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Kein Auto – kein Geld zurück: Kundin hat die Insolvenz des Händlers kalt erwischt

10 000 Euro für nichts

Hameln. Der Fiat-Autohändler „Automobilé Hameln“ an der Stüvestraße ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht bestätigt, dass das Insolvenzverfahren des Autohauses am 27. August eröffnet wurde. Im Großen betrachtet keine Sensation: Im Jahr 2013 meldeten deutschlandweit 26 300 Unternehmen Insolvenz an. Ärgerlich nur, wenn man von der Insolvenz des Autohauses nichts wusste und dann ein Auto beim finanzschwachen Unternehmen kauft. Gaby Letzing aus Bremen ist genau das passiert. „Das erwartet kein Kunde“, ärgert sie sich.

veröffentlicht am 04.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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Ende Juni sah sie auf der Internetseite „Autoscout 24“ einen Fiat 500 L, ein Jahreswagen, 85 PS, 23 700 Kilometer gelaufen, Kaufpreis: 13 450 Euro. Verkäufer: das Autohaus „Automobilé“ in Hameln. Nach einer Probefahrt entschied Letzing, den Fiat zu kaufen und ihren alten Peugeot in Zahlung zu geben. Den Restbetrag von 10 900 Euro überwies die Bremerin auf das Konto des Autohauses. „Der Verkäufer kringelte mir das Konto sogar noch ein, damit ich auch weiß, welches der beiden“, erzählt sie. Eine Barzahlung habe sie zwar angefragt, man habe sich dann aber auf die Überweisung geeinigt. Laut Letzing ist das Geld am 1. Juli auf dem Konto des Autohauses eingegangen – sie legt den Kontoauszug vor.

Nur drei Tage später, am 4. Juli, bekam Letzing einen Anruf: Sie werde das Auto nicht bekommen, hieß es nun. Eine Rückerstattung der überwiesenen Summe sei allerdings auch nicht möglich. Der Sachbearbeiter der Insolvenz erklärt, dass das Konto des Autohauses, kurze Zeit nachdem Letzings Geld eingegangen war, „eingefroren“ worden sei. „Dem Autohaus gehörte das Auto zum Zeitpunkt des Verkaufs wohl gar nicht mehr“, sagt Letzing. In einem Mailkontakt erklärte Sven-Ulrik Schneider, neben Felicia Diedrichs und Ingo Schneider einer der Geschäftsführer von „Automobilé“, sein Bedauern. In der Mail heißt es: „Wie soeben schon telefonisch besprochen, möchte ich Ihnen auf diesem Weg noch mal mitteilen, wie leid uns die ganzen Umstände und Unannehmlichkeiten tun. Leider erfolgte die Sperrung unseres Sparkassen-Kontos für uns sehr unerwartet. Da Ihr Geld vor dem Stichtag 1. Juli eingegangen ist, haben weder wir noch der Insolvenzverwalter Zugriff auf die Summe.“ Weiter schreibt er, dass der damalige Verkäufer davon zum Zeitpunkt des Verkaufs keine Kenntnis haben konnte.

Letzing führte viele Gespräche – mit Felicia Diedrichs und auch dem zuständigen Sachbearbeiter. Auch die Fiat-Bank in Heilbronn, bei der der Kfz-Brief wohl noch immer liegt, kontaktierte sie. „Die wären zu einem Vergleich bereit, doch daran wollte sich keiner der Zuständigen beteiligen“, erklärt Letzing. Vom Sachbearbeiter aus Hannover heißt es dazu: „Das dürfen wir gar nicht, die Fiat-Bank versucht jetzt nur andere mit ins Boot zu ziehen.“ Mehr möchte er dazu nicht sagen. In einem Schreiben erklärte die Fiat-Bank später, dass Letzing durch ihre „Zahlung auf das Konto des Autohauses in Vorkasse getreten sei, ohne eine nötige Absicherung der Zahlung sicherzustellen“.

Verbraucherschützer: Nie vorher überweisen

Selbst Schuld also? Nach bestem Gewissen hat Letzing den Betrag überwiesen. Grundsätzlich wird jedoch empfohlen: Geld nie vorher überweisen. Das rät auch die Verbraucherzentrale: „Verbraucher können sich vor dem Risiko des Geldverlustes im Fall einer Insolvenz im Grunde nur dadurch schützen, dass sie keine Zahlungen leisten, bevor sie die Ware in den Händen haben.“ Besser: eine Übergabe „Zug um Zug“. Das heißt, dass Geld und Ware, in diesem Fall die korrekten Papiere, im gleichen Moment übergeben werden.

„Den schwarzen Peter schiebe ich dem Autohaus zu“, sagt Letzing. Und: „Die hätten wenigstens sagen müssen: Wir verkaufen im Namen der Bank.“ Als letzten Schritt schaltet Letzing nun eine Anwältin ein, erstattet Strafanzeige wegen des Verdachts auf Betrug. „Das Autohaus hat sich bereichert, der persönliche Verlust der Zuständigen ist um knapp 11 000 Euro gesunken“, erklärt Letzing verärgert. Sie gibt aber auch an, dass sowohl Diedrichs als auch Schneider sich bemüht gezeigt hätten, versichert hätten, dass sich alles regeln lässt. Letzings Anwältin macht ihr wenig Hoffnung: Im Zweifelsfall könne sie in ein paar Jahren mit etwa 500 Euro rechnen. Dieser Ansicht ist auch die Verbraucherzentrale: „Die geleistete Zahlung fällt im schlechtesten Fall in die Insolvenzmasse und der Verbraucher hat weder einen bevorrechtigten Anspruch auf die ausstehende Lieferung der Ware noch auf Rückerstattung der Zahlung.“

Vom Autohaus war bisher keine Stellungnahme zu bekommen. Bei telefonischen Anfragen verweist eine Bandansage „aufgrund einer eventuellen Betriebsübernahme“ auf die Anwaltskanzlei in Hannover.



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