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Jubiläen in Ockensen

Vom Garagenbetrieb zum Anlaufpunkt: Mosterei und Scheunencafé immer beliebter

OCKENSEN. Dieses Jahr feiert die Mosterei ein ruhiges Jubiläum. Ohne Corona wäre sicherlich das 20-jährige Jubiläum der Mosterei Ockensen mit einem großen Mostfest gefeiert worden. 2001 wurde die Mosterei Ockensen quasi auf der grünen Wiese als kleiner Garagenbetrieb in der Ockenser Saalestraße von Olaf Seifert gegründet.

veröffentlicht am 31.08.2021 um 10:30 Uhr

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Reporter

Der gelernte Bankkaufmann erfüllte sich damit damals einen schon langgehegten Traum und betrieb die Mosterei zunächst nur nebengewerblich.

„Auf einem Campingplatz in Dänemark hatten wir einen Ingenieur und eine Ärztin kennengelernt, die selber in einem Schweinestall auf einem Hof bei Visselhövede eine Mosterei gegründet hatten. Das fand ich toll und begeisterte mich sofort dafür“, erinnert sich Olaf Seifert zurück.

Seifert ist dankbar, dass die dortigen Betreiber auch mit zahlreichen Tipps bei der Gründung in Ockensen Unterstützung leisteten. Als Konkurrenz wurde man nicht angesehen, da man ja nur regional arbeitet. Die damalige Garage von seinem Haus in Ockensen fand Seifert damals zu schade als Parkplatz für sein Auto und feierte dort schließlich das Richtfest der Mosterei Ockensen. Immer wieder investierte Seifert dann in den gut wachsenden Betrieb, der dann aber vor Ort schnell zu klein wurde und man sich nach Alternativen umschaute. Schließlich kaufte Seifert 2004 in Ockensen einen Bauernhof, der genug Platz für Erweiterungen bot. Immer wieder war die Mosterei Vorreiter bei verschiedenen Entwicklungen im Most-Geschäft. So gab es etwa Flaschen im Mehrwegsystem oder das Saftbox-System, was mittlerweile Standard geworden ist und viele Mostereien beim „Bag in box“-System nachgezogen haben.

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Auf dem Hof des Scheunencafe genießen die Gäste die Leckereien. Foto: GÖK

Auf dem Bauernhof wurden die Räumlichkeiten schließlich umgebaut und 2005 zog dort die Mosterei ein. „Da hatten wir dann viel mehr Platz und endlich auch Lagermöglichkeiten“, erklärte Seifert. Rückblickend hat Seifert niemals ansatzweise an die Entwicklung gedacht, die dann über Jahre ihren Weg gegangen ist. Noch heute ist aber Apfelsaft der Renner, auch wenn es viele verschiedene Sorten wie Kirsche, Aronia oder Johannisbeere in die Saft-Boxen schaffen.

2006 wurde dann als weiteres Standbein das Scheunencafé gegründet, welches nun schon 15-jähriges Jubiläum feiert. Schnell fragten dann die Kunden auch nach Möglichkeiten zum Feiern, was Seifert zusammen mit seiner Frau Constanze Wittig dann noch mehr antrieb. Das auf den ersten Blick ungewöhnliche Paar von einem Banker und einer Innenarchitektin erwies sich dann als Glücksfall. Mit viel Liebe zum Detail war die Handschrift von Constanze Wittig auf dem Bauernhof schnell zu erkennen, was sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse des Scheunencafés ist. Neben den Kuchenbuffets entwickelte sich das Scheunencafé dann zur Location für Familienfeiern oder Hochzeiten, wo sich vor allem Constanze Wittig verwirklichen konnte. Zu den Feierangeboten kam dann noch das regelmäßige Frühstücksangebot dazu. 2009 folgte schließlich ein weiterer Umbau, als der ehemalige Kuhstall zum Café umgestaltet wurde. 2016 und 2019 fanden die bisher letzten großen Baumaßnahmen statt, als eine neue Küche, neue Fußböden und Barrierefreiheit umgesetzt sowie das Dach saniert wurde. Bis zur Corona-Pandemie erfreute sich das Scheunencafé einer sehr großen Nachfrage. Es entwickelte sich dabei auch zu einem touristischen Faktor, da das Einzugsgebiet von Nordhessen bis nördlich von Hannover reicht und auch viele Tagesausflügler in die Region lockt.

Seifert gibt dabei zu, dass man kein „Billigheimer“ ist. „Wir haben aber eine eigene Küche mit eigenen Köchen und produzieren alles selber. Selbst die Soßen ziehen wir selber und die Menschen merken, dass bei uns Qualität geboten wird. Nach Möglichkeit beziehen wir alle Produkte aus der Region und stärken hier auch die Produzenten“, erklärt Seifert das Qualitätsprinzip. So gibt es auch mal Fleisch vom Sattelschwein aus Capellenhagen in Ockensen zu essen. Auch die mittlerweile gut angewachsene Mannschaft vom Scheunencafé werde gut bezahlt, sodass man diese mit viel persönlichem Einsatz auch während der Pandemie halten konnte. Froh ist Seifert, dass man mit Mosterei und Scheunencafé auf zwei Standbeine gesetzt hat. In obstschwachen Jahren hat das Scheunencafé Ausfälle bei der Mosterei aufgefangen und während der Pandemie war es dann andersrum. Olaf Seifert beschäftigt mittlerweile acht Festangestellte und bildet auch regelmäßig aus, woraus der eigene Nachwuchs auch resultiert. So werden derzeit auch wieder Auszubildende zum Restaurantfachmann und Koch gesucht. Der Billigtrend aus den Supermärkten setzt sich laut Seifert in der Gastronomie leider fort. „Wenn man aber unter Tarif zahlt, bekommt man in der Gastronomie auch keine guten Leute“, motiviert Seifert auch andere Gastronomen, ihre Angestellten angemessen zu bezahlen. Nicht verstanden hat Seifert auch so manche Corona-Regelung in der Vergangenheit. „Dass etwa 65 000 in ein Stadion dürfen, aber getestete, genesene oder geimpfte Gäste hier immer noch Maske tragen müssen, kann ich nicht nachvollziehen“, ärgert sich Seifert, was für die ganze Gastronomie bedrohlich ist.

Ein großes Anliegen ist Olaf Seifert und seiner Frau vor allem die Natur. So wurden am Waldrand des Ith auch schon zwei Hektar Streuobstwiesen angelegt, wodurch die Artenvielfalt in der Region verbessert werde. Das Obst wird dann immer für den eigenen Saftverkauf genutzt.



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