Hamelner Kreide-Tafel: Freitag, 26. August, Haus der Kirche, Emmernstraße.



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