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„Zuhause – das geht gar nicht mehr“ –Mädchen fühlt sich vom Jugendamt im Stich gelassen

16-Jährige will weg von ihren Eltern

veröffentlicht am 29.08.2016 um 19:40 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:55 Uhr

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Autor:

Christian Vogelbein
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Sie ist 16 Jahre alt, ihre Eltern kamen 1998 aus Syrien nach Deutschland. Sie wurde hier geboren, ist hier aufgewachsen, will irgendwann Medizin studieren. Doch nun ist sie erneut auf der Flucht: vor ihren Eltern. Das Jugendamt hält sich zurück.

Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens und zwei Kulturen, die in ihr Stecken. Eine davon macht ihr derzeit große Sorgen und bringt ihr regelmäßig Streit mit ihren Eltern ein. Deshalb ist sie irgendwann abgehauen, wohnte bei Freunden oder wurde vom Jugendamt kurzzeitig untergebracht. Denn: „Zu Hause“, sagt das junge Mädchen, „das geht gar nicht mehr.“

Die Chronologie einer Flucht. Vor einem Jahr ist sie das erste Mal zu Hause abgehauen und bei einer Freundin untergekommen. Nach ein paar Tagen war sie wieder zurück. Beim zweiten Mal schickte ihr Vater die Polizei hinterher. Die suchte, fand und schickte das Mädchen schließlich zum Jugendamt. Es hat Gespräche gegeben: mit den Eltern, mit dem zuständigen Betreuern. Die einzige Möglichkeit wäre der Aufenthalt im Heim. Dort war sie kurz, aber ein dauerhafter Platz hat sich da nicht geboten. Also ging es nach Hannover, aber auch das sei keine Lösung, schließlich geht die 16-Jährige noch zur Schule, hat gerade ihren Abschluss gemacht.

Zwischenzeitlich kommt sie bei Nadine Goßler unter (wir berichteten). Dort lebte sie für drei Monate, das Jugendamt stimmte zu – und habe sich nicht mehr gemeldet.

Zu ihrem Geburtstag ging sie wieder zurück nach Hause, doch auch der Frieden hielt nur wenige Tage. „Das war vor den Sommerferien, inzwischen ist es wieder schlechter geworden“, beschreibt sie das schwierige Verhältnis zu ihren Eltern. Immer wieder Streit, immer wieder Drohungen. Und das Jugendamt? „Sie haben mir nie geholfen oder sich gemeldet“, sagt das Mädchen. Und wenn es Gespräche oder Termine im Jugendamt gebe, heiße es nur, sie solle wieder nach Hause, zu ihren Eltern. „Ich soll bis Ende August wieder zurück, dann hätte man einen Platz für mich in einer Betreuung“, sagt sie.

Schon vor einigen Wochen hat die Dewezet darüber berichtet, wie Nadine Goßler aus Hilligsfeld sich für das Mädchen starkmacht und sich für das Jugendamt um das Mädchen kümmerte. Die Mutter von selbst vier Kindern ist überzeugt: Beim Jugendamt liegt einiges im Argen. Denn nach dem Anruf und die Frage, ob sie das Mädchen aufnehmen könnte, sei nichts mehr gekommen: keine Überprüfung, keine Nachfrage, keine Hilfe. Auf Anfrage habe es nur geheißen, sie solle sich mit dem Vater in Verbindung setzen.

Tatsächlich aber hält sich auch das Jugendamt nur an geltendes Recht. Denn noch haben die leiblichen Eltern das Sorgerecht und damit sowohl die Verantwortung als auch die Hoheit über jede Entscheidung.„Ohne Zustimmung durch die Eltern oder Gerichte kann das Jugendamt nur im Rahmen von kurzfristigen Maßnahmen eingreifen“, heißt es aus dem Amt.

Das sich das Jugendamt in der gesamten Zeit nachlässig um das Mädchen gekümmert habe, möchte man nicht auf sich sitzen lassen. „Die Maßnahme des Jugendamtes wird auch intensiv geprüft und begleitet.“

Dem jungen Mädchen hilft das aktuell nicht: Sie lebt weiter bei Freunden, will langfristig in eine eigene Wohnung und sich endlich wieder um das zu kümmern, was ihr wirklich wichtig ist: ihre Zukunft.



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