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Aus Resten des Forts George erbaut

175 Jahre Klütturm: Ein Blick zurück

HAMELN. Der Klüt, der sich so eindrucksvoll über die Stadt erhebt und die französischen Soldaten vor über 200 Jahren deshalb zu der Bezeichnung „Gibraltar des Nordens“ inspiriert haben soll, wird seit nunmehr 175 Jahren von einem Aussichtsturm gekrönt. Zeit für einen Blick auf die Geschichte des Klütturms.

veröffentlicht am 11.10.2018 um 19:40 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 13:43 Uhr

Der Klütturm heute. Foto: Archiv/Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Mit des Adlers Königsblicken / Schau von hier ich in die Welt / Und mit kindlichem Entzücken / Greif ich nach dem Himmelszelt / Das der Klüt zu tragen scheint“, dichtete ein unbekannter Verfasser am 15. November 1896 in das damals am Klütturm ausliegende Fremdenbuch. Damals war der Turm noch relativ jung. Erbaut wurde er 1843. Aus Resten des in der Zeit von 1760 und 1762 erbauten Forts George, das sich auf dem Gipfel des Hamelner Hausbergs befand. Bis Napoleon die gesamte Festungsanlage im Jahr 1808 schleifen ließ.

Vor dem Turmbau hatten die Hamelner bereits begonnen, sich ihren Hausberg neu zu erschließen. „Naturliebe war das Grundgefühl der mit den Romantikern herangewachsenen Generation“, schreibt Ernst Meyer-Hermann in Heinrich Spanuths „Geschichte der Stadt Hameln" und fragt: „Konnte sich solche Naturverbundenheit ein schöneres Geschenk wünschen als den im Westen der Stadt vorgelagerten Berg mit seinen vielfältigen Ausblicken?“

Unter Federführung von Georg Gottfried Kleinschmidt (1785-1860), dem wohlhabenden Pionier bei der Erschließung des Klüts als Erholungslandschaft, und später Oberpostmeister Friedrich Wilhelm Heise (1802-1883) – an beide wird mit imposanten Denkmälern im Klüt oberhalb des Felsenkellerwegs erinnert – wurden Wege angelegt, darunter auch der sogenannte Schlangenweg, der bis heute von der Redenallee hoch zum Klütgipfel führt.

So sah der Klütturm um etwa 1870 aus, bevor er einige Jahre später erhöht worden ist. Foto: Stadtarchiv Hameln
  • So sah der Klütturm um etwa 1870 aus, bevor er einige Jahre später erhöht worden ist. Foto: Stadtarchiv Hameln
Der Klütturm im Hintergrund mit Gesellschaft auf einer Aufnahme von etwa 1910. Foto: Stadtarchiv Hameln
  • Der Klütturm im Hintergrund mit Gesellschaft auf einer Aufnahme von etwa 1910. Foto: Stadtarchiv Hameln
Eine Fotoaufnahme des Klütturms, die zirka 1919 entstanden sein soll. Foto: Stadtarchiv Hameln
  • Eine Fotoaufnahme des Klütturms, die zirka 1919 entstanden sein soll. Foto: Stadtarchiv Hameln
Im Sommer 1993 wurde der Klütturm samt maroder Außenwand aufwendig saniert. Foto: Archiv/DWZ
  • Im Sommer 1993 wurde der Klütturm samt maroder Außenwand aufwendig saniert. Foto: Archiv/DWZ
So sah der Klütturm um etwa 1870 aus, bevor er einige Jahre später erhöht worden ist. Foto: Stadtarchiv Hameln
Der Klütturm im Hintergrund mit Gesellschaft auf einer Aufnahme von etwa 1910. Foto: Stadtarchiv Hameln
Eine Fotoaufnahme des Klütturms, die zirka 1919 entstanden sein soll. Foto: Stadtarchiv Hameln
Im Sommer 1993 wurde der Klütturm samt maroder Außenwand aufwendig saniert. Foto: Archiv/DWZ

