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Folgen für Weinberger See und Eisenteich – laut Gutachten aber keine negativen

Verlegung der Saale: Nachteile für die Baggerseen?

SALZHEMMENDORF. Die Saale soll ihren ursprünglichen Charakter zurückerhalten – dafür wird ab dem Herbst ein neues Flussbett für das Gewässer geschaffen. Für den Hochwasserschutz und die Tierarten, die in einem typischen Mittelgebirgsbach leben, verspricht das Vorteile. Doch wie werden sich die Gewässer Weinberger See und Eisenteich verändern, die künftig nicht mehr von der Saale durchflossen werden?

veröffentlicht am 24.08.2021 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 24.08.2021 um 20:20 Uhr

Jens Spickermann

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Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

„Der Eisenteich wird verfüllt, um wertvolle Auenlebensräume zu ermöglichen und der Weinberger See wird bei höheren Abflüssen der Saale über ein Abschlagsbauwerk mit Saalewasser versorgt und dient dem Hochwasserschutz“, teilt Jens Schatz, Geschäftsführer des Leineverbandes auf Nachfrage mit.

Da nur noch im Hochwasserfall Saale-Wasser in den Weinberger See fließt, werde sich der Pegel von Letzterem zudem um 1,5 Meter reduzieren, so der Leineverband. Im Umfeld des Sees werde es jedoch „zu keiner relevanten Beeinträchtigung der Vegetation infolge der Absenkung des Wasserspiegels“ kommen, heißt es in einem Gutachten.

Da Gebirgsbäche in der Regel einen geringen Nährstoffgehalt aufweisen, künstlich angelegte hingegen einen eher hohen, liegt die Vermutung nahe, dass der Weinberger See durch das Abschneiden des Saale-Zuflusses überdüngt wird – oder im Schlimmsten Fall gar „umkippen“ könnte.

Laut biologischem Gutachten ist letztere Befürchtung allerdings unbegründet: Die Bildung größerer Faulschlammmengen sei nicht zu erwarten, da der See ganzjährig einen ausreichenden Sauerstoffgehalt aufweise, heißt es. „Beim Absenken des Wasserspiegels werden somit keine Schwefelwasserstoffemissionen aus der freigelegten Sedimentoberfläche erwartet, die zu (zeitlich begrenzten) organoleptischen Belastungen im Umfeld des Weinberger Sees führen könnten.“ Soll heißen: Trotz der geringeren Frischwasserzufuhr ist nicht zu erwarten, dass der See aufgrund von Faulprozessen zu stinken beginnt.

Mit der räumlichen Abtrennung von der Saale werde auch der Phosphorgehalt im See nicht weiter ansteigen – langfristig sei sogar von einer Reduzierung auszugehen, so das Gutachten. „Die Sedimentuntersuchungen ergaben, dass der an Eisen gebundene Phosphor, welcher für die Gewässereutropherung bestimmend ist, gegenwärtig nicht aus dem Sediment mobilisiert werden kann und somit nicht für einen Eutrophierungsschub zur Verfügung steht“, schreibt Gutachter Dr. Rainer Hartmann. Dass der Weinberger See künftig zu einer trüben, zugewucherten oder gar stinkenden Brühe verkommt, ist also unwahrscheinlich.

Schatz verweist auf die Probleme für die Saale, die dadurch entstanden sind, dass das Wasser des Flusses seit der Beendigung des Braunkohleabbaus durch die Tagebaulöcher geführt wird: „Aktuell ist die Ökologie durch den See vollständig unterbrochen. Der Saale ist quasi in zwei Bäche durch den See aufgeteilt. Die Qualität des Seewassers und des Wassers der Saale unterscheiden sich erheblich.“ Dabei sei der Bachlauf als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) ausgewiesen und somit von „überregionaler Bedeutung“.

Ziel des Projektes sei „die ökologische Durchwanderbarkeit der Sohle eines Baches von der Quelle bis zur Mündung bei ausreichenden Wasserständen“.



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