Unmittelbar unterhalb des höchsten Punkts des 258 Meter hohen Klütbergs wurde damals ein Aussichtsplatz angelegt. „Diese ,nette Einsiedelei‘, Konkordia-Platz genannt, fand so viel Beifall, daß alsbald der Plan auftauchte, nun auch die Höhe selbst zu erschließen und die Aussicht durch einen Turm zu einem umfassenden Rundblick zu erweitern“, ist im Spanuth weiter zu lesen. „Der Wasserbau-Inspektor (Adolf; Anm. d. red.) Buchholz, ein regsamer Kopf – die junge Dampfschiffahrt verdankte ihm manchen wertvollen Rat – griff den Gedanken tatkräftig auf, legte einen Entwurf vor und verband sich mit dem Postverwalter Heise zu einer intensiven Werbeaktion.“ Auf diese Weise seien für den Bau des Turms 400 Taler zusammengekommen. Mit Steinen des einstigen Forts George und Holz aus dem Stadtwald wurde der Turmbau 1843 begonnen, im selben Jahr fertiggestellt und in Erinnerung an das Fort auf den Namen „Georgs-Turm“ getauft. Umgangssprachlich wird er heute jedoch schlicht Klütturm genannt.

Der Turm ist ein Gemeinschaftswerk der Hamelner, wie bei Spanuth weiter zu lesen ist: „Mehrere Handwerker hatten ihre Arbeit kostenlos oder zu niedrigen Preisen zur Verfügung gestellt, und zwanzig Einwohner Hamelns und Klein Berkels mit ihren Gespannen die erforderlichen fünfzig Materialfuhren unentgeltlich ausgeführt.“

Umso verwunderlicher, dass das öffentliche Interesse an Hamelns neuem Aussichtsturm offenbar verschwindend gering war. Zumindest war der Turmbau der damaligen Tageszeitung „Hamelnsche Anzeigen“ keine Erwähnung wert, wie Dieter Lösche im Jahrbuch des Museumsvereins von 2010 schreibt. Der „Hermann“, der erste Raddampfer der Oberweser-Dampfschifffahrt-Gesellschaft, der im selben Jahr, also 1843, seinen Dienst antrat, stahl dem Klütturm wohl die Show.

Im Laufe der folgenden Jahre hatte sich der Waldbestand am Klüt wieder so weit erholt, dass die Bäume die Aussicht vom Turm versperrten. Deshalb wurde der Klütturm 1887 für etwa 4000 Mark mit Ziegelsteinen um gut das Doppelte erhöht. „Die Kosten sind erheblich“, berichteten nun auch die Hamelnschen Anzeigen. Abermals erhöht wurde der Klütturm durch den Anbau eines Dachs im Jahr 1950. Seitdem ist der Turm 23 Meter hoch. 98 Stufen führen auf den Turm hinauf.

Später, Ende der 1970er Jahren, war der Turm vorübergehend geschlossen. Wie aus damaligen Dewezet-Berichten hervorgeht, fehlte es an dem nötigen Aufsichtspersonal. Dieses wiederum sei auf einen Unterschlupf angewiesen, den es zwar gab, der 1977 aber vom NDR genutzt wurde. Ein Jahr später wurde am Fuße des Klütturms der bis heute fortbestehende (und 2017 restaurierte) Kiosk der Stadt errichtet. Und auch für die Schlüsselgewalt fand sich wieder jemand: Was damals die Pfadfinder leisteten, wird heute von Olaf und seiner Mutter Gunhild Cynta übernommen.

Alarm schlugen Anfang der 1990er Jahre der damalige Forstamtsleiter Wilhelm Berger und Theo Wehrbein, der damalige Kopf der Grenzbezieher. „Der Klütturm ist in einem desolaten Zustand“, befand Wehrbein. Der Zahn der Zeit hatte an dem Gemäuer sichtlich genagt. Das sollte sich ändern. Für 169 000 D-Mark wurde der Turm im Verbund von Grenzbeziehern, Sparkassen-Stiftung und Stadt saniert. Pünktlich zu seinem 150-jährigen Bestehen, das entsprechend gefeiert wurde.

Am Freitag, 25 Jahre später, wird das 175. Jubiläum gefeiert: Um 16 Uhr am Fuße des Turms wollen die Grenzbezieher das stattliche Gemäuer würdigen. Vielleicht mit ganz ähnlichen Worten wie der eingangs zitierte Unbekannte, der sein Gedicht wie folgt schloss: „Kling hinab zum Bergesrande / In das Thal, mein kleines Lied / Sag: ,Es gibt nur eine Weser / Und nur einen einz’gen Klüt.“



